Ärztegehälter
Kommunale Krankenhäuser vor Arbeitskampf

Im Tarifkonflikt zwischen Ärzten und öffentlichen Arbeitgebern droht nach den öffentlich-rechtlichen Unikliniken und Landeskrankenhäusern nun auch den 700 kommunalen Krankenhäusern in Deutschland ein Arbeitskampf: Der Medizinerverband Marburger Bund verlangt ultimativ Fortschritte bei den Verhandlungen.

HB HANNOVER/BERLIN. Vor der fünften Verhandlungsrunde an diesem Montag in Hannover schloss Marburger-Bund-Sprecher Athanasios Drougias Streiks nicht aus. „Sollte es keine Fortschritte geben, dann droht ein sehr harter Arbeitskampf“, sagte er. Auch bei den Ärzten an den kommunalen Kliniken gebe es große Unzufriedenheit über die vielen Bereitschaftsdienste und Überstunden. „Da herrscht richtig Dampf im Kessel“, sagte Drougias. Bei den Verhandlungen geht es um 70 000 Ärzte. Die vierte Tarifrunde in Köln war Anfang Mai ergebnislos zu Ende gegangen.

Im Streit mit den Ländern setzen die Uni-Klinikärzte ihre Streiks am heutigen Montag nur in Baden-Württemberg fort. Dagegen soll es an anderen Universitätskliniken in Deutschland bis zum 29. Mai eine Streikpause geben, um verschobene Operationen nachzuholen. Wie es in dem Tarifstreit um die 22 000 Mediziner an Universitäts- und Landeskrankenhäusern weitergeht, ist offen.

Der Vorsitzende des Marburger Bundes (MB), Frank Ulrich Montgomery, will sich am Montag in Magdeburg dazu äußern. Bei der Hauptversammlung des Ärzte-Verbands am Wochenende hatte er es abgelehnt, den Tarifkompromiss im öffentlichen Dienst der Länder zu akzeptieren. Der Chef der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring (CDU), will jedoch nach der Einigung mit der Gewerkschaft ver.di mit den Ärzte keine gesonderten Verhandlungen mehr führen. Die Mediziner fordern 30 Prozent mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen.

Möllring argumentiert, der Tarifkompromiss mit der Gewerkschaft Verdi gelte für alle Beschäftigten an Unikliniken. Zur Begründung sagte Möllring: „Innerhalb eines Betriebes kann es nur einen Tarifvertrag geben. Der Tarifvertrag der größeren Gewerkschaft verdrängt den einer kleineren.“ Da an den Universitätskliniken insgesamt mehr Mitarbeiter bei Verdi organisiert sind als beim Marburger Bund gelte der am Freitag ausgehandelte Tarifvertrag. Nach Ansicht des niedersächsischen Finanzministers spielt dabei keine Rolle, dass die Ärzte an Hochschulen mehrheitlich vom Marburger Bund vertreten werden.

MB-Sprecher Drougias sagte, sein Verband setze darauf, dass Möllring mit seiner „Betonkopfpolitik“ nicht durchkomme. Mehrere Länder, in denen es wichtige Uni-Kliniken gibt, hätten signalisiert, dass sie den Konflikt entschärfen wollen. Dazu gehörten Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. „Ich glaube nicht, dass die Politik sich das noch lange anguckt“, sagte Drougias. Die Streiks würden bundesweit vom 29. Mai an fortgesetzt - wenn nötig auch während der Fußball-Weltmeisterschaft.

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