Ärztegehälter: Warten auf das Rekordhonorar

Ärztegehälter
Warten auf das Rekordhonorar

Die Verhandlungen über das Ärztehonorar sind gescheitert. Die Mediziner können fürs kommende Jahr trotzdem auf eine Rekordhöhe hoffen. Die Politik fürchtet neue Ärzteproteste.
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HB BERLIN. Mediziner und Krankenkassen liegen bei der künftigen Höhe der Arzthonorare über Kreuz.

Verhandlungen beider Seiten über die Vergütung im kommenden Jahr scheiterten am Freitag in Berlin. Damit ist unklar, mit welchen Summen die GKV im nächsten Jahr wegen des Honoraranstiegs zusätzlich belastet wird.

Der Vizechef des GKV-Verbands, Johann-Magnus von Stackelberg, nannte die Forderungen der Ärzte völlig überzogen.

Deswegen sei eine Verständigung nicht möglich gewesen. Nun sei die Politik am Zuge. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, warf den Kassen dagegen vor, Mittel für die notwendige Verbesserung der ambulanten Versorgung zurückzuhalten.

Das Bundesgesundheitsministerium äußerte sich über die gescheiterten Gespräche enttäuscht. Die Selbstverwaltung von Ärzten und Kassen habe ihre Aufgabe, die Honorarverteilung zu regeln, nicht erfüllt, sagte der Parlamentarische Staatssekretär, Daniel Bahr. Damit habe sie eine Chance verpasst, ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Die Koalition werde die Lage im Oktober beraten. Bereits vor einigen Wochen hatten Ärzte und Kassen bei ihren Gesprächen keine Einigung erzielt. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen forderten die Ärzte ein Plus von mehr als einer Milliarde Euro.

Im Entwurf der Gesundheitsreform überlässt die schwarz-gelbe Koalition die Entscheidung über den Anstieg der Grundvergütung weiter Ärzten und Kassen. Vorgegeben ist lediglich, dass der Honoraranstieg bei den sogenannten "extrabudgetären Leistungen" - wie ambulantes Operieren, Vorsorge- und Früherkennung oder Dialysebehandlungen - um 350 Mio. Euro gebremst wird. 500 Mio. Euro sollen zudem bei den Ausgaben für die sogenannten Hausarztverträge gespart werden. Die Festlegung der Gesamtvergütung ist hingegen weiter Sache der Selbstverwaltung.

KBV erwartet Fortsetzung der Verhandlungen

Die Politik könnte die Honorarsätze nun per Verordnung oder durch eine gesetzliche Regelung festsetzen. Die KBV geht hingegen davon aus, dass die Verhandlungen fortgesetzt werden.

Wenn sich Ärzte- und Kassenvertretern in ihren Gesprächen nicht einigen können, kann der unabhängige Vorsitzende Jürgen Wasem in dem Ausschuss einer Seite zu einer Mehrheit verhelfen. Der Gesundheitsökonom enthielt sich am Freitag jedoch bei der Abstimmung.

Sicher ist, dass die 150 000 Ärzte und Psychotherapeuten mit einer höheren Vergütung rechnen können. Auch 2009 waren die Arzthonorare trotz der Wirtschaftskrise gestiegen - nach Angaben der Selbstverwaltung um 2,1 auf 30,9 Mrd. Euro. Für 2010 beträgt das vereinbarte Plus 1,2 Mrd. Euro.

Keine Einigung fanden beide Seiten auch bei der regionalen Verteilung der Honorare. Die Gesundheitsreform schreibt vor, dass gravierende Unterschiede bei den Honorar-Zuwächsen vermieden werden müssen. Hier hatte es in der Vergangenheit erheblichen Unmut gegeben. Bayern und Baden-Württemberg fordern etwa, ihre Mediziner dürften nicht erneut benachteiligt werden.

Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes verfügen die Ärzte im Durchschnitt über ein Einkommen von je 164 000 Euro.

Kommentare zu " Ärztegehälter: Warten auf das Rekordhonorar"

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  • Wann hoert diese Gesundheitsindustrie-Verteilungsmafia endlich auf zu existieren?
    Wer hat, und wann endlich, den politischen Mut, diesem abscheulichen, wachsenden, unersaettlichen Ungeheuer den gar auszumachen?

  • 164 000 euro. ich denke hier tut der Zuzug von ausländischen Ärzten Not. Zum Vergleich: Ein Maschinenbauingenieur fängt vielleicht mit 40 T€ an, Tendenz fallend!!

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