Abstimmung verschoben
Dresdner könnten Wahl entscheiden

Das amtliche Endergebnis der Bundestagswahl wird wegen des Todes einer Dresdner Direktkandidatin der rechtstextremistischen NPD voraussichtlich erst einige Tage oder sogar Wochen nach dem Wahltermin am 18. September feststehen.

HB DRESDEN. Sachsens Landeswahlleiterin Irene Schneider-Böttcher sagte am Donnerstag, die Wahl in dem betroffenen Wahlkreis 160/Dresden I sei abgesagt worden und müsse neu angesetzt werden. Ein Termin für die Nachwahl stehe noch nicht fest. "Wir wollen Zeitnähe, spätestens am ersten Oktober-Wochenende, vielleicht auch noch im September", so Schneider-Böttcher. Sie fügte hinzu: "Das trifft in der Folge andere Entscheidungen wie die Wahl des Bundeskanzlers". Dem Bundeswahlgesetz zufolge muss beim Tod eines Direktkandidaten spätestens sechs Wochen nach der eigentlichen Wahl eine Nachwahl stattfinden.

Sollte das Wahlergebnis im übrigen Bundesgebiet derart knapp ausfallen, wie es die jüngsten Meinungsumfragen vorhersagen, dann könnte den 219 000 Wahlberechtigten in dem Dresdner Wahlkreis eine entscheidende Rolle zukommen. Sie stellen 6,1 Prozent der Wahlberechtigten in Sachsen dar. Bei der Bundestagswahl 2002 war die SPD bundesweit mit lediglich 6000 Stimmen Vorsprung vor der CDU/CSU stärkste Kraft im Bundestag geworden. Zwar liegt die SPD in aktuellen Umfragen deutlich hinter der Union. CDU/CSU und FDP müssen jedoch darum bangen, zusammen die absolute Mehrheit von 49 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen zu können.

Das Büro des Bundeswahlleiters in Wiesbaden erklärte, das amtliche Endergebnis der bevorstehenden Bundestagswahl könne erst verkündet werden, wenn im Wahlkreis Dresden I gewählt sei. Bürochef Heinz-Christoph Herbertz ergänzte, durch die Nachwahl könne es Verschiebungen bei den Überhangmandaten geben.

NPD-Bewerberin starb nach Hirnschlag

Die Dresdner NPD-Direktkandidatin Kerstin Lorenz war nach Angaben ihrer Partei am Mittwoch im Alter von 43 Jahren gestorben, nachdem sie am Montag bei einer Wahlkampfveranstaltung einen Hirnschlag erlitten hatte und ins Koma gefallen war. NPD-Bundeswahlkampfleiter Peter Marx sagte, am Sonntag werde der Kreisvorstand Dresden der Partei mit den Vertrauensleuten tagen, um einen neuen Kandidaten zu nominieren. Dieser werde dann am 13. September während einer Wahlkreisversammlung gewählt.

Nach Angaben der stellvertretenden sächsischen Wahlleiterin Carolin Schreck müssen neue Wahlzettel gedruckt werden, sobald die NPD einen neuen Kandidaten benannt hat. Auch die Briefwahl müsse neu anlaufen. Bereits abgegebene Briefwahl-Stimmen seien für ungültig erklärt worden. Wahlleiterin Schneider-Böttcher erläuterte, das Problem seien die Briefwähler. Wenn nicht alle in der kurzen Frist bis zum 18. September erreicht würden, die Wahl aber dennoch auch im Kreis Dresden I zu diesem Termin stattfinde, könne das ein Grund für eine spätere Anfechtung sein. Deswegen sei die Wahl verschoben worden.

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