Abschlussbericht der Staatsanwaltschaft
Fall Barschel bleibt „rätselhaft“

20 Jahre nach dem mysteriösen Tod des früheren Kieler Ministerpräsidenten Uwe Barschel hat Schleswig-Holsteins Generalstaatsanwalt Erhard Rex die Ermittlungsunterlagen veröffentlicht. Doch auch die neuen Dokumenten helfen bei der Suche nach Antworten kaum weiter.

HB KIEL. Der Generalstaatsanwalt stellte am Dienstag den offiziellen Abschlussbericht der Lübecker Ermittler ins Internet. Außerdem wurden verschiedene Einschätzungen zu diesen Ergebnissen veröffentlicht. Im Kern geht es um die Frage, ob der ehemalige Ministerpräsident des Landes sich selbst umbrachte oder getötet wurde.

Die Veröffentlichung diene auch dazu, „im Hinblick auf die kaum noch zu überblickende Zahl von Spekulationen und Mutmaßungen einer Legendenbildung entgegenzuwirken“, erklärte das Kieler Justizministerium. Barschel war am 11. Oktober 1987 im Genfer Hotel Beau Rivage tot in einer Badewanne aufgefunden worden, nachdem er wegen schmutziger Wahlkampftricks aus seiner Staatskanzlei hatte zurücktreten müssen. Barschel hatte zahlreiche Medikamente im Körper, an denen er gestorben war.

Ein erstes Ermittlungsverfahren in der Schweiz unmittelbar nach dem Tod deutete auf Selbstmord hin. Spätere Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Lübeck brachten keinen Beweis für Mord oder für Selbstmord. 1998 schloss die Staatsanwaltschaft die Akte ohne ein endgültiges Ergebnis. Der zuständ ige Leitende Oberstaatsanwalt in Lübeck, Heinrich Wille, ist allerdings weiterhin von Fremdverschulden überzeugt.

Generalstaatsanwalt Rex erklärte daraufhin, Mordtheorien im Fall Barschel brächen „bei nüchterner Betrachtungsweise in sich zusammen und verlieren jede Substanz“. Allerdings gebe es auch keinen Beweis für Selbstmord, der Fall bleibe rätselhaft. Die Bundesanwaltschaft hatte neue Ermittlungen in dem Fall unlängst abgelehnt. Barschels Witwe hatte ein neues Ermittlungsverfahren angeregt.

Die Barschel-Affäre gilt als einer der größten Politik-Skandale der Nachkriegszeit. Sie prägte mehr als zehn Jahre lang die Landespolitik in Schleswig-Holstein. Bevor Barschel tot aufgefunden wurde, hatte die so genannte Waterkantgate-Affäre mit der Bespitzelung von Oppositionspolitikern, einem gebrochen Ehrenwort und schließlich dem Rücktritt Barschels das Land erschüttert.

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