Abschied
Klappe Stoiber, die letzte

Mit einem Ehrensalut der Gebirgsschützen ging am Montagabend die 14-jährige Regierungszeit von Edmund Stoiber zu Ende. Das Spektakel im Münchener Hofgarten war der letzte Akt einer ganzen Serie von Abschiedszeremonien. Wie die Bayern mit viel Pomp ihren Landesvater heimschickten.

MÜNCHEN. Als der Trupp Gebirgsschützen aus Oberammergau die herzzerreißend laute Salve vom Brunnenhof der Münchener Residenz in den glasklaren bayerischen Abendhimmel feuert, da fährt dem versammelten Bayerischen Kabinett doch noch einmal der Schreck in die Glieder. Eigentlich ist es erst der Anfang des Abends, der definitiv sein letzter ist. Dafür aber lässt er es schon zu Beginn knallen, wie es München lange nicht mehr gehört hat.

„Ehren-Salut und Festakt im Münchener Hofgarten“ hat die brave Staatskanzlei gestern nüchtern das Spektakel benannt, das nun die allerletzten Stunden einer 14-jährigen Regierungszeit und den letzten Akt einer ganzen Serie von Abschiedszeremonien markierte. Die Frage, ob man es hier nicht doch mit einer Regentschaft zu tun hatte, mag sich danach noch so mancher JU-Kreisvorsitzende gestellt haben, der die Ehre hatte dabei zu sein. Selbst im Kreise der Getreuen hat man ja zuletzt zugegeben, dass man dem Mann, der 2003 die Zwei-Drittel–Mehrheit holte, zu viel Macht überlassen habe. Das hat er ihnen mit einer Serie von Alleingängen und so weiter ... Lassen wir das, es ist Vergangenheit.

Noch einmal also hat der Schreck das Kabinett getroffen beim letzten Defilee, der „liebe Günther“ Beckstein, der Nachfolger, kommt entspannt lachend wie immer in den letzten Tagen, einen Tick zu spät. Dann geht es zunächst in Bayerns beste Stube, das Antiquarium, den schönsten Renaissance-Saal nördlich der Alpen. Noch ein mal hält der Scheidende Staatsempfang, noch einmal redet Edmund Stoiber, steif und gedrechselt wie eigentlich immer, am Ende gerührt. Bayern, sagt er, das sei doch eine „Seelenlandschaft“ und dann wünscht der seinem Nachfolger „Gottes Segen für das schönste Amt der Welt“, womit er seinem Ziehvater und Säulenheiligen Franz-Josef Strauß zu später Stunde gleich in zwei Zitaten die Ehre erweist. Einmal noch die Bayernhymne, dann sagt er Dankeschön und geht von der Bühne.

Es jubelt nicht danach, es ist ein Beifall, wie er ähnlich auch auf dem Parteitag zu hören war, voller Respekt, aber doch in einer Lautstärke, der man anhört, dass es nun auch gut ist. Das Publikum ist handverlesen, nicht wirklich ein Querschnitt der Bevölkerung. Viele Wirtschaftskapitäne sind gekommen, Klaus-Peter Müller von der Commerzbank, der Neu-Münchener Peter Löscher von Siemens und sein Kollege Wolfgang Reitzle von Linde. Oleg Popov ist da, der Clown, und viele Fußballer, Loddar Matthäus, Basti Schweinsteiger, Uli Hoeneß, Sepp Maier. Sogar Prinz Franz von Bayern hat sich die Ehre gegeben, eigentlich fehlt nur der Kaiser.

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