Abschaffung der Anrechung von Ausbildungszeiten in der Kritik
Union macht gegen Rentenpläne mobil

Die geplante Abschaffung der Anrechnung von Ausbildungszeiten bei der Rente bingt die Union auf die Barrikaden. Unions-Sozialexperte Andreas Storm hält das Vorhaben für "völlig inakzeptabel".

HB BERLIN. Wenn die Abschaffung der Anrechnung von Ausbildungszeiten ein Kernpunkt des für nächstes Jahr geplanten langfristigen Rentenpakets sein solle, dann könne dieses nicht die Zustimmung von CDU/CSU finden, sagte Storm. Es sei sehr bedauerlich, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder diese gravierende Kürzungsmaßnahme am Sonntag verschwiegen habe.

Sozialministerin Ulla Schmidt hatte am Montag die Beschlüsse der Regierungsklausur vom Wochenende detailliert erläutert und unter anderem mitgeteilt, dass Ausbildungszeiten künftig bei der Berechnung der Rentenhöhe nicht mehr berücksichtigt werden sollen. Bisher werden drei Jahre Schul-, Fachhochschul- oder Hochschulausbildung nach dem 17. Lebensjahr mit maximal 75 Prozent des Durchschnittseinkommens bewertet. Diese fiktive Bewertung soll ab 2005 mit einer dreijährigen Übergangsfrist abgeschafft werden. Dann werden die Ausbildungsjahre zwar immer noch als Versicherungszeiten für bestimmte Ansprüche angerechnet, etwa für den Fall, dass Invaliden oder langjährig Beschäftigte mit mindestens 35 Versicherungsjahren vor 65 in Rente gehen wollen. Für Arbeitnehmer, die ab 2008 in den Ruhestand gehen, steigern sie aber die Rente nicht mehr. Das macht nach Schmidts Angaben für die Betroffenen bis zu 55 Euro im Monat aus.

Das Vorhaben treffe auf „erbitterte Ablehnung“ der Union, betonte Storm. Das Sozialministerium hielt dem entgegen, dass die Union selbst zu ihrer Regierungszeit 1996 die Ausbildungszeiten von sieben auf drei Jahre verringert habe. Storm kritisierte, die Rentner würden durch die Sofortmaßnahmen völlig einseitig belastet. Er hoffe, dass auch Kollegen in den Koalitionsfraktionen diesen „Kahlschlag“ verhinderten. Auch sei durch den dramatischen Abbau der Schwankungsreserve die nächste Finanzkrise der Rentenversicherung im nächsten Jahr programmiert. Der CDU-Politiker sprach insgesamt von einer kurzsichtigen Notoperation, die noch nicht einmal für zwölf Monate ausreiche.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%