AfD-Chef beim Kyffhäusertreffen: „AfD ist längst eine stinknormale Partei“

AfD-Chef beim Kyffhäusertreffen
Mit strammen AfD-Rechtsauslegern auf Tuchfühlung

„AfD ist längst eine stinknormale Partei“

Petry hat - nachdem am vergangenen Sonntag ein Gewitter der öffentlichen Entrüstung über Gauland wegen dessen Äußerungen über den dunkelhäutigen Fußball-Nationalspieler Jérome Boateng niedergegangen war – erklärt: „Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat. Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist.“

Gauland hatte zuvor in Deutschland breite Empörung ausgelöst mit der Aussage: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“

Petrys Reaktion darauf könnte man als kollegialen Versuch verstehen, der Kritik die Spitze zu nehmen. Allerdings kam es nicht nur bei Gauland anders an - und zwar so, als wolle Petry insinuieren, ihr Stellvertreter sei altersbedingt womöglich schon ein wenig zerstreut. „Zu den Äußerungen von Frau Petry werde ich nicht mehr Stellung nehmen“, sagt Gauland spitz. Ein Adjektiv kann er sich aber doch nicht verkneifen: „Illoyal.“

Meuthen hatte sich dagegen hinter seinen Parteikollegen gestellt. Gauland sei „komplett falsch verstanden worden und hat das inzwischen richtiggestellt“. Und: „Damit sollte die Sache erledigt sein.“

Für den Politikwissenschaftler Probst sind solche Vorfälle und die anschließenden Reaktionen der AfD-Spitze bezeichnend für den Zustand der Partei. „Nach meinem Eindruck wird die Lage in der AfD immer konfuser. In der Spitze scheint das Motto um sich zu greifen: Jeder gegen jeden“, sagte er.

Andererseits zeige das Hin und Her in der Parteispitze und die „persönlichen Animositäten und Auseinandersetzungen“, dass die AfD „längst eine stinknormale Partei ist, obwohl sie sich immer noch mit dem Attribut, eine Alternative zu allen anderen Parteien zu sein, schmückt“. Für Zukunft verheißt das nichts Gutes: „Es brodelt an der Spitze der AfD, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann es zur Zerreißprobe zwischen verschiedenen Führungsfiguren kommt“, sagte Probst.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
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