AfD-Abspaltung Alfa
Bernd Luckes „Totgeburt“

Der frühere AfD-Chef Bernd Lucke versucht in der politischen Landschaft wieder Fuß zu fassen. Doch das Wählerinteresse an seiner neuen Partei Alfa ist denkbar gering. Forsa-Chef Güllner spricht schon von einer Totgeburt.
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BerlinLange Zeit wollte er nicht wahrhaben, dass in der von ihm mitgegründeten Alternative für Deutschland (AfD) vor allem der rechte Rand wächst. Die Quittung kam dann im Juli beim Parteitag in Essen. Bernd Lucke wurde ausgebuht und als Parteichef abgewählt. Hilflos musste er mitansehen, wie seine Rivalin Frauke Petry an ihm vorbeizog. Doch der Volkswirtschaftsprofessor gab nicht auf.

Gemeinsam mit Hans-Olaf Henkel und einigen anderen Mitstreitern aus dem wirtschaftsliberalen Flügel der AfD gründete er die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa). Doch obwohl der Aufbau der Parteistruktur zügig voranschreitet, spielt Alfa im politischen Diskurs bislang keine wahrnehmbare Rolle.

„Wenn wir die Leute fragen, welche anderen Parteien als die etablierten für sie bei einer Wahl infrage kämen, dann nennen uns maximal drei von 1.000 Befragten die Lucke-Partei“, sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, dem Handelsblatt. „Diese Partei können sie abhaken. Alfa war von Beginn an eine Totgeburt.“

AfD-Spitzenleute sehen das nicht anders. Nur selten nehmen sie überhaupt Stellung zur Lucke-Partei. Eigentlich wollen sie dem Wirtschaftsprofessor keine Beachtung mehr schenken, lautet parteiintern die Devise. Und wenn sich doch jemand äußert, dann kühl und trocken. So konstatierte schon vor einigen Monaten der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland, Alfa sei „nicht lebensfähig“. Und AfD-Chefin Petry stellte klar: „Wir sind das Original, sie sind die Kopie.“

Dass aller Neuanfang schwer ist, räumt die Generalsekretärin von Alfa, Ulrike Trebesius, ein. „Unsere Partei gibt es seit vier Monaten.  Dass wir da in Umfragen nicht gleich mit einem eigenen Balken gezeigt werden, war uns von Anfang an klar“, sagte die Europaabgeordnete dem Handelsblatt. Chancen für Alfa sieht sie vor allem darin, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aktuell dazu beitrage, dass sich ihre Partei zersplitte. „Eine solche CDU wird sie hinterlassen, wenn sie mal nicht mehr Kanzlerin sein wird. Darin sehe ich langfristig ein sehr großes Potential für uns“, sagte Trebesius.

Kommentare zu " AfD-Abspaltung Alfa: Bernd Luckes „Totgeburt“"

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  • Schon verwunderlich, was für einige heutzutage schon zur "Vulgärsprache" zählt. Man muss schon intellektuell sehr einfach gestrickt sein, wenn man hier in den bisherigen Äußerungen irgendetwas in Bezug auf "Vulgärsprache" finden kann. Aber in unserer neuen Schönsprechblase, in der man ja auch nicht mehr "Flüchtlinge" sondern nur noch "Schutzsuchende" sagen darf, wundert man sich über solche haltlosen Behauptungen gar nicht mehr. Jedoch sollten die Verlagshäuser über jegliche Kritik erfreut sein. Allzu gern schieben sie das Sterben ihrer Branche auf das Internet. Aber mir egal, wenn man sich jeglicher Kritik entledigt, indem man die Kommentarfunktionen deaktiviert. Dann geht das Sterben eben noch schneller.

  • Liebe Leser,

    die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter debatte@handelsblatt.com entgegen.

    Beste Grüße aus der Redaktion.

  • Lucke wird noch einige Parteien gegen die Wand fahren, bis er endlich einsieht, dass man Parteikollegen nicht wie Hiwis in seinem kleinen universitären Reich behandeln kann.
    Countertenöre sollten nicht den Wotan singen, das muss schief gehen.

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