AfD 2015
Bernd im Glück?

Flügelkämpfe und rechte Spinner: Auf ihrem Weg von der Schmuddelecke in die Mitte der Gesellschaft hat die AfD 2014 Fortschritte gemacht. Doch Machtspiele und „Querulanten“ könnten den Aufstieg stoppen.
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BerlinBernd Lucke im Glück. Kaum ein deutscher Politiker hat in diesem Jahr so viel zu lachen gehabt wie der Parteichef der Alternative für Deutschland (AfD). Ob diese Glückssträhne 2015 anhalten wird, ist aber noch fraglich. Denn Flügelkämpfe, Machtspielchen an der Führungsspitze und rechte Spinner bremsen den Aufstieg der inzwischen nicht mehr ganz so neuen Anti-Euro-Partei.

In bundesweiten Umfragen gaben im Spätsommer neun Prozent der Deutschen an, sie würden die AfD in den Bundestag wählen. Zwei Monate später lag der Zustimmungswert nur noch bei sechs Prozent.

Was Lucke momentan die größten Sorgen macht, ist der Streit um seine inoffizielle Führungsrolle in der Partei. Denn in der Öffentlichkeit wird Lucke meist als „das Gesicht der AfD“ wahrgenommen. Das passt aber einigen Mitgliedern des Bundesvorstandes nicht. Vor allem Alexander Gauland, der meinungsstarke Landesvorsitzende der AfD Brandenburg, lässt keine Gelegenheit aus, Luckes Dominanz zu kritisieren. Und auch Frauke Petry, die gemeinsam mit Lucke und dem Publizisten Konrad Adam das dreiköpfige Führungsgremium der Partei bildet, mahnt, die AfD dürfe nicht zu Luckes „One-Man-Show“ werden.

Klarheit über die künftige Führungsstruktur der Partei soll der Mitgliederparteitag Ende Januar bringen. Es ist nicht auszuschließen, dass Lucke dann ein Ultimatum stellen wird: Entweder die neue Satzung sieht eine „normale“ Struktur vor - mit einem Parteivorsitzenden und einem Geschäftsführer - oder er kandidiert nicht mehr.

Doch vor einem kompletten Rückzug Luckes von der Parteispitze haben sogar seine schärfsten Kritiker Angst. Denn der in der Öffentlichkeit sehr präsente Lucke ist auch bei der Parteibasis sehr populär. „Bernd Lucke hat so viel für diese Partei geopfert“, sagt ein Berliner AfD-Mitglied. Zudem ist der etwas bieder wirkende Lucke in der Lage, bürgerliche Wähler an die AfD zu binden, die mit dem populistischen Stil mancher AfD-ler in den Ost-Landesverbänden fremdeln.

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