AfD-Eklat bei N24
Luckes Eigentor

Michel Friedman ist kein einfacher Interviewer. Die Gäste seines N24-Talks haben das immer ausgehalten – bis jetzt. AfD-Chef Bernd Lucke floh, als er mit einer kritischen Frage zu einer Parteikollegin konfrontiert wurde.
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BerlinMan muss Michel Friedman nicht mögen. Der TV-Moderator kann sehr anstrengend sein, wenn er Interviews führt. In seinem N24-Talk „Studio Friedman“ macht er das jede Woche. Ein Thema, zwei Gäste. „Inhaltslose Phrasen haben keine Chance“, umschreibt der Sender das Format. Und tatsächlich geht es in den Sendungen um nichts anderes.

Friedman will den Dingen auf den Grund gehen, und das bekommen die Gesprächspartner zu spüren. Sie wissen aber, auf was sie sich einlassen. Bernd Lucke, Chef der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD), wusste das auch, als er am Donnerstag zur Aufzeichnung erschien.

Doch die Sendung verlief nicht nach dem Geschmack des AfD-Chefs. Obwohl es um Themen ging, bei denen er und seine Anti-Euro-Mitstreiter sich in den vergangenen Wochen mehrmals lautstark zu Wort meldeten. „Freizügigkeit in Europa: billige Arbeitskräfte kommen aus Rumänien und Bulgarien. Die Euro-Krise steckt fest. Die Bürokratie aus Brüssel wird immer schlimmer. Und die einzigen, die dafür bezahlen, sind die Deutschen. Stimmt das?“, spitzte Friedman gleich zu Beginn das Thema zu.

Antworten erhoffte er sich von Lucke und dem zweiten Gast, dem europapolitischen Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Manuel Sarrazin.

Doch so weit kam es nicht. Lucke verließ die Gesprächsrunde vorzeitig. In einer Pressemitteilung nannte die AfD die Gründe. Friedman sei Lucke ständig ins Wort gefallen, so dass Lucke die Sendung unter Protest verlassen habe. „Als Gast in einer Talkshow erwartet man, in angemessener Weise zu Wort kommen zu dürfen. Dies war bei Herrn Friedman leider nicht möglich“, sagte Lucke. 

Was Lucke vor allem nicht schmeckte, war der Umstand, dass Friedman auf „wertende Fragen“, wie die AfD erklärte, beharrt habe, die erläuternden Antworten von Lucke aber anscheinend nicht habe hören wollen. Friedmann sei vielmehr „immer wieder zu seiner einseitig formulierten Ausgangsfrage auf unverhältnismäßig penetrante Art“ zurückgekehrt.

Was war passiert? Friedman versuchte die AfD mit ihren eigenen Aussagen zu entzaubern. „Die Frage, um die es geht“, sprach Friedman Lucke direkt an und leitete damit den dann folgenden Eklat ein: „Die AfD sieht sich immer als Opfer und sagt: Wir tun das, was andere Parteien nicht mehr tun. Wir sprechen doch nur die Ängste der Bevölkerung aus. Ihre Europawahl-Kandidatin Beatrix von Storch sagt: ,Multikulti hat die Aufgabe die Völker zu homogenisieren und damit religiös und kulturell auszulöschen.' Wenn das nicht Rassismus ist, was ist dann Rassismus?“

Kommentare zu " AfD-Eklat bei N24: Luckes Eigentor"

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  • Das Argument von Michel Friedman, er stelle "konkrete" Fragen und erwarte konkrete Antworten, ist an dieser Stelle bemerkenswert, denn das offenbar verfälschte Zitat gekoppelt mit der Frage "Wenn das nicht Rassismus ist, was ist dann Rassismus" ist gar nicht konkret, es ist nicht einmal eine echte Frage sondern eine wertende Unterstellung mit Zustimmungserzwingung.
    Eine direkte Antwort verbietet sich schon deshalb, weil man damit ein Demagogie-Manöver unbeabsichtigt adelte.
    Es gäbe zwar elegantere Möglichkeiten, solche Scheinfragen zu quittieren, aber unangekündigt abzubrechen ist keineswegs die schlechteste Reaktion.

  • Wikipedia:
    „Im Juni 2003 geriet Friedman im Zuge von Ermittlungen wegen Menschenhandels im Rotlichtmilieu in das Blickfeld der Staatsanwaltschaft. Mehrere Prostituierte, die illegal aus der Ukraine nach Deutschland gebracht und zwangsprostituiert worden waren, sagten aus, er habe mit ihnen mehrmals Sex gehabt, in ihrem Beisein Kokain konsumiert und das Suchtmittel auch ihnen angeboten. Prostituierte und Kokain habe Friedman unter dem Pseudonym Paolo Pinkel … usw.“

    Bezüglich des ehrenwerten Herrn Friedman teile ich die Meinung von Herrn Sarrazin. Mir ist schleierhaft, warum Friedman immer wieder zu Talkshows eingeladen wird.

    Vielleicht war es nicht die beste Idee von Herrn Lucke zu Friedmann zu gehen. Hätte er abgelehnt, wer weiß, ob dies dann als Rassismus gewertet worden wäre.

    Das Problem ist, dass Friedman arrogant und unverschämt ist, seine Gesprächspartner niederbrüllt, nicht ausreden läßt, und zur Beantwortung von Fragen mit Ja/Nein zwingen will, die so nicht beantwortet werden können.

    Zudem fehlt ihm jegliches Schamgefühl, und seine Inszenierung dient nicht dazu, eine Dialog zu einem Sachverhalt zu führen, sondern seinen Gesprächspartner niederzumachen und bloßzustellen.

    In dieser Beziehung kann Herr Lucke nicht mithalten. Und das ist gut so.

    Herr Friedman, finden Sie es gut, dass wir von Ihrer Partei, der CDU, bezüglich des Euros, der Stabilitätskriterien, der Verschuldung, und der Haftung für die Schulden anderer Länder dreist belogen wurden, und die Gefahr besteht, dass der brave deutsche Steuerzahler seinen Wohlstand verliert? - Antworten Sie nur mit JA oder NEIN.

  • Hier der VOLLE Wortlaut des Zitats, das Friedman - zudem noch verkürzt - Beatrix von Storch in den Mund geschoben hat, das seit der Monitor-Sendung vom 17.10.13
    ebenso verkürzt als "Paradebeispiel von unterschwelligem Rassismus", dem die AfD in Wahrheit huldigen würde, im Internet als entsprechendes "Beweismittel" kursiert:

    „...Multikulti“ als Lügenwort für Massen-„Kultur“ hat die Aufgabe, durch gegenseitigen Anpassungsdruck die Völker zu homogenisieren und damit religiös und kulturell auszulöschen. Das Ergebnis ist das
    gleiche wie bei den Nazis: Ein gleichgeschalteter Bevölkerungsbrei, den nichts mehr verbindet als die Abhängigkeit vom vormundschaftlich-diktatorischen Regime..."
    Das Zitat stammt von Roland Woldag in einem längeren Essay. "Den Sozialismus überwinden - Eine Frage der Selbstachtung und des Überlebens nach 1933 und 2012"
    in:
    http://www.familienwehr.de/ermaechtigungsgesetze.pdf

    Ob dieser Beitrag evtl. auch in der "freiewelt" veröffentlicht wurde, die irgendwie mit der "Zivilen Koalition" einer von Storch vor Jahren begründeten Bürgerinitiative zusammenhängt, weiß ich nicht. Jedenfalls stammt das Zitat NICHT von ihr!
    Außerdem habe ich kurzem irgendwo gelesen, dass sie es auch dementiert haben soll.

    Was hier und anderswo jedoch auf offener medialer Bühne der AfD unterstellend diffamierend ausgetragen wird, hat nichts mehr mit Qualitätsjournalismus zu tun.

    Dass Herr Friedmann mit solch schäbigen Versatzstücken aus dem Internet penetrant seinen Gast traktiert, obwohl der sich bereits in der besagten Monitor-Sendung dazu geäußert hat, dass er die "freie welt" nicht lese und dies kein Sprachorgan der AfD sei, und er zu dem ihm vorgehaltenen angeblichen Storch-Zitat nichts sagen könne,
    spielt für diesen Moderator, der unliebsame Gäste nur dazu einlädt, um sie skandalträchtig über den Tisch zu ziehen, ohnehin keine Rolle.

    Vom Handelsblatt erwarte ich dagegen einen fair recherchierte Faktencheck, spätestens nach der Ausstrahlung!

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