Ängste unbegründet
Thierse: EU-Erweiterung geht nicht zu Lasten deutscher Arbeitsplätze

Bundestagspräsident Thierse sieht in der EU-Erweiterung keine Gefahr für deutsche Arbeitsplätze. Unternehmer, die Stellen ins Ausland verlagern, sind für ihn jedoch «vaterlandslose Gesellen».

HB BERLIN. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat in einem Pressebericht Befürchtungen über Arbeitsplatzverluste in Deutschland durch die EU-Erweiterung relativiert. Beispiele aus der Vergangenheit seien da durchaus beruhigend, sagte er in einem Interview mit der «Welt am Sonntag».

Vor dem Beitritt Spaniens und Portugals 1986 habe es auch die Sorge gegeben, dass viele spanische und portugiesische Arbeitskräfte nach Deutschland kommen würden. Dies sei nicht eingetreten. Daher gehe er auch nicht davon aus, dass Arbeitskräfte aus Osteuropa nach Deutschland «hereinfluten», zitierte ihn das Blatt. «Wir werden sehen, dass auch das so nicht eintritt.» Solche Ängste würden gelegentlich aus parteipolitischen Gründen geschürt.

Zudem habe Thierse einen Dialog mit der Wirtschaft über ihren Beitrag zu den Reformen gefordert, heißt es weiter. Bislang hätten die Wirtschaftsführer nur Forderungen an die Arbeitnehmer und die Politik gerichtet. «Wir müssen darüber reden, was die so genannte wirtschaftliche Elite, Unternehmen und Manager, an Reformen zu leisten haben und welche Maßstäbe, welche Anforderungen sie an sich selbst stellen.« Dieser Teil der öffentlichen Debatte müsse jetzt geführt werden, fügte er dem Bericht zufolge hinzu.

Besonders kritisch äußerte sich der Bundestagspräsident zur Ankündigung deutscher Unternehmer, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. «Sie sind in gewissem Sinne ,vaterlandslose Gesellen', weil sie in einem Widerspruch leben», sagte er. Einerseits erwarteten sie an ihrem Lebensort Deutschland eine perfekte Infrastruktur mit Theatern, Universitäten, Krankenhäusern, Straßen und gut ausgebildeten Fachkräften. Zugleich wollten sie Steuern und Abgaben sparen, aus denen all dies finanziert werde. «Diesen Widerspruch müssen die Unternehmer auflösen», betonte Thierse.

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