Ära Stoiber ist vorüber
Stoiber macht Weg für Beckstein frei

Die Ära Edmund Stoiber ist vorbei. Nach 14 Jahren an der Spitze des Freistaats reichte er am Sonntag seinen Rücktritt ein und machte den Weg für Innenminister Günther Beckstein als künftigen Ministerpräsidenten frei. Während die Fürther Landrätin Gabriele Pauli ein Plädoyer für mehr Streitlust hielt, stellte ein anderer klar: „Wir fahren auf dem Bewährten und Guten fort.“

HB MÜNCHEN/BERLIN. Bereits am Samstag hatte Landeswirtschaftsminister Erwin Huber nach monatelanger Führungskrise von Stoiber die Parteiführung übernommen. Stoiber wurde Ehrenvorsitzender der CSU. „Ich bitte alle, dass wir zusammen stehen und zusammen halten“, sagte Huber auf dem Münchner Parteitag. Er wolle den Kurs Stoibers fortsetzen. Der 61-Jährige wurde mit 58,2 Prozent gewählt. Sein Hauptkonkurrent Horst Seehofer wurde mit großer Mehrheit als CSU-Vize bestätigt, die als Außenseiterin gestartete Gabriele Pauli mit 2,5 Prozent abgestraft.

Huber wird am Montag erstmals die CSU in der Berliner Koalitionsrunde im Kanzleramt vertreten. In der „Bild“-Online-Ausgabe verwies er bereits darauf, nicht der Richtlinienkompetenz von Kanzlerin Angela Merkel zu unterliegen. Beckstein soll nach seiner fast einstimmigen Nominierung als CSU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2008 am 9. Oktober vom Landtag zum neuen Regierungschef gewählt werden soll. Eine Woche später will der 63-Jährige seine Regierungsmannschaft präsentieren.

Den Parteitag prägte trotz der strengen Regie die Fürther Landrätin Pauli mit ihrem Vorstoß für eine Ehe-Befristung und ihrem Plädoyer für mehr Streitlust. Sie beklagte sich in einem spontanen Auftritt über Mobbing der CSU-Führung, nachdem sie vor einem Jahr Stoibers Demontage in Gang gesetzt hatte. Ihre Karriere in der Parteispitze fand auf dem Parteitag vorerst ein Ende: Ihr Bezirksverband habe sie nicht mehr für eine Wiederwahl in den CSU-Vorstand nominiert, sagte sie. Stoiber wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

„Wir brauchen keine neue CSU, sondern wir fahren auf dem Bewährten und Guten fort“, sagte Huber. Vor den 1000 Delegierten in der Münchner Messe beschwor er die Geschlossenheit der Partei nach der schweren Führungskrise. Er selbst habe sich stets in den Dienst der CSU und Bayerns gestellt. Gemeinsam mit dem designierten bayerischen Ministerpräsidenten Beckstein werde er ein Vorbild der Partnerschaft sein, die Partei zusammenhalten und weiter als einen verlässlichen Partner in der großen Koalition im Bund präsentieren. Beckstein sagte: „Ich bin mir sicher, dass Erwin Huber und ich dauerhaft vertrauensvoll zusammenarbeiten werden.“

Huber ging auch auf den Pauli-Vorstoß zur Ehe auf Zeit ein, der in der CSU für Aufruhr gesorgt hatte. Er könne sich nicht vorstellen, dass nach sieben Jahren die Kinder zittern müssten, ob die Eltern auseinander gingen. „Ich glaube, kinderfreundlich ist so etwas nicht.“

Seehofer unterlag Huber mit 39,1 Prozent, wurde aber als Vize mit 91,8 Prozent wiedergewählt. In seiner Bewerbungsrede sprach er auch über die monatelange Hängepartie zwischen Ehefrau und Geliebter, die ihn Zuspruch gekostet hatte. Er bekannte eigene Unvollkommenheit, beschwor allerdings dennoch das traditionelle Familienbild der CSU. „Deshalb stehe ich zum Schutz von Ehe und Familie.“ Er dankte Huber für einen fairen Wahlkampf und sagte Beckstein seine Unterstützung zu.

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