Abwanderung von Kunden
Banken erwarten verstärkte Kapitalflucht

Die Finanzbranche in Deutschland fürchtet, dass ihr durch die so genannte Reichensteuer auf Jahreseinkünfte oberhalb von 250 000 Euro noch mehr vermögende Kunden verloren gehen als bisher schon. Die Nutznießer dürften im Alpenraum sitzen.

HB BERLIN. Der Präsident des Verbandes der Volks- und Raiffeisenbanken in Bayern, Stephan Götzl, sagte der "Berliner Zeitung", 31 Mitgliedsbanken seines Verbandes hätten bereits im Frühjahr angegeben, 154 Millionen Euro Kundeneinlagen an Institute im benachbarten Österreich verloren zu haben. Nun könnte die Kapitalflucht weiter zunehmen, wenn der Staat in Zukunft den Druck auf die Vermögenden im Land erhöht.

Auf Betreiben der SPD hatte die große Koalition vereinbart, eine Sonderabgabe für all jene einzuführen, die als Lediger mehr als 250 000 Euro und als Verheirateter mehr als 500 000 Euro im Jahr verdienen. Sie sollen einen um drei Prozentpunkte erhöhten Steuersatz entrichten. Von der Steuer wären mehrere zehntausend Bundesbürger betroffen, aktuelle Zahlen fehlen jedoch, weil die Statistik stets mit vierjähriger Verzögerung erscheint. Laut der Einkommensstatistik 2001 des Statistischen Bundesamts erzielten damals etwa 60 000 Menschen Einkünfte von mehr als 250 000 Euro.

Auch der Steuerexperte des Bundesverbandes deutscher Banken, Heinz-Udo Schaap, erwartet, dass das geplante Gesetz ausländischen Instituten neue Argumente im Kampf um deutsche Kunden liefern wird. Der Frankfurter Bankwirtschaftslehre- Professor Martin Faust sagte der "Berliner Zeitung": „Viele dieser Banken werden aggressiv um die deutschen Kunden werben. Und die Grenzen des deutschen Steuerrechts eher ausnutzen als die deutsche Konkurrenz."

Auch der Finanzexperte des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts, Michael Bräuninger, warnte bereits vor zwei Wochen die Regierung, dass „dieser Schuss nach hinten losgehen“ könnte. Vor allem mobile Kapitaleinkünfte könnten ins Ausland transferiert werden, wenn die Reichensteuer komme. Außerdem könnten Unternehmen bestimmte Teile ins Ausland verlagern, um Steuern zu sparen.

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