Ärger über verlustreichen Internet-Auftritt
Spekulationen um Putsch im ZDH

Im Handwerksverband ZDH herrscht einem Bericht zufolge Unzufriedenheit mit dem Präsidenten Philipp. Er solle zum Rücktritt gedrängt werden. Der ZDH wies diese Darstellung zurück.

HB BERLIN. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hat Spekulationen um einen Putsch gegen ZDH-Präsident Dieter Philipp dementiert. Die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» (FAS) hatte berichtet, regionale Kammern forderten den Rücktritt Philipps wegen des Finanzdebakels des Internetportals Handwerk.de.

Diese Darstellung wies der ZDH am Sonntag zurück. Vielmehr habe Philipp vor einigen Wochen angeregt, das Ende der Arbeit an einer neuen Satzung mit einem personellen Neuanfang an der Spitze der Organisation zu flankieren. Am Dienstag werde auf der Präsidiumssitzung beraten, ob Präsidiums-Neuwahlen nach Ende der Satzungsarbeit und bis spätestens Jahresende angesetzt werden.

«In diesem Zusammenhang hat der ZDH-Präsident, dessen Amtszeit regulär Ende 2005 ausläuft, nie von Rücktritt gesprochen», hob der ZDH hervor. «Immerhin hatte er auf seine Vertrauensfrage im Februar eine deutliche Mehrheit erhalten.»

Die «FAS» hatte unter Berufung auf regionale Kammern des Verbandes berichtet, das Präsidium des ZDH werde am Dienstag Philipp «die Pistole auf die Brust setzen» und ihn zum Rücktritt drängen. Hintergrund ist dem Bericht zufolge der Ärger über die Pleite des Internetportals Handwerk.de. Das Portal hatte einen Verlust von 8,7 Millionen Euro angehäuft und damit den Verband in eine Finanzkrise geführt.

Heftige Kritik üben die Kammern demnach auch an Philipps Rolle bei der Reform der Handwerksordnung: Der ZDH-Präsident habe sich nicht hart genug dagegen gestemmt, dass nun der Meisterzwang in Deutschland gelockert worden sei. Der Zeitung zufolge verlangen die Kammern Philipps Rücktritt, so dass schon am 8. September ein Nachfolger gewählt werden könnte. ZDH-Sprecher Alexander Legowski hob aber hervor, dass Philipp nach drei Amtsperioden ohnehin nicht wieder kandidieren könne.

Wie der ZDH am Sonntag weiter mitteilte, hat sich die Situation des insolventen Internetportals Handwerk.de verbessert. «Es wurde eine Auffanglösung gefunden, welche die finanziellen Folgen der Insolvenz für den ZDH und die gesamte Handwerksorganisation deutlich mindert», erläuterte Legowski.

Als Anwärter für Philipps Nachfolge stehen laut «FAS» schon Personen bereit: Die besten Chancen habe der Präsident der Hamburger Handwerkskammer, Peter Becker. Gute Chancen rechne sich auch der Präsident der Handwerkskammer München und Oberbayern, Heinrich Traublinger, aus.

Kritik gibt es in den Kammern dem Bericht zufolge auch an ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer, der seit 1990 im Amt ist. Er gelte als «politisch verbraucht». Allerdings läuft sein Vertrag regulär noch bis 2009, so dass ein früherer Abtritt teuer werden könnte.

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