Ärger der Unternehmen entzündet sich an neuem Pflichtformular
Wirtschaft kritisiert Steuerbürokratie

In der Wirtschaft verstärkt sich der Unmut über die Steuerbürokratie. Jüngster Anlass: Seit Jahresbeginn müssen Kleinunternehmer und Freiberufler, die ihren steuerpflichtigen Gewinn nach der so genannten Einnahmen- Überschussrechnung (EÜR) ermitteln, ein neues Steuerformular ausfüllen.

sig DÜSSELDORF. Der angekündigte Kampf der Bundesregierung gegen Bürokratie werde damit „auf den Kopf gestellt“, sagte Matthias Lefarth, Steuerexperte des Deutschen Handwerksverbandes, dem Handelsblatt.

Mussten bisher die meisten Freiberufler wie Architekten oder Ärzte in der EÜR den Jahresüberschuss nur als eine Zahl in ein Formular schreiben, sind jetzt 82 Zeilen auszufüllen. Allein die Anleitung dazu ist doppelt so lang wie das eigentliche Formular. Lefarth hält die Gewinnermittlung wegen der Vielzahl der zu beachtenden Paragraphen für den Steuerlaien auch für unverständlich. „Der neue Vordruck nährt zudem den Verdacht, dass der gläserne Steuerpflichtige gewollt ist“, sagt er. Wer bisher eine formlose und individuell aufzustellende EÜR abgeben musste, werde nun in ein von der Finanzverwaltung vorgegebenes Korsett gedrängt, so Lefarth.

In Steuerprüfer-Kreisen wird ebenfalls vermutet, dass die Finanzverwaltung vor allem Zahlen zu Jahresmieten von Grundstücken und Erhaltungsaufwendungen, Reparaturkosten für Firmengüter oder Angaben zu PKW-Kosten wolle. Hier seien die größten Reserven in den Steuererklärungen, heißt es. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums wies die Kritik zurück. „Das Formular soll den Kleinunternehmern und Freiberuflern die Arbeit erleichtern.“ Wer kompliziertere Regelungen wie etwa Rückstellungen anzugeben habe, kenne sich meist auch mit den einschlägigen Paragraphen aus. Zudem erspare das Formular – ordnungsgemäß ausgefüllt – lästige Nachfragen und ermögliche eine schnellere Bearbeitung.

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