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19.06.2007 
Arzneimittelreport

Ärzte verordnen noch immer zu teure Pillen

Der Arzneimittelreport 2007 belegt es: Deutschlands Ärzte verordnen noch immer zu viele teure Medikamente, deren bessere Wirksamkeit im Vergleich zu preiswerteren Präparaten nicht belegt ist. Zugleich sanken aber erstmals seit Jahren auf breiter Front die Preise für Nachahmerprodukte ehemals patentgeschützter Medikamente, so genannter Generika.

Apotheker mit Rezept und Medikament. Foto: apLupe

Apotheker mit Rezept und Medikament. Foto: ap

BERLIN. Der Autor der Studie im Auftrag der Krankenkasse GEK, der Bremer Gesundheitsökonom Gerd Glaeske, nannte es "schwer nachvollziehbar", dass es auch nach Jahren öffentlicher Debatten den Unternehmen gelinge, Ärzte dazu zu bewegen, teure Innovationen ohne therapeutischen Zusatznutzen im Vergleich zu preiswerten Präparaten in großem Umfang zu verordnen. So führten mit Nexium Mups und Pantozol der Firmen AstraZeneca und Altana immer noch zwei Magentherapeutika die Hitliste der umsatzstärksten Medikamente an, obwohl es preiswerte Alternativen gebe. Insgesamt bezifferte Glaeske die mögliche Ersparnis durch konsequente Verordnung preiswerter Generika auf zwei bis 2,5 Mrd. Euro im Jahr.

Als erfreulich bewerteten GEK-Chef Dieter Hebel und die Gesundheitsstaatssekretärin Marion Kaspers-Merk dagegen, dass es in den vergangenen Monaten gelungen sei, zum Teil deutliche Preissenkungen auf dem Generikamarkt zu erreichen. So habe die im Juli eingeführte Zuzahlungsbefreiung für besonders preiswerte Medikamente dazu geführt, dass die Hersteller ihre Preise auf breiter Front gesenkt hätten. "In den ersten acht Monaten seit Inkrafttreten des Gesetzes haben sieben Millionen gesetzlich Versicherte profitiert und insgesamt 78 Mill. Euro an Zuzahlungen gespart," sagte Hebel. Bei den Kassen sanken wegen der Preisreduzierungen die Arzneimittelausgaben um 55 Mill. Euro.

Bei der GEK stiegen die Arzneimittelausgaben 2006 gleichwohl um 7,2 Prozent auf knapp 382 Mill. Euro, weil durchweg mehr Tagesdosierungen verordnet wurden als im Vorjahr. Gleichzeitig sanken jedoch die Kosten pro Tagesdosis. Diese seien geringer als bei anderen Krankenkassen. Ein Grund dafür sei neben dem Kostenmanagement der GEK auch, dass bei dieser Kasse der Anteil des preiswerten Versandhandels mit neun Prozent aller Verordnungen besonders hoch sei. Bei allen Krankenkassen liegt der Anteil des Versandhandels im Durchschnitt nur bei einem Prozent.

Noch nicht absehbar sind die Einsparungen durch Rabattverträge der Kassen mit einzelnen Herstellern. Kaspers-Merk wies darauf hin, dass inzwischen 193 Kassen solche Verträge abgeschlossen hätten. Sie erhofft sich weitere Kostensenkungen durch die mit der Gesundheitsreform eingeführte Kosten-Nutzenbewertung von Medikamenten durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Medizin.

Sorge bereitet Glaeske die nach wie vor hohe Fehlversorgung mit Medikamenten. Als Beispiele nennt der Report die hohen Verordnungszahlen bei süchtig machenden Beruhigungsmitteln und die Hormontherapie für Frauen in den Wechseljahren.

Hebel wies darauf hin, dass in Deutschland pro Jahr 25 000 Menschen an Wechsel- oder Nebenwirkungen von Medikamenten sterben. 300 000 müssten sich als Folge des gleichzeitigen Konsums mehrerer Arzneimittel im Krankenhaus behandeln lassen. 40 Prozent der männlichen und die Hälfte der weiblichen Arzneimittelkonsumenten nähmen mehr als neun Präparate gleichzeitig ein. "Das kann nicht gut gehen," sagte Glaeske.

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