AfD-Aufstieg und die Folgen
„Enormer Imageschaden für Sachsen“

Sachsen gilt als Hochburg der Rechtspopulisten. Gemeinsam mit der Pegida-Bewegung ist es der AfD gelungen, die CDU bei der Bundestagswahl zu überholen. Für den Wirtschaftsstandort kein gutes Zeichen.
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BerlinDie Rechtspopulisten in Sachsen hatten nach der Bundestagswahl am 24. September allen Grund zu feiern. Als klar war, dass die Landes-CDU schwere Verluste einfahren und die AfD zur stärksten Kraft im Land aufsteigen würde, versammelten sich Vertreter von AfD und Pegida in Dresden, um sich gegenseitig zu beglückwünschen.

Pegida sei nicht unerheblich daran beteiligt gewesen, dass es der AfD in Sachsen gelungen sei, stärkste Kraft zu werden, sagte das Vorstandsmitglied des AfD-Kreisverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Egbert Ermer, einen Tag nach der Wahl bei der montäglichen Kundgebung des islamfeindlichen Bündnisses. Er versprach den zahlreichen Zuhörern: „Wir werden in Berlin diesem Pack, diesem rot-gelb-grün-versifften Pack, diesen Volksverrätern, auf die Finger schauen.“

Mit der „Volksverräter“-Rhetorik machen die Rechtspoplisten in Sachsen schon einige Zeit gegen die etablierten Parteien mobil. Anfangs versuchte der AfD-Landesvorstand um Parteichefin Frauke Petry noch, einen Schulterschluss mit Pegida zu verhindern. Und auch der Bundesvorstand der Partei verwahrte sich gegen Auftritte von AfDlern bei Pegida. Doch der Beschluss war in Teilen vom Bundesschiedsgericht kassiert worden. Petry selbst spielt ohnehin keine Rolle mehr in der Partei. Nach ihrem Direkt-Einzug in den Bundestag auf AfD-Ticket erklärte sie ihren Parteiaustritt wegen nicht lösbarer Richtungsstreitigkeiten.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass AfD und Pegida immer näher zusammenrücken. Am heutigen Samstag will das Anti-Islam-Bündnis  seinen dritten Geburtstag feiern. Für die Veranstaltung wirbt Pegida auf seiner Facebook-Seite mit einem Banner mit den Konterfeis diverser Rechtspopulisten, darunter auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier und der Thüringer AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Möller. Gezeigt werden auch Leute wie Martin Sellner, prominentes Mitglieder der vom Bundesverfassungsschutz unter Beobachtung stehenden Identitären Bewegung, und Götz Kubitschek, ein neurechter Intellektueller, der mit dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke befreundet ist.

Die Wirtschaft wertet die rechten Umtriebe in Sachsen als großes Problem für den Standort. Und der AfD-Erfolg befeuert die Problematik noch. „Es gibt einen enormen Imageschaden für den Freistaat Sachsen im übrigen Deutschland sowie in der Welt“, sagte der Vorstandssprecher des Vereins Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen, Andreas von Bismarck, dem Handelsblatt. „Egal wo auf der Welt prosperieren Regionen immer dann, wenn sie Vielfalt zulassen und als Chance begreifen.“

Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt ausländer- und fremdenfeindlichen Tendenzen entgegenzuwirken – mit einem „klaren Bekenntnis für Weltoffenheit und Internationalität im Freistaat Sachsen“. Mitglieder des Kuratoriums sind unter anderem der Vize-Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) und der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Chemnitz, Hans-Joachim Wunderlich.

Dass sich inzwischen einzelne Unternehmer in Sachsen wie der weltbekannte Uhrenhersteller Nomos offen gegen die AfD positionieren, lobte von Bismarck ausdrücklich. „Wir begrüßen jedes klare Bekenntnis zu Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen“, sagte er. „Insbesondere wenn dies von Unternehmen so klar ausgesprochen wird, da zu viele noch zu zurückhaltend sind, weil sie auch mögliche negative Konsequenzen aus dem regionalen Umfeld für ihr eigenes Geschäft befürchten.“

Kommentare zu " AfD-Aufstieg und die Folgen: „Enormer Imageschaden für Sachsen“"

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  • Den Nomos-Schwertner kenne ich auch persönlich. Billige Schweizer Eta-7001-Werke eingeschalt und "Glashütte" drauf geschrieben. Ein Alt-68er aus dem Bilderbuch, der seiner Belegschaft mit seiner linken Einstellung gehörig auf den Keks geht - aber sagen darf es keiner. Wenn hier jemand etwas boykottiert sind wir das!!!!

  • "Unternehmen, die ebenfalls Flagge gegen Fremdenhass und Rechtspopulismus zeigen wollen, bietet der Verein Unterstützung an. Zu den Leistungen für Vereinsmitglieder zählen etwa Workshops für Aufklärung und Information in sächsischen Belegschaften "

    Also wieder Politunterricht in SACHSEN?
    Ich glaube alles nicht, was ich da lese!

    "Als „ganz klare Forderung“ an die Politik mahnte von Bismarck ein Einwanderungsgesetz an, das „endlich auch die Notwendigkeiten und Interessen der Wirtschaft abbildet, .."

    Alles klar. Aber die Interessen der Chemnitzer zählen nichts? Fast jeden Tag Sexualdelikte und Kapitalverbrechen in Chemnitz - Bismarck und Wunderlich wissen was ich meine (in Regionalpresse bitte googeln)!

    Früher war dass die SED-Bezirksleitung - heute IHK - und diese Polit-Verbrecher bezahlen wir mit unseren Zwangsbeiträgen....

    "Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt ausländer- und fremdenfeindlichen Tendenzen entgegenzuwirken – mit einem „klaren Bekenntnis für Weltoffenheit und Internationalität im Freistaat Sachsen“. Mitglieder des Kuratoriums sind unter anderem der Vize-Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) und der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Chemnitz, Hans-Joachim Wunderlich."

    Leute, es reicht langsam!

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