Ärztestreik
Kommunen wollen Marburger Bund umgehen

Städte und Landkreise wollen für ihre Kliniken einen Tarifvertrag für alle Beschäftigten abschließen, um die unliebsame Ärztegewerkschaft Marburger Bund ins Abseits zu stellen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Gewerkschaft DBB Tarifunion sind mit Feuereifer dabei.

HB BERLIN. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und die Gewerkschaften vereinbarten, am Montag Verhandlungen aufzunehmen. Entsprechende Vorabinformationen der „Welt am Sonntag“ bestätigten die drei Beteiligten am Sonntag. Ort und Zeit der Verhandlungen wurden nicht veröffentlicht. Der Marburger Bund war am Sonntag nicht zu erreichen.

Ziel ist es nach Angaben der neuen Verhandlungspartner, für alle 400 000 Beschäftigten an den kommunalen Krankenhäusern einenTarifvertrag auszuarbeiten. Alle Beschäftigungsgruppen sollen einbezogen werden. VKA-Präsident Thomas Böhle sagte der „Welt am Sonntag“: „Ich bin optimistisch, dass wir zu einer schnellen Einigung kommen können.“

Der Marburger Bund hatte die Verhandlungen für die rund 70 000 Mediziner an den rund 700 städtischen Kliniken und Kreiskrankenhäusern für gescheitert erklärt. Die Arbeitgeber lehnen einen Schlichter ab.

Beim Tarifstreit an Universitätskliniken, der im März zu Ende ging, hatten die Arbeitgeber zum Ärger des Marburger Bundes auch schon zunächst einen Tarifvertrag mit Verdi ausgehandelt. Mit kleinen Änderungen setzten sie ihn bei der Ärztegewerkschaft durch.

Allerdings habe der Tarifvertrag der Universitätskliniken keinen Modellcharakter, sagte Böhle. Die Finanzlage der Gemeinden sei besonders angespannt. Sie könnten ein solches Einkommensniveau nicht schultern. Den Marburger Bund nannte Böhle nicht verhandlungsfähig. Eine Einigung mit Verdi würde für ein vernünftiges Miteinander der Beschäftigten sorgen.

MB-Chef Frank Ulrich Montgomery hatte Verdi vor wenigen Tagen vorgeworfen, keine Legitimation zu haben, für Ärzte zu verhandeln, da bei Verdi Ärzte nur in verschwindend kleiner Zahl organisiert seien. Er warnte die Dienstleistungsgewerkschaft „nachdrücklich davor, sich als Billigmacher der Gewerkschaftsgeschichte zu profilieren“.

Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske hatte unlängst dagegengehalten: „Die Leistung eines Krankenhauses ist immer eine Gemeinschaftsleistung.“ Deshalb müssten in einem Tarifsystem auch alle Beschäftigten berücksichtigt werden.

In den letzten Wochen hatten immer mehr Kliniken mit dem Marburger Bund einzelne Haustarife zum Übergang abgeschlossen - so genannte Insellösungen. Sie basieren meist auf dem Abschluss für die Ärzte der Universitätskliniken, den der MB mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) gefunden hatte. Diese Insellösungen schwächen nach Expertenmeinung die Position des MB als legitimen bundesweiten Ärztevertreter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%