Deutschland
Ärzte-Protest gegen schlechte Arbeitsbedingungen

In Hessen und Baden-Württemberg haben am Montag mehr als 1400 Ärzte an Uni-Kliniken gegen schlechte Arbeitsbedingunen und Gehaltskürzungen protestiert.

HB BERLIN. In Baden-Württemberg seien rund 800 und in Hessen etwa 650 Ärzte im Ausstand, sagte eine Sprecherin der Ärzte-Vertretung Marburger Bund am Montag in Köln. Die Mediziner wehrten sich gegen die geplante Ausweitung der Wochenarbeitszeit auf 42 von 38,5 Stunden durch die beiden Bundesländer, sagte sie. Zudem sollten die Ärzte Kürzungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld hinnehmen.

Nach Angaben des Marburger Bundes leisten die bundesweit rund 150 000 Klinikärzte jährlich über 50 Millionen Überstunden. Schon jetzt arbeiteten die Ärzte 60 bis 80 Stunden, sagte Andreas Scholz vom Marburger Bund Hessen. „In Wirklichkeit bedeuten die neuen Tarife, die das Land Hessen im Moment gibt, dass wir zehn Prozent Gehalt verlieren.“ Trotz der Warnstreiks ist aber laut Marburger Bund die Notfallversorgung in den Krankenhäusern gesichert.

Die Arbeitsniederlegungen bildeten den Auftakt einer bundesweiten Protestwoche, die ihren Abschluss und Höhepunkt am Freitag in Berlin finden soll. Auch dort hat das Land die Tarifverträge gekündigt und will die Arbeitszeiten ausdehnen.

Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, sprach angesichts der von den drei Ländern gekündigten Tarifverträgen von „staatlichem Lohnraub“. Es bestehe zudem die Gefahr, dass die neuen Tarife der Länder später auch von den kommunalen Krankenhäusern übernommen würden, sagte er dem „Tagesspiegel“. Durch die im europäischen Vergleich äußerst niedrigen Gehälter könnten schon jetzt rund 6000 Stellen in Deutschland nicht besetzt werden. Zugleich wanderten immer mehr Ärzte ins Ausland ab.

Der Gesundheitsökonom Karl Lauterbach betonte in der Zeitung, Assistenzärzte verdienten in den Krankenhäusern tatsächlich zu wenig. Zugleich verdienten aber Chef- und Oberärzte häufig mehr als eine Million Euro im Jahr, vor allem durch die Behandlung von Privatpatienten. Diese ungerechte Verteilung sei ein Problem, das angegangen werden müsse.

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