Ärztehonorare
CSU will Mediziner gerechter entlohnen

Gerade erst haben sich Kassen und Ärzte auf eine Vergütungserhöhung von insgesamt einer Milliarde Euro geeinigt. Die CSU hält die Verteilung allerdings für ungerecht und will dort nachbessern. Vor allem niedergelassene Ärzte und Kliniken könnten davon profitieren.
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BERLIN. Die CSU strebt Änderungen an der Finanzreform der gesetzlichen Krankenversicherung an. "Wir werden das weitere Gesetzgebungsverfahren nutzen, um Verbesserungen vor allem für Ärzte und Hausärzte zu erreichen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Johannes Singhammer, dem Handelsblatt. Der CSU-Gesundheitsexperte kritisierte vor allem eine ungerechte Verteilung der Honorarerhöhung für die 150 000 niedergelassenen Ärzte.

Kassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatten sich darauf geeinigt, die Vergütungen 2011 um rund eine Milliarde Euro zu erhöhen. Der größere Teil dieser Summe soll jedoch ungleich auf die einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) verteilt werden. Dadurch sehen sich Mediziner in Bayern und Baden-Württemberg benachteiligt. Proteste kommen auch von Ärzten in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg oder Berlin, bei denen von der durchschnittlichen Erhöhung der Honorare um 2,9 Prozent nur ein Plus von weniger als ein Prozent ankommt. Bei den bayerischen Ärzten liegt der Zuwachs bei 1,8 Prozent.

"Das kann so nicht bleiben", sagte Singhammer. Er kritisiert, dass durch die ungleiche Honorarverteilung die negativen Auswirkungen der Reform verstärkt würden. So habe das Einkommen der bayerischen Ärzte schon 2009 unter dem Bundesdurchschnitt gelegen. Unter allen Bundesländern belegten sie nach einer Übersicht des bayerischen Sozialministeriums mit einem Durchschnittshonorar aus kassenärztlicher Tätigkeit von 185 245 Euro den elften Platz. Bayerns Ärztechef Axel Munte fordert daher, den gesetzlich vorgeschriebenen Teil der Honorarerhöhung um 175Mio. Euro aufzustocken und gezielt an Bundesländer zu verteilen, die bisher zu kurz gekommen sind.

Kritisch sieht die CSU auch die geplanten Honorarkürzungen bei den Hausarztverträgen. "Hier wollen wir zumindestens erreichen, dass bereits geschlossene Verträge so lange Bestand haben, bis die gesetzlich vorgesehene dreijährige Erprobungsphase abgeschlossen ist", sagte Singhammer. Die Verträge zielen darauf ab, durch eine bessere hausärztliche Betreuung überflüssige Überweisungen und Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Auch bei den Krankenhäusern könnte es Änderungen geben. So wollen die Koalitionsparteien prüfen, ob die Begrenzung der Vergütungszuwächse der Kliniken etwas geringer als geplant ausfallen können.

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  • Es kann nicht wie von Herrn Munte gefordert um eine gleichmäßige Erhöhung für alle gehen, sondern um eine "gerechte" Vergütung insgesamt bundesweit, d.h. gleiches Geld für gleiche Leistung. Und da lag bayern eben schon weit vorne, so dass andere bundesländer einen "Aufholbedarf" hatten. Allein weil in bayern die Ärztedichte höher ist, d.h. weniger Patienten auf jeden Arzt kommen, sind nicht höhere Honorare gerechtfertigt. Sonst werden unterschiedliche Versorgungsstrukturen auf Dauer festgeschrieben.

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