AfD-Chef reagiert auf Rücktritts-Gerüchte
Lucke holt zum Gegenschlag aus

Eigentlich wollte AfD-Chef Lucke den rechten Parteiflügel öffentlich zurechtweisen. Doch der fährt ihm mit einer Provokation in die Parade. Nun schlägt Lucke wortgewaltig zurück – in einer Brand-Mail an die Mitglieder.
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BerlinDer Machtkampf in der Alternative für Deutschland (AfD) gewinnt deutlich an Schärfe. Nachdem der Co-Parteichef Konrad Adam in verschiedenen Interviews das Gerücht gestreut hat, Parteichef Bernd Lucke plane, die Partei zu verlassen und eine neue Partei zu gründen, geht dieser nun die Offensive. In einer Brand-Mail an alle AfD-Mitglieder, die dem Handelsblatt vorliegt, weist er die Behauptungen Adams scharf zurück.

„Ich war sehr überrascht, sozusagen die Nachricht meines eigenen Ablebens lesen zu müssen“, schreibt Lucke in der gestern Nacht versandten Mail. „Dies umso mehr, als Herr Adam mich zu meiner angeblichen Absicht nie befragt hat.“ An dem Gerücht sei lediglich wahr, so Lucke, dass er sich „große Sorgen um die AfD“ mache. „Und zu diesen Sorgen zählt, dass ein von mir geschätzter Mann wie Herr Dr. Adam mit falschen Freunden an der falschen Front kämpft.“

Der Co-Vorsitzende Konrad Adam hatte am Sonntag erklärt, Lucke plane, die zu AfD verlassen und eine neue Partei zu gründen. Lucke wollte dies öffentlich nicht kommentieren. Nach Informationen des Handelsblatts hatte Lucke vielmehr geplant, am kommenden Montag mit vier seiner Kollegen aus dem EU-Parlament, darunter der ehemalige Industriemanager Hans-Olaf Henkel, vor die Presse zu treten, um zum Zustand der AfD-Stellung zu nehmen. Der Termin war dann nach Adams Vorstoß wieder infrage gestellt worden.

Die AfD sei „in einer schweren Krise“, so Lucke in seiner Mail. Und er sei sich nicht sicher, dass die AfD in der Form, in der sie 2013 gegründet wurde, fortbestehen werde. „Es gibt Kräfte in der Partei, die eine andere, radikalere AfD wollen.“ Er wolle dies nicht, denn die AfD habe nur eine Zukunft als bürgerliche, sachorientierte und konstruktive politische Kraft aus der Mitte der Gesellschaft. „Ich will deshalb alles dafür tun, sie als eine solche zu erhalten. Aber dafür brauche ich Ihre Unterstützung.“

Lucke benennt in der Mail drei Probleme, die aus seiner Sicht den Bestand der Partei gefährden. Als ersten Punkt nennt er den Verlust bürgerlicher Mitglieder. „Mitglieder treten aus oder kündigen mir ihren Austritt an, wenn sich das Ansehen der AfD in der Öffentlichkeit nicht sehr bald wieder bessere.“ Und es handle sich nicht um Einzelfälle, „sondern um eine inzwischen weitverbreitete Stimmung insbesondere im bürgerlichen Kern unserer Partei“.  

Er widerspreche hier „energisch“ dem Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland, der im Handelsblatt gesagt hatte, er wolle nicht auf das Bürgertum setzen, denn wir seien eine Partei der kleinen Leute. „Ich kann vor dieser Strategie nur eindringlich warnen“, so Lucke. „Wer die AfD zu einer Partei der „kleinen Leute“ machen will, zerstört die AfD, in der „bürgerliche“ Mitglieder einen ganz wesentlichen Teil der Mitgliedschaft ausmachen.“

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  • Geh doch einfach zurück in Putins Reich. Eine Diktatur dürfte besser zu dir passen...

  • Und wo sollen wir dann hin mit unserer Wut?

  • Exakt!

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