Ärzte erhalten mehr Geld

Geschlossene Praxen trotz Honorar-Einigung

Das lange Gezerre zwischen Ärzten und Krankenversicherungen hat am Dienstagabend ein Ende gefunden. Die Mediziner erhalten 2013 bis zu 1,27 Milliarden Euro mehr an Honoraren. Dennoch protestieren die Ärzte am Mittwoch.
Update: 09.10.2012 - 22:20 Uhr 25 Kommentare

Geschlossene Praxen trotz Einigung

BerlinDie Honorare für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten steigen im kommenden Jahr um 1,15 bis 1,27 Milliarden Euro. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) einigten sich nach einem achtstündigen Verhandlungsmarathon am Dienstagabend in Berlin auf ein entsprechendes Ergebnis, wie der Vorsitzende des Erweiterten Bewertungsausschuss, Jürgen Wasem, sagte.

KBV-Chef Andreas Köhler und der stellvertretende GKV-Vorsitzende Johann-Magnus von Stackelberg zeigten sich zufrieden mit dem erzielten Verhandlungsergebnis. Demnach soll die sogenannte Grundversorgung um 270 Millionen Euro steigen, wie bereits in ersten Verhandlungen entschieden worden. Ferner sollen die Kosten für die Psychotherapie zukünftig aus dem Gesamtbudget herausgelöst werden.

Trotz der Beilegung des Honorarstreits wollen zehntausende niedergelassene Ärzte am Mittwoch demonstrieren. Das habe eine Abstimmung bei den freien Ärzteverbänden in einer Schaltkonferenz am Abend ergeben, sagte ihr Sprecher. Somit müssen sich Patienten bundesweit auf geschlossene Praxen einstellen. Die Verbände rechneten vor der Einigung mit bis zu 80.000 Teilnehmern.

Kassen und Ärzte streiten seit Wochen über die Höhe der Honorare für das komme Jahr. Ende August hatte der Erweiterte Bewertungsausschuss, in dem je drei Vertreter von Ärzten und Kassen sowie drei unabhängige Mitglieder sitzen, per Schlichterspruch entschieden, die Zuweisungen zunächst um 270 Millionen Euro zu erhöhen. Demnach sollte der sogenannte Orientierungswert von derzeit 3,50 Cent auf 3,54 Cent angehoben werden. Der Orientierungswert entscheidet über den Preis der von der Ärzteschaft erbrachten Leistungen.

Die Ärzteschaft akzeptierte diese Entscheidung jedoch nicht. Die KBV reichte Klage gegen das Ergebnis ein und legte zunächst alle weiteren Verhandlungen auf Eis. Auch das Angebot der Kassen, die Honorare insgesamt um 900 Millionen Euro anzuheben - ohne jedoch den Orientierungswert noch einmal nachzuverhandeln - lehnte die KBV ab. Sie forderte einen Anstieg der Honorare um mindestens eine Milliarde Euro sowie eine Anhebung der sogenannten Morbiditätsrate. Die Morbiditätsrate gibt die Krankheitshäufigkeit der Bevölkerung an und entscheidet über die Menge an Leistungen, die die Kassenärzte abrechnen dürfen.

Am 22. Oktober soll die nun erzielte Entscheidung im Erweiterten Bewertungsausschuss unter der Leitung des Essener Gesundheitswissenschaftlers Jürgen Wasem offiziell beschlossen werden.

  • dapd
  • dpa
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25 Kommentare zu "Ärzte erhalten mehr Geld: Geschlossene Praxen trotz Honorar-Einigung"

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  • Warum schafft die Ärzteschaft es nicht die Einkommen unter sich gerecht zu gestalten?
    Da die Ärzte sich selbst für die Elite der Eliten hälten, ist dies wöhl nicht mit mangelndem Intellekt begründbar; es drängt sich deshalb der Verdacht auf, daß sie glauben sich gegen die stillschweigende Öffentlichkeit eher durchsetzen zu können, als gegen ihre überbezahlten Kollegen!

  • patient
    Sie schildern das zwar ganz gut, aber vergessen, dass dies die Fachärzte betrifft.
    Röntgenologen und Orthopäden verdienen am meisten.
    Dann haben wir noch die Zusammenschlüsse von Praxen seit Ulla Schmidt und Merkels Reform
    Chirurgen/Orthopäden. Da wird nicht mehr behandelt, sondern fast nur noch operiert, die betrachen ihre Praxen nur noch als Gelddruckmaschine
    Ein Röntgenologen sieht seine Pat. gar nicht, er begutachtet die Aufnahmen wie am Fließband
    Deswegen ist diese Geldausschüttung derzeit auch ein Witz, weil es wieder das Gießkanneprinzip ist.
    Wer in unsrem Land endlich mehr haben muß sind Haus- und Kinderärzte, denn die leisten am meisten zum Wohle der Pat. und bekommen die geringsten Honorare
    Mein Hausartz bekommt für mich pro Quartal 38 €, egal wie oft ich komme. Das ist einfach ein Witz
    Und die Vorsitzenden der Krankenkassen mehr als 200 Tsd. p. a. und Dienstwagen
    Die Vorstitzenden der Verbände erhalten pro Jahr 326 Tsd.+ Zulagen und Dienstwagen
    Noch Fragen, wo unser Geld bleibt?

  • Sabine.M
    erst mal nachdenken
    von den 8.000 gehen die Koten für Arzthelferin, Miete etc. ja noch weg
    Es handelt sich hier nicht um eine Gehaltserhöhung.

  • rokober
    dann sind die Ärzte aus Ihrer Familie wahrscheinlich nur Fachärzte. Röntgenologen und Orthopäden?
    Und dass sie so negativ über ein Studium der Medizin sprechen, wundert mich.
    6 Jahre shweres Studium, danach zwei Jahre als als AIP, danach meist noch 5 Jahre FA-Ausbildung bevor man dann mal richtig verdient.
    Ein Arzt hat eine hohe Verantwortung, denn es geht um die Gesundheit, das Leben des Patienten.
    Schon mal drübr nachgedacht?

  • Oleg
    Ihr Beitrag ist nur dumm

  • Dass Arztpraxen inzwischen zum point of sale (pos) geworden sind stellt den eigentlichen Skandal beim Geldgeschachere dar.
    Wieviele Dienstleistungen werden von vielen Leistungserbringern insgesamt ohne Honorierung erbracht, ohne dass gleich ein ganzer Berufsstand mit Streik droht?

    Da im System erst verdient wird, wenn jemand krank geworden ist kann man getrost davon ausgehen, dass es den Menschen gesundheitlich nicht besser sondern eher schlechter gehen wird künftig.

    Überflüssige Operationen, Blutentnahmen ohne Sinn und Verstand, Röntgenfotos ohne Indikation etc. pp.: der Berufsstand der Ärzte hat sich auf diese Weise selbst in das Imagefiasko hineinmnövriert.

    Früher wurde man Arzt, um Menschen im Krankheitsfall zur Seite zu stehen. Heutzutage scheint es so, dass die Patienten in der Krankheitsfalle landen, wenn sie zum Arzt gehen und kein Geld für eine medizinische Versorgung lege artium auf den Tisch des Hauses legen können, weil ihnen die Mittel fehlen sich einen Arzt leisten zu können.

  • Unser so genanntes Gesundheitssystem ist einfach krank. Ärzte, die sich wirklich um das Wohl ihrer Patienten kümmern, haben ja nicht all zu viel zu tun, mithin auch ein geringes Einkommen. Dagegen beuten viele der Ärztehäuser die Kassen der Kranken skrupellos aus, weil diese wegen der hohen Anfangsschulden wohl auch gar keine andere Möglichkeit haben. Ich bin mir sicher, dass die Volksgesundheit in unserem Lande deutlich stiege, wenn wir 75% weniger Ärtzehäuser, 20% weniger Krankenhäuser und 10% mehr kleine Arztpraxen hätten. Und, wenn man dann hier noch die Abrechnungspraxis aus den Niederlanden übernehmen sollte, können die Unbelehrbaren unter der Ärzteschaft so lange streiken bis ihre Kittel schwarz werden ;o)

  • Unser Gesundheitssystem ist eh völlig für die Katz.

    Eigentlich müsste man es umtaufen in "Krankmachsystem mit krankerhaltungsgarantie"

    Denn was ist denn das für eine Industrie? Wer in diesem Kreislauf hat denn eigentlich Interesse an der Gesundheit der Menschen? Die Krankenkassen? Die Ärzte? Die Therapeuten? Die Apotheker? Die Pharmahersteller?
    Also mal ehrlich - nicht einer davon KANN schon aus Selbsterhaltungssicht daran interresseirt sein, das die Patienten gesund werden^^ (das gilt sowohl für Kassen- als auch Privatpatienten)

    Ein Kassensystem, das auf Verschreibeleistungen und anzahl der Patienten aufgebaut ist, hat nichts mit Gesundheitssystem zu tun.

    Eigentlich müssten Ärzte ect. danach bezahlt werden, wieviele Menschen sie wieder "Gesund" gemacht haben und nicht, wieviele Behandlungen sie durchgeführt haben, wieviele Rezepte ausgestellt wurden ect., egal mit welchem Ergebnis ;-)
    Nur ein Ergebnisorientiertes System kann wirklich funktionieren - alles andere wird zur Abzocke an Staat, Kassen und Patienten!

  • Richtig, denn der Staat ist erst mal nicht die Sozialkasse. Und selbst wenn er es wäre, darf er nicht auf Gewinnabzielungssicht aus sein. Bitte mal bilden, was ein Staat ist, was er macht, welche Absichten er hat und welche Aufgaben er nicht hat.

  • @iJohannes
    @rokober

    Es ist unglaublich wie dekandent und wie arogant die weißen Kitteln geworden sind.

    Glauben Sie der Job des Bauarbeiters ist einfach? Im Regen, im Schnee, im Dreck, mit gefährlichen Chemikalien, mit Schwergewichte, auf großen Höhen, ... zu arbeiten?
    Glauben Sie, dass der Bauarbeiter es sich gewünscht hat? Glauben Sie er wollte in der Hartz IV Familie im Gangsterviertel geboren werden? Glauben Sie er wollte in die Realschule gehen? Glauben Sie er wollte dumm geboren sein?

    Ich bin bösen Personen wie Sie so sehr abgeneigt, dass Sie sich schlecht füllen sollten!

    Wissen Sie wie lächerlich die Ärzte in Rumänien bezahlt werden? Ich sag's es Ihnen! 900€ im Monat! 900€! In einem EU-Land in der freien Markwirtschaft! Mit EU-Preise! Alle Osteuropäer kommen liebendgern nach Deutschland. Aber die deutschen Ärtze nehmen gerne die Gesundheit der Menschen als Geisel. Die Geldgier der weißen Kitteln wird sich böse rächen.

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