Abrechnung mit den Radikalen

AfD-Vize Henkel fordert Kurskorrektur

Der interne Streit in der Alternative für Deutschland geht weiter: Nun rechnet AfD-Vize Hans-Olaf Henkel mit den Radikalen in der eigenen Partei ab und fordert einen klaren Kurs von der Führung.
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Hans-Olaf Henkel erwartet einen klareren Kurs für die Alternative für Deutschland. Quelle: Reuters

Hans-Olaf Henkel erwartet einen klareren Kurs für die Alternative für Deutschland.

(Foto: Reuters)

BerlinDer stellvertretende Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Hans-Olaf Henkel, befürchtet Schaden für seine Partei durch viele ideologisch fixierte Mitglieder. „Wir haben Unvernünftige, Unanständige und Intolerante in unseren Reihen“, sagte Henkel dem „Spiegel“. Als Beispiel nannte er die Gegner des geplanten Freihandelsabkommens mit den USA und die Putin-Sympathisanten in der AfD. „Da müssen wir innerparteilich für Aufklärung sorgen“, sagte der ehemalige BDI-Chef und heutige EU-Parlamentarier.

Henkel fordert von Bundessprecher Bernd Lucke eine Kurskorrektur. „Wir brauchen einen Markenkern“, sagte Henkel - auch wenn das einen Verlust von Wählerstimmen zur Folge haben könnte. Henkel: „Sie können den Leuten nicht sagen: Ich kann alles. Irgendwann sagen sie: Die können gar nichts.“ Parteichef Lucke, ebenfalls EU-Abgeordneter, fühlt sich derweil zunehmend überlastet von Parteiamt und Mandat. „Das Pensum ist sehr hoch“, sagte Lucke. „Bisweilen führen mich die Arbeit als Abgeordneter und die Parteiarbeit an die Grenze der Belastungsfähigkeit.“

  • dpa
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17 Kommentare zu "Abrechnung mit den Radikalen: AfD-Vize Henkel fordert Kurskorrektur"

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  • Henkel hat im Grunde Recht, aber die Sinnfindung bei der AfD ist in vollem Gange und meines Erachtens ist die Überlastung des Parteichefs Lucke als wesentlichem Garant einer besseren politischen Kultur in diesem Lande greifbar. In einem Punkt muß ich Henkel aber deutlich widersprechen: TTIP; CETA und Euro-Rettung liegen doch auf einer Linie: Nämlich der Fortsetzung des Kampfes des US-Kapitalismus gegen jede "Gängelung der Märkte" durch demokratische Staaten im Interesse eines notwendigen sozialen Ausgleichs in ihren Ländern, zumindest um die angerichteten Katastrophen der dem reinen Renditedenken verfallenen Investoren wenigstens abzumildern. Ferguson hat in seinem Film "Inside Job" kürzlich deutlich beschrieben, wie verbissen dieser Kampf des US-Großkapitals gegen jede Regelung der Finanzmärkte durch demokratisch legitimierte Regierungen geführt wird. Auch die Rolle der Group 30 des Rockefeller-Clans gegen jede Regelung der Kapitalmärkte ist dort deutlich beschrieben worden, einer Foundation, zu der neben dem Hardliner des US- Großkapitals, Timothy Geithner, auch der EZB-Präside Mario Draghi gehört, der ganz offensichtlich in dem Sinne als Generalbevollmächtigter der EU eingesetzt worden ist und da auch mit seinem Geld-Überflutungsprogramm und dem Aufkauf von Schrottanleihen mit einem Marktwert von 20% und 100%-tiger Rückzahlungsgarantie ganze Arbeit leistet: Er schafft dem Großkapital die nötigen Renditen auch ohne Wirtschaftswachstum auf Kosten der europäischen Steuerzahler, der das noch nicht einmal merkt. Aber wir können ja heute schon sogar an der lückenhaften EU-Statistik ablesen, wem diese Geschichte dient; Man muß sich nur mal die Vermögensverteilung seit etwa 2000 ansehen. Henkel steckt da noch zu sehr in seiner Rolle als Vertreter des Großkapitals, was für die AfD bedenklicher ist als die Suche nach einer Sinnfindung.

  • Lasst doch die AfD sich erst mal finden. Sowohl in neuen Parteien als auch in frischen Ehen fliegen ganz einfach am Anfang mal die Fetzen. Das war bei den Grünen nicht anders. Und die meisten Wähler die die AfD gewählt haben wollten auch erst einmal nur gegen die neue SED (CDU/CSU/SPD)ein Zeichen setzen. Und wenn man dann noch einen Mainstream mit "rechtsradikal-populistisch" gegen diese Partei in Szene setzt, ist es heutzutage schwer sich zu etablieren egal was die Partei macht, es wird immer falsch sein. Aber da muss die Partei eben durch ---- entweder sie übersteht es oder sie geht wieder unter.

  • Kaum ist die AFD eine größe, ist sie auch schon unterwandert.
    Es war ganz klar das auch die AFD gegen TIPP und ähnlichen Ausverkauf Europas und deutschlands gewesen ist. Wie dieser Mann die AFD nun in Scene setzt ist sie bereits jetzt keine Alternative mehr sondern nur noch eine weitere Nummer im Einheitsbrei der Parteien.

  • Sieht man sich die AfD in Berlin an, dann wird schnell klar, dass Henkel allenfalls eine blasse Ahnung der wirklichen Zustände hat. Hier ist die Partei auf Einheitslinie gebracht – verkommt, Dank der Unterstützung funktionsgeiler Karrieristen, die im rechten Sumpf. Und in den anderen Bundesländern sieht es kaum anders aus.
    Da jetzt noch ändern zu wollen, hieße, eine völlig neue Partei schaffen. Also bleibt nur, die auffälligsten Schreihälse auszusortieren. Doch das lässt den Laden lediglich geschmeidiger aussehen. Die Messen dürften hier gesungen sein.

  • Mit Henkel, Lucke, Storch, Petry, etc. ist die AfD eben keine Alternative. Die wollen nur an die Tröge. Alles Keynesianer wie die Blockparteien auch.
    Die AfD ist genau so eine sozialistische Partei wie die anderen - der "christliche Sozialismus" eben...

  • Im AfD-Europa-Wahlprogramm, an dessen Zustandekommen fast 6000 Mitglieder via Internet mitgearbeitet haben (auch ich stundenlang) wird Art.IV.2, überschrieben:

    Kein Freihandelsabkommen zu Lasten Europas!

    Nachzulesen ist die vollständige Fassung unter:
    http://www.alternativefuer.de/europawahl/europa-wahlprogramm/
    Aufgrund dessen haben auch viele TTIP-kritischen Wähler für die AfD gestimmt -
    Das war übrigens Konsens von Parteigründung an!

    Nun posaunt der AfD-Vize-Chef, der ansonsten keinerlei Kontakt zu den Mitgliedern hält (im Gegensatz zu Lucke) offenkundig seine wirtschaftsliberale Privatmeinung in jedes ihm hingehaltene Mikrofon - ohne Rücksicht darauf, was auf dem Erfurter Parteitag wirklich beschlossen wurde.

    Dass er selbst ins Europaparlament einziehen konnte, hat er allein den Wählern u. dem Vertrauen der von ihm vor der Wahl öffentlich gelobhudelten Mitglieder zu verdanken, die er in einem langen Interwiew vor 4 Wochen mit folgenden Worten maßregelte:

    "... Man sollte nicht für das Freihandelsabkommen sein, wenn man es nicht kennt. Aber man sollte nicht dagegen sein, wenn man es nicht kennt. Das wird völlig unterschätzt bei denjenigen von unserer Partei, die von Wirtschaft relativ wenig Ahnung haben.
    Je weniger Ahnung man von Wirtschaft hat, desto lauter ist man wohl bei der Kritik."*
    http://www.euractiv.de/sections/europawahlen-2014/henkel-die-afd-hat-keinen-beschluss-zu-ttip-308479

    Henkel hat offenbar nicht kapiert, dass er als AfD-Parteipolitiker befragt wird und nicht als Vorstandsprecher eines Industriekonzerns.

    Wenn ihm die Mitglieder, die er nach außen zu vertreten hat, zu blöd und renitent erscheinen, dann soll er für seine Followers eine Henkel-Partei gründen, aber die AfD nicht länger als Trojanisches Pferd benutzen!

  • @Heinz Draheim

    Richtig.

    Wenn die AfD jetzt auch für TTIP ist, kann man getrost die Altparteien wählen.

    Ich hatte eigentlich gehofft, daß die AfD eine Alternative wäre; wenn sich jetzt herauskristallisiert, daß das nicht so sein sollte, werde ich garnicht damit anfangen, AfD zu wählen.

    Dann wähle ich eben überhaupt nicht oder "DIE PARTEI".

  • Herr H.J.H
    Absolut volle Zustimmung
    Wenn es Herrn Henkel nicht paßt, bei der AfD, soll er gehen

  • Bitte lesen Sie die Gegendarstellung etwas weiter unten!

  • Klarstellung von H. O. Henkel. Er hat NICHT die Kritiker von TTIP und Kritiker der Russland-Sanktionen als "unanständig" und "intolerant" bezeichnet. Hier ein Auszug aus seiner Klarstellung:

    "Was meine Aussage betrifft, wir hätten "Unvernünftige, Unanständige und Intolerante" in unseren Reihen, so stehe ich dazu. ... Es vergeht ja kaum ein Tag, an dem wir uns nicht mit solchen Personen auseinandersetzen und von ihnen trennen müssen. ... Das alles hat zwar viel mit wenigen aber lauten Karrieristen, Rechtspopulisten, Ausländerhassern, ja, auch Homophoben in unserer Partei aber nun gar nichts mit unsern Diskussionen über Sanktionen zu Russland oder TTIP zu tun. Das ist eine Erfindung des Handelsblatts."

    (Er meint hier sicher den Spiegel, von dem der Artikel ursprünglich stammt.)

    Hier wird mal wieder mediale Desinformation über die AfD betrieben, dieses mal durch das Handelsblatt, um uns zu schaden und Zwietracht in unsere Reihen zu tragen. Wir sollten nicht alles glauben, wenn über AfD'ler in der Presse reißerisch berichtet wird, sondern erst einmal versuchen, den Sachverhalt zu klären!

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