Ärztliche Diagnosen
Gesundheitspolitiker gegen Lockerung der Schweigepflicht

Führende Gesundheitspolitiker der Koalition sprechen sich gegen die Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht aus. Das geltende Recht reiche aus, sagte SPD-Mann Karl Lauterbach und warnt vor falschen Schlussfolgerungen.
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BerlinForderungen nach einer Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht nach dem durch den erkrankten Co-Piloten mutwillig herbeigeführten Absturz einer Germanwings-Maschine stoßen bei den Fachpolitikern der Koalition auf Ablehnung. „Das geltende Recht reicht aus“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach, dem Handelsblatt (Dienstagausgabe).

„Auch heute schon können Ärzte im Rahmen eines rechtfertigenden Notstands den Arbeitgeber informieren, wenn sie fürchten müssen, dass vom Patienten Gefahr für Leib und Leben anderer ausgeht.“ Auch SPD-Gesundheitsexpertin Hilde Mattheis hält nichts von einer Lockerung.

Sie würde lediglich bewirken, „dass Menschen, die etwa unter einer psychischen Krankheit leiden, aus Angst vor den gesellschaftlichen Folgen einer Veröffentlichung keinen Arzt mehr aufsuchen“. In der Folge würden Erkrankte erst recht zur Gefahrenquelle am Arbeitsplatz, sagte sie dem Handelsblatt.

Auch Politiker der Union warnen vor falschen Schlussfolgerungen. CSU-Gesundheitsexperte Georg Nüßlein sagte: „Stellen Sie sich das in der Praxis vor. Ihr behandelnder Arzt setzt sich regelmäßig mit ihrem Chef über Ihren Gesundheitszustand ins Benehmen.

Was wird dann aus dem Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient?“ Er sehe hier den Arbeitgeber in der Pflicht, der jede Möglichkeit habe, durch regelmäßige Kontrollen und Gesundheitschecks vorzubeugen. Genau dies habe die Lufthansa nach seinen Informationen auch getan. Mehr sei einfach nicht möglich.

Kommentare zu " Ärztliche Diagnosen: Gesundheitspolitiker gegen Lockerung der Schweigepflicht"

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  • "............Lockerung der Schweigepflicht "

    Herrlich, wie es vorhersehbar war, leider in diesem Fall einer Flug-Katastrophe, das gewisse Lobby-Gruppen und Lobby-"Volksvertreter" es versuchen, die traurige Situation schändlich auszunützen, einer Deregulierung in bestimmten Bereiche einzuleiten, wie in diesem Fall die Schweigepflicht !

    NEIN, es gibt im Leben keinen 100% Schutz, aber nur Vorteile für eine gewisse LOBBY, denen viele privaten Bereiche juristisch nichts angehen darf, Missbrauch vorprogrammiert !!!

  • Bei Mörder und Selbstmörder kann es ruhig eine Lockerung geben. Wieviel Tote hätte man hier verhindern können unter Umständen? Was mich beunruhig ist jedoch: Grundsätzlich wird zuerst untersucht, ist der Täter krank und damit nicht straffähig! Zuerst sollte die strafe sein und dann die eventuelle Hilfe. Wieso wird jeder Täter geschont, darf Forderungen stellen und der Normalbürger durch Abgaben usw. bestraft?

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