Abschaffung der Teilstreitkräft
Angriff auf Heer, Luftwaffe und Marine

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts sind Armeen klassischerweise in drei Teilstreitkräfte gegliedert. Die Bundeswehr-Führung plant nun aber laut eines Zeitungsberichts, diese Ordnung abzuschaffen. Es wäre der größte Umbau in der Geschichte der Streitkräfte. Offiziere befürchten Chaos.

HB BERLIN. Auf einer Sitzung des Militärischen Führungsrates habe Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, der ranghöchste deutsche Soldat, Maßnahmen zur Umstrukturierung der Streitkräfte vorgeschlagen. Diese liefen auf eine Auflösung der heutigen Teilstreitkräfte Heer, Marine und Luftwaffe hinaus, berichtet die „Welt“ in ihrer Freitagsausgabe. In den Führungen der drei Teilstreitkräfte habe es nach der Sitzung einen Proteststurm gegen die Überlegungen des Generalinspekteurs gegeben.

Schneiderhan soll vorgeschlagen haben, in einem ersten Schritt die Führungskommandos der Teilstreitkräfte dem Einsatzführungskommando in Potsdam zu unterstellen. Damit würden die Inspekteure von Heer, Luftwaffe und Marine aus der Befehlskette herausgelöst und damit entmachtet. In einem weiteren Schritt sollen dem Bericht zufolge die Führungskommandos der Teilstreitkräfte ganz aufgelöst werden.

Die einzelnen Einheiten sollten letztlich nur noch nach ihrer Zugehörigkeit zu den Eingreifkräften für Kampfeinsätze, den Stabilisierungskräften für Auslandseinsätze wie im Kosovo und zu den Unterstützungskräften für Nachschub, Ausbildung und Landesverteidigung gegliedert werden. Die Befehlsgewalt würden die jeweiligen Kommandos der Streitkräftebasis übernehmen.

Mit dem Umbau würden Heer, Luftwaffe und Marine überflüssig, heißt es laut „Welt“ übereinstimmend in den Teilstreitkräften. Dort vermute man auch, dass Schneiderhan die noch geringen Erfahrungen des neuen Verteidigungsministers Franz Josef Jung ausnutzen wolle, um den CDU-Politiker auf seine Linie einzuschwören. Schneiderhans Plan führe jedoch dazu, dass die Bundeswehr für etliche Jahre in ein Chaos gestürzt werde und die Kompetenz für Land-, Luft- und Seeoperationen schwinden werde, schreibt die „Welt“.

Die Bundeswehr wird seit Jahren permanent im großen und kleinen Stil umgebaut, was Kritikern zufolge ihre Einsatzfähigkeit schwächt. Die Soldaten seien zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

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