AfD-Chef
Gerüchte um Lucke-Rückzug befeuern AfD-Richtungsstreit

AfD-Vorstandsmitglied Adam setzt das Gerücht in die Welt, Parteichef Lucke plane die Gründung einer neuen Partei. Hans-Olaf Henkel sagt daraufhin, Adam sei „völlig von der Rolle“. Lucke selbst hält sich bedeckt - noch.
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BerlinDie Alternative für Deutschland (AfD) steht gut zwei Jahre nach ihrer Gründung vor einer Zerreißprobe. Bundesvorstandsmitglied Konrad Adam sagte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagabend, er habe Indizien dafür, dass Parteichef Bernd Lucke seinen Austritt aus der AfD und die Gründung einer eigenen Partei vorbereite. Lucke ließ über Parteisprecher Christian Lüth lediglich erklären, er kommentiere keine Gerüchte.

Der Europaabgeordnete der Alternative für Deutschland (AfD), Hans-Olaf Henkel, wies die Behauptung Adams scharf zurück: „Erst fordert er meinen Rücktritt, jetzt sagt er Luckes Rücktritt voraus? Der ist völlig von der Rolle“, sagte Henkel Handelsblatt Online. „Er soll selbst gehen und zwei weitere aus dem Vorstand gleich mitnehmen“, fügte der frühere Industriemanager mit Blick auf Adam, Co-Parteichefin Frauke Petry und Parteivize Alexander Gauland hinzu.

Bundesvorstandmitglied Piet Leidreiter dementierte das offenbar von Adam in die Welt gesetzte Gerücht. „Herr Adam phantasiert! Klares dementi!“, schrieb der Bremer AfD-Politiker auf seiner Facebook-Seite.

Dem Vernehmen nach soll Lucke bereits mit Vertrauten Pläne für die Gründung einer neuen Partei schmieden. Diese wolle er noch in diesem Monat öffentlich verkünden, falls sich abzeichnen sollte, dass beim Bundesparteitag in Kassel Mitte Juni auch einige seiner Widersacher in den neuen Vorstand gewählt werden. In den vergangenen Wochen hatte es heftige Auseinandersetzungen zwischen dem nationalkonservativen Flügel und dem bürgerlich-liberalen Flügel der Partei gegeben, zu dem Lucke gehört.

Zu seinen Kritikern zählen unter anderem der Brandenburger AfD-Chef Gauland, die Co-Vorsitzende und sächsische Landeschefin, Petry, sowie der Thüringer Fraktionsvorsitzende Björn Höcke und Marcus Pretzell aus Nordrhein-Westfalen. Gauland hatte Lucke mehrfach vorgeworfen, er fokussiere sich stark auf den bürgerlichen Mittelstand, obwohl die AfD unter den „kleinen Leuten“ ein größeres Wählerpotenzial habe.

Im April hatte Henkel sein Amt als stellvertretender AfD-Bundesvorsitzender niedergelegt. Er begründete dies mit dem Versuch von „Rechtsideologen“, die Partei zu übernehmen. Henkel wird dem Lucke-Flügel zugerechnet.

Adam zeigte sich bestürzt über Luckes angebliche Austrittspläne. Er sagte: „Das wäre sicher ein Rückschlag.“ Adam gehört wie Lucke zu den Gründungsmitgliedern der Partei. Die AfD war Anfang 2013 von Gegnern der Eurorettungspolitik der Bundesregierung gegründet worden. Später war die Kritik an der aktuellen Asylgesetzgebung als weiteres wichtiges Thema hinzugekommen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " AfD-Chef: Gerüchte um Lucke-Rückzug befeuern AfD-Richtungsstreit"

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  • Man darf natürlich auch eins nicht vergessen. In einem Monat ist großer Bundesparteitag und dort sollen ja wichtige Entscheidungen gefällt werden. Ist irgendwo auch klar, das sich jede Seite im Vorfeld in maximaler Stärke ins Spiel bringen will. Und dazu gehören eben halt auch Drohungen und Warnungen!

  • Mich persönlich würde eine rechte Politik nicht stören, denn rechts ist für mich kein Schimpfwort. Im Gegenteil, eine rechte Politik, die uns besser vor illegaler Einwanderung schützt fände ich begrüßenswert.

    Allerdings sehe ich das Problem, dass jede öffentliche Persönlichkeit, die irgendwas moderat rechtes äußert. sofort öffentlichkeitswirksam in den Schmutz gezogen wird. Dass selbst Leute, die sich an der öffentlichen Ausgrenzung nicht beteiligen, in Gefahr geraten, selbst denunziert zu werden, und ggf. berufliche/soziale Nachteile erfahren müssen.

    Das ist m.E: eines der Hauptprobleme unserer Gesellschaft, und deswegen kann man eigentlich keiner Partei empfehlen, sich zu rechts zu positionieren. Denn es würde dazu führen, dass sie niedergemacht wird, und dann sukzessive ihre guten Leute verliert, die alle um ihren guten Ruf bangen.

  • Ohne eine klare Abgrenzung vom rechten Rand werden immer mehr wichtige gesellschaftliche Multiplikatoren (Ärzte wie im Fall Stuttgart, Professoren, Selbständige) der AfD als Mitglied den Rücken kehren. Sie können es sich einfach nicht leisten mit Leuten wie Herrn Höcke in Verbindung gebracht zu werden und dafür von Freunden, Kollegen oder ihrem Arbeitgeber sanktioniert zu werden. Diese Erosion wird rasend schnell gehen, wenn sie mal eingesetzt hat, und danach wird es nur Verlierer geben also auch ein Herr Gauland und eine Frau Petry, die an dem Ast sägen auf dem sie selbst sitzen. Frau Petry muss sich endlich entscheiden, entweder mit Herrn Lucke die AfD retten, oder mit Höcke und Gauland untergehen. Rechtsextremismus ist keine Alternative für Deutschland, Danke für den Weckruf Bernd Lucke, an alle bürgerlich-liberal-konservative in der AfD!

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