Ärzte erhalten mehr Geld
Geschlossene Praxen trotz Honorar-Einigung

Das lange Gezerre zwischen Ärzten und Krankenversicherungen hat am Dienstagabend ein Ende gefunden. Die Mediziner erhalten 2013 bis zu 1,27 Milliarden Euro mehr an Honoraren. Dennoch protestieren die Ärzte am Mittwoch.
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BerlinDie Honorare für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten steigen im kommenden Jahr um 1,15 bis 1,27 Milliarden Euro. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) einigten sich nach einem achtstündigen Verhandlungsmarathon am Dienstagabend in Berlin auf ein entsprechendes Ergebnis, wie der Vorsitzende des Erweiterten Bewertungsausschuss, Jürgen Wasem, sagte.

KBV-Chef Andreas Köhler und der stellvertretende GKV-Vorsitzende Johann-Magnus von Stackelberg zeigten sich zufrieden mit dem erzielten Verhandlungsergebnis. Demnach soll die sogenannte Grundversorgung um 270 Millionen Euro steigen, wie bereits in ersten Verhandlungen entschieden worden. Ferner sollen die Kosten für die Psychotherapie zukünftig aus dem Gesamtbudget herausgelöst werden.

Trotz der Beilegung des Honorarstreits wollen zehntausende niedergelassene Ärzte am Mittwoch demonstrieren. Das habe eine Abstimmung bei den freien Ärzteverbänden in einer Schaltkonferenz am Abend ergeben, sagte ihr Sprecher. Somit müssen sich Patienten bundesweit auf geschlossene Praxen einstellen. Die Verbände rechneten vor der Einigung mit bis zu 80.000 Teilnehmern.

Kassen und Ärzte streiten seit Wochen über die Höhe der Honorare für das komme Jahr. Ende August hatte der Erweiterte Bewertungsausschuss, in dem je drei Vertreter von Ärzten und Kassen sowie drei unabhängige Mitglieder sitzen, per Schlichterspruch entschieden, die Zuweisungen zunächst um 270 Millionen Euro zu erhöhen. Demnach sollte der sogenannte Orientierungswert von derzeit 3,50 Cent auf 3,54 Cent angehoben werden. Der Orientierungswert entscheidet über den Preis der von der Ärzteschaft erbrachten Leistungen.

Die Ärzteschaft akzeptierte diese Entscheidung jedoch nicht. Die KBV reichte Klage gegen das Ergebnis ein und legte zunächst alle weiteren Verhandlungen auf Eis. Auch das Angebot der Kassen, die Honorare insgesamt um 900 Millionen Euro anzuheben - ohne jedoch den Orientierungswert noch einmal nachzuverhandeln - lehnte die KBV ab. Sie forderte einen Anstieg der Honorare um mindestens eine Milliarde Euro sowie eine Anhebung der sogenannten Morbiditätsrate. Die Morbiditätsrate gibt die Krankheitshäufigkeit der Bevölkerung an und entscheidet über die Menge an Leistungen, die die Kassenärzte abrechnen dürfen.

Am 22. Oktober soll die nun erzielte Entscheidung im Erweiterten Bewertungsausschuss unter der Leitung des Essener Gesundheitswissenschaftlers Jürgen Wasem offiziell beschlossen werden.

Agentur
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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ärzte erhalten mehr Geld: Geschlossene Praxen trotz Honorar-Einigung"

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  • Warum schafft die Ärzteschaft es nicht die Einkommen unter sich gerecht zu gestalten?
    Da die Ärzte sich selbst für die Elite der Eliten hälten, ist dies wöhl nicht mit mangelndem Intellekt begründbar; es drängt sich deshalb der Verdacht auf, daß sie glauben sich gegen die stillschweigende Öffentlichkeit eher durchsetzen zu können, als gegen ihre überbezahlten Kollegen!

  • patient
    Sie schildern das zwar ganz gut, aber vergessen, dass dies die Fachärzte betrifft.
    Röntgenologen und Orthopäden verdienen am meisten.
    Dann haben wir noch die Zusammenschlüsse von Praxen seit Ulla Schmidt und Merkels Reform
    Chirurgen/Orthopäden. Da wird nicht mehr behandelt, sondern fast nur noch operiert, die betrachen ihre Praxen nur noch als Gelddruckmaschine
    Ein Röntgenologen sieht seine Pat. gar nicht, er begutachtet die Aufnahmen wie am Fließband
    Deswegen ist diese Geldausschüttung derzeit auch ein Witz, weil es wieder das Gießkanneprinzip ist.
    Wer in unsrem Land endlich mehr haben muß sind Haus- und Kinderärzte, denn die leisten am meisten zum Wohle der Pat. und bekommen die geringsten Honorare
    Mein Hausartz bekommt für mich pro Quartal 38 €, egal wie oft ich komme. Das ist einfach ein Witz
    Und die Vorsitzenden der Krankenkassen mehr als 200 Tsd. p. a. und Dienstwagen
    Die Vorstitzenden der Verbände erhalten pro Jahr 326 Tsd.+ Zulagen und Dienstwagen
    Noch Fragen, wo unser Geld bleibt?

  • Sabine.M
    erst mal nachdenken
    von den 8.000 gehen die Koten für Arzthelferin, Miete etc. ja noch weg
    Es handelt sich hier nicht um eine Gehaltserhöhung.

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