Die Selbstdemontage der FDP

Aderlass, Affären und Intrigen
Die Selbstdemontage der FDP

Der FDP stehen schwierige Zeiten bevor. Die Bundestagswahl wird viele Polit-Karrieren beenden. Den Rest erledigen Affären und Intrigen. Ein aktueller Fall zeigt, was die Partei am besten kann: sich selbst demontieren.
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BerlinLange ist es her, dass es der FDP richtig gut ging. Bei der Bundestagswahl im September 2009 zogen die Liberalen mit fulminanten 14,6 Prozent ins Parlament ein. Für die kleine Partei unter dem damaligen Vorsitzenden Guido Westerwelle ein wahrlich historischer Tag. Nie zuvor hatten die Liberalen bei einer Bundestagswahl so gut abgeschnitten. Der Höhenflug der Partei läutete zugleich die Wende zum Schlechteren ein, die Bundestagswahl im Herbst droht zur Katastrophe zu werden.

Doch die Jubelstimmung von damals ist längst verflogen. Politische Projekte, die der FDP den Vorwurf einbrachten, Lobbyismus zu betreiben, ließen Westerwelle samt seiner Partei in der Wählergunst abstürzen. Seitdem erleben die Liberalen einen dramatischen Niedergang.  

Begünstigt wurde dieser Trend durch parteiinterne Querelen, die Westerwelle schließlich den Parteivorsitz kosteten. Mit seinem Nachfolger Philipp Rösler änderte sich jedoch nichts zum Guten. Im Gegenteil, die Partei dümpelt auf Bundesebene dauerhaft unter der Fünf-Prozent-Hürde herum - und vermag es nicht, dies zu ändern. Es wird nichts besser, eher wird die Lage noch brenzliger für die Partei.

Das hat nicht nur damit zu tun, dass den Liberalen durch die Bundestagswahl ein dramatischer Aderlass bevorsteht und damit viele Kenntnisse und Fähigkeiten verloren gehen. Insbesondere Affären und Intrigen machen der Partei und ihrem Vorsitzenden Rösler das Leben schwer. Über einen besonders krassen Fall berichtet die Zeitung "Die Welt".

Ein führendes FDP-Mitglied soll demnach versucht haben, kurz vor der Niedersachsen-Wahl bei einem Umfrageinstitut Zahlen für die Liberalen nach unten zu korrigieren, um Rösler zu schaden. Mehrere Vorstandsmitglieder bestätigten dem Handelsblatt den Bericht. Sie sprachen von einer "Sauerei" und einer "nie da gewesenen Unverfrorenheit".

Im Zentrum des Gerüchts steht Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär im Entwicklungshilfeministerium. Er soll bei einem Mitglied der Geschäftsführung von Infratest mit dem Ziel angerufen haben, die FDP in Umfragen unter die Fünf-Prozent-Hürde zu drücken, um so das Ende Röslers zu beschleunigen. Beerfeltz und das Institut weisen die Vorwürfe zurück.

Pikant an der Sache ist, Beerfeltz ist ein enger Weggefährte von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel, der bereits auf dem Dreikönigstreffen die Zukunft Röslers infrage gestellt hatte.

Kommentare zu "Die Selbstdemontage der FDP"

Alle Kommentare
  • Die FDP wird wieder in den Bundestag kommen, weil die CDU Wähler wie immer die 2.Stimme geben. Das wird auch jetzt so sein. Die FDP in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf :))

  • Sehr schade: Es gibt in Deutschland keinen echten Liberalismus mehr.

    Die FDP disqualifiziert sich durch Wahlgeschenke an Apotheker und Hoteliers, aber wo finde ich als Liberaler im Geiste eine neue Heimat?

  • Es ist vollkommen egal ob FDP, CDU, SPD und wie das ganze Kuriositätenkabinett sich nennt, der Bürger hat nichts zu melden und wird alles andere als vertreten. Wer noch immer so bescheuert ist und glaubt er würde tatsächlich etwas wählen, der kann nicht mehr ganz zurechnungsfähig sein oder blendet die Realität vollkommen aus.

    FDP demontiert sich? CDU Labertasche XY äussert sich frauenfeindlich? die andere Quarktaschen haben nen fast schon erschlichenen DR. Titel und und und...WHO CARES??? Es ist alles die selbe graue ungeniessbare Brühe.

  • @Adam Schmitz: Wäre das nicht der ideale Zeitpunkt, um sich selbst politisch zu engagieren? Ich denke, so wie Ihnen, ergeht es vielen Liberalen im Land.

  • @Froanz: Ich sympathisiere momentan mit der "Wahlalternative 2013" und hoffe dass diese Bewegung nach mageren 1.1% in Niedersachsen zu einer echten liberalen Alternative wird.

  • Gehen sie mal auf die Toilette.

  • Bloß nicht auf die plumpe Propaganda vieler Medien springen, die "die Grünen" als die andere liberale Partei bezeichnen. Die angeblich diesmal siegen soll - warum, was versprechen die, womit trumpfen sie? Mit Claudia Roth? Da wären dann auch noch die Linken und die NPD da. Die liegen übrigens nicht weit von den Grünen, was ihr Demokratieverständnis angeht.

    Mag sein, dass die FDP Fehler macht. Man sollte aber detailliert analysieren, ob das wirklich Fehler sind, oder falscharverargumentierte Taten der Medien. Man soll auch überlegen, ob nicht auch der Kompromißzwang in einer Koalition an der Demontage mitschuldig ist. So schwarz sehe ich die ganze Sache nicht, denn in anderen Parteien herrschen mitunter noch wesentlich schlimmere Umstände, ungestraft, ja sogar glorifiziert!!!. Und letzlich sind auch die Folgen, wenn andere die Macht ergreifen, zu bedenken. Deutschland fehlt nicht nur ein echter Liberalismus, auch christliche und soziale Politik sind in echter Form nicht vertreten. Eine Wahl ist ein Kampf um die Macht und somit um die Umverteilung von Mitteln, je mehr um so besser. Wir, geschundene Wähler dürfen (noch) das kleinere Übel wählen.

  • Bei der letzten Wahl habe ich der FDP noch beide Stimmen gegeben. Heute jedoch ist die FDP nicht nur weil sie ungebetene Meinungen durch Entzug des Bundestagsmandats bestraft, nicht mehr wählbar. Die FDP hat mit einem wie auch immer gearteten Freiheitsbegriff nichts mehr zu schaffen.

  • Ich sympathisiere momentan mit der "Wahlalternative 2013"

    Da sind wir schon 2 in diesem Thread und das wären dann schon mal deutlich mehr als 1,1%

  • @zappenduster: Stimmt. Das ist der einzige Ort in diesem Land wo man noch unreglementiert sein Geschäft verrichten kann :-(

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