AfD-Chef Lucke: Wollen Sie nicht mehr kandidieren? „Kann sein“

AfD-Chef Lucke
Wollen Sie nicht mehr kandidieren? „Kann sein“

Schon länger steht die Frage im Raum, ob AfD-Chef Lucke nicht bald seinen Platz räumt. Nun gießt der Vorsitzende in einem Interview Öl ins Feuer. Zudem erklärt er, dass Deutschland nicht von „Islamisierung“ bedroht sei.
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FrankfurtDer AfD-Vorsitzende Bernd Lucke hat vor dem Hintergrund der Führungsquerelen in der Partei einen Rückzug von der AfD-Spitze nicht ausgeschlossen. "Ich möchte, dass die AfD künftig nur einen Vorsitzenden hat. Und die Partei ist völlig frei, wen sie als Vorsitzenden wählt", sagte Lucke der Zeitung "Die Welt" (Montagsausgabe). Auf die Frage, ob er möglicherweise nicht mehr für den Vorsitz kandidieren wolle, antwortete Lucke: "Das kann sein."

Lucke bekräftige in der "Welt" seine Ankündigung, er werde auf dem AfD-Parteitag Ende Januar in Bremen "eine persönliche Erklärung abgeben. Ihm war parteiintern vorgeworfen worden, er führe die AfD "nach Gutsherrenart". Lucke sagte dazu nun, bislang habe er für den Parteivorsitz "nicht einmal meine Bereitschaft zu einer Kandidatur erklärt".

Die künftige Führungsstruktur der Partei soll auch Gegenstand eines Treffens von AfD-Funktionsträgern am kommenden Sonntag in Frankfurt am Main sein. Anders als Lucke wollen die beiden Ko-Parteivorsitzenden Frauke Petry und Konrad Adam an einer Dreierspitze festhalten.

Zum gleichfalls parteiintern umstrittenen Verhältnis zwischen der AfD und der islamfeindlichen Pegida-Bewegung sagte Lucke, die Pegida-Demonstranten seien seiner Partei als Wähler willkommen. "Ich betrachte eigentlich alle grundgesetztreuen Bürger als potenzielle AfD-Wähler", machte der Parteichef deutlich.

In der Vergangenheit hatte vor allem AfD-Vize Alexander Gauland die Pegida-Demonstranten als "naturliche Verbündete" der AfD bezeichnet, während vor allem Parteivize Hans-Olaf Henkel für mehr Distanz zu Pegida eintrat. Lucke sagte dazu, die gesamte Parteiführung betrachte Pegida als "heterogenes und schwer einzuschätzendes Phänomen". Auch bestehe Einigkeit, "dass Toleranz und Religionsfreiheit zu den Werten des Abendlandes gehören".

Auf dem Bundeskongress der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA) in Bottrop sagte Lucke indes, dass Deutschland nicht durch eine „Islamisierung“ bedroht sei. Er sehe den Begriff kritisch. Dennoch müsse die Zuwanderung stärker kontrolliert werden. „Wir haben zum Teil erhebliche Einwanderung aus muslimischen Ländern und mit dieser Einwanderung verknüpfen sich viele Probleme.“

Lucke warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „Verlogenheit und Scheinheiligkeit“ in der Zuwanderungspolitik vor - 2005 habe sie noch die gleiche Position wie die AfD vertreten.

Die Delegierten wählten den 31-Jährigen Philipp Meyer aus Erfurt zum neuen JA-Vorsitzenden. Der bisherige Vorsitzende Philipp Ritz hatte nicht mehr kandidiert. Die Jugendorganisation der rechtskonservativen AfD hat Landesverbände in 13 der 16 Bundesländer Bundesländern, ist allerdings nicht in allen Ländern der AfD angeschlossen. Nach eigenen Angaben hat sie 650 bis 700 Mitglieder.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " AfD-Chef Lucke: Wollen Sie nicht mehr kandidieren? „Kann sein“"

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  • Ich gebe Ihnen vollkommen recht. Hier sollte man sich einfach zwei Fragen stelle:
    Wer braucht die AfD - Höcke, Gauland, Adam und Petry oder Lucke?
    Wen Braucht die AfD - Höcke, Gauland, Adam und Petry oder Lucke?

  • Sobald jemand verlangt, man solle das Parteienrecht so ändern, dass Vorstände Mitglieder entfernen können, hat er die Grundprinzipien demokratischer Parteien nicht verstanden. So geschehen im Stern-Interview des Herrn Lucke.
    Eine Vergötterung von Lucke ist damit vollkommen fehl am Platz. Wer immer ihn ruft, wertet Personenkult höher als die zarte Pflanze der Demokratie.

  • Tritt Lucke noch einmal an?
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    Er lässt das offen. Er bewirbt sich nicht aktiv für den Parteivorsitz.
    Das wäre schade für die AfD. Lucke ist das Gesicht der AfD.

    "Ich betrachte eigentlich alle grundgesetztreuen Bürger als potenzielle AfD-Wähler", machte der Parteichef deutlich.

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