AfD-Austrittserklärung von Bernd Lucke
„Bitte verzeihen Sie mir!“

Nach seiner Niederlage gegen Frauke Petry auf dem Parteitag hatte es sich abgezeichnet: Bernd Lucke verlässt die Alternative für Deutschland. Das Warum hat er heute begründet – mit deutlichen Worten.
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BerlinMit Bernd Lucke geht ein Gründer und das Gesicht der Alternative für Deutschland. Am Mittwochabend verkündete er offiziell seinen Austritt aus der AfD, nach der klaren Wahlniederlage gegen Konkurrentin Frauke Petry beim Bundesparteitag am vergangenen Wochenende.

In der AfD sehe er keine Zukunft mehr, verkündete Lucke heute noch einmal in seiner Austrittserklärung. Am Freitag werde er die Partei gemeinsam mit anderen Mitgliedern des wirtschaftsliberalen Flügels verlassen. „Bitte verzeihen Sie mir!“ schreibt der ehemalige Parteichef an die verbliebenen Mitglieder gewandt.

„Ich habe sicherlich Fehler gemacht und zu den größten gehört zweifellos, dass ich zu spät erkannt habe, in welchem Umfang Mitglieder in die Partei drängten, die die AfD zu einer Protest- und Wutbürgerpartei umgestalten wollen.“ Auf dem Bundesparteitag in Essen sei ihm klar geworden, wie sehr diese Mitglieder inzwischen in der Überzahl seien, und „von den wichtigsten Verantwortungsträgern der Partei sogar noch aufgeputscht werden“.

Die AfD kämpft bereits seit ihrer Gründung im Jahr 2013 mit einer Unterwanderung aus dem rechten Lager. Bei einem Mitgliederparteitag in Essen am vergangenen Wochenende hatten sich die nationalkonservativen Kräfte der Partei durchgesetzt und Petry aus Sachsen als Parteichefin gewählt. Damit sei das Ringen um die Zukunft der Partei aussichtlos geworden. „Wir waren schon so weit gekommen! Jetzt aber ist die Partei unwiderbringlich in die falschen Hände gefallen.“

Seit Tagen mehren sich die Gerüchte um die mögliche Neugründung einer Partei. In seiner Abschiedserklärung macht Lucke jetzt Andeutungen, dass er durchaus nicht darüber nachdenkt, sich aus dem politischen Tagesgeschäft zurückzuziehen. Er werde weiter für die Ziele und Werte der AfD eintreten. „Vielleicht wagen wir gemeinsam einen Neuanfang. Eine Wiederrichtung der AfD der Gründungszeit.“

Unterdessen gibt es in dem von Lucke und einigen Mitstreitern im Mai gegründeten Verein „Weckruf 2015“ ebenfalls viel Unterstützung für die Gründung einer neuen Partei. Von 2000 Teilnehmern einer Umfrage votierten 1500 nach Informationen von „Zeit Online“ dafür, aus der AfD auszutreten. Ihr ehemaliger Vorsitzender ist diesen Schritt schon gegangen und bis dahin verabschiedet er sich „in Trauer, Dankbarkeit und neuer Hoffnung“ von seinen ehemaligen Parteikollegen.

Kommentare zu " AfD-Austrittserklärung von Bernd Lucke: „Bitte verzeihen Sie mir!“"

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  • Sehr gut formuliert. Lucke ist tatsächlich als Tiger gestartet und dann als Bettvorleger gelandet.

  • "von der Sie sich jetzt so tränenreich distanzieren"

    Das kann er doch eigentlich gar nicht glaubwürdig. Schon seit Gründung der Partei wurde er mit Rechtsvorwürfen konfrontiert. Er hat nichts dagegen unternommen, sondern sich auch noch vor diese Leute gestellt... Wenn es alle anderen gemerkt haben und er nicht, dann ist er vollkommen unfähig bzw. beratungsresistent.

    Erst zu letzt kam die Einsicht, dass ihm die Sache wohl entgleitet...und er sich deutlicher abgrenzen muss, damit er später nicht wieder mit den Köln-Fans im Zug diskutieren muss. *g*

  • Herr Lucke, Sie laufen einfach davon? Sie wurden für die Politik gewählt, von der Sie sich jetzt so tränenreich distanzieren. Geben Sie ihr EU-Mandat zurück, das steht Ihnen jetzt nicht mehr zu!

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