AfD-Fans bei Facebook

Frauke Petry hängt Bernd Lucke ab

Obwohl Bernd Lucke mit einer neuen Partei das Polit-Comeback wagt, wächst in den sozialen Medien die Fangemeinde von AfD-Chefin Frauke Petry. Für ihre Partei geht es dafür steil bergab. Kann Lucke davon profitieren?
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Bei Facebook Top, in Umfragen Flop: AfD-Chefin Frauke Petry. Quelle: dpa
Frauke Petry.

Bei Facebook Top, in Umfragen Flop: AfD-Chefin Frauke Petry.

(Foto: dpa)

BerlinFrauke Petry hat alle Hände voll zu tun, um ihre Partei vor dem Zerfall zu bewahren. Nicht nur in Umfragen geht es für die Alternative für Deutschland (AfD) steil bergab. Seit dem Austritt von Bernd Lucke suchen immer mehr Parteimitglieder das Weite. Einzig Petry, die nun die AfD anführt, sorgt für einen Silberstreif am Horizont.

In den sozialen Medien wächst ihre Fangemeinde kontinuierlich. Das geht aus einer Social-Media-Analyse der Plattform Pluragraph.de des Hamburger Politikberaters Martin Fuchs (@wahl_beobachter) hervor.

Aktuell kommt Petry bei Facebook auf fast 22.300 Fans. Der Parteitag der AfD Anfang Juli, bei dem sie sich im Machtkampf um den Parteivorsitz gegen Lucke durchgesetzt hat, bescherte ihr etwa 1.500 neue Fans. Damit liegt sie vor Lucke, dessen Anhängerschaft kaum noch wächst und derzeit bei knapp 21.300 Usern stagniert. Seit dem Parteitag seiner Ex-Partei hat er nur etwa 170 Anhänger hinzugewonnen.

„Die aktuellen Zahlen sind Petrys persönlicher Höchstwert“, sagt Fuchs. Sie liege damit auf Platz 19 aller deutschen Politiker und somit nah dran an den Parteivorsitzenden von FDP, Grünen und Linken.

Neue Partei, alte Gesichter
Bernd Lucke - Vorsitzender
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Einmal Chef, immer Chef: Nur wenige Wochen nach seiner Niederlage im Machtkampf um die AfD-Führung hat Bernd Lucke schon eine neue Partei gegründet: Die „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa) soll eine liberal-konservative, eurokritische Haltung vertreten – ohne die nationalkonservativen Positionen, die in der „Alternative für Deutschland“ Überhand gewonnen haben. Auf der ersten Mitgliederversammlung mit rund 70 Teilnehmern gab es einige bekannte Gesichter zu sehen.

Bernd Kölmel – stellvertretender Vorsitzender
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So war Bernd Kölmel einer der Mitbegründer des Weckrufs 2015, unter dem sich in der AfD der liberal-konservative Flügel der Partei versammelt hatte. Nach dem Parteitag in Essen, auf dem sich die Nationalkonservative mit der Wahl Frauke Petrys an die Spitze durchsetzten, verließ er die AfD. Bis dahin war er Sprecher des Landesverbandes Baden-Wüttemberg und wurde dank Listenplatz 3 für die AfD ins Europaparlament gewählt. Seine Stimme in Brüssel wird er nun für Alfa einsetzen. Auf der Mitgliedersversammlung wählten ihn die Teilnehmer zu einem der drei stellvertretenden Vorsitzenden.

Gunther Nickel – stellvertretender Vorsitzender
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Der zweite stellvertretende Vorsitzende von Alfa ist Gunther Nickel (links): Er war von Dezember 2013 bis November 2014 AfD-Landessprecher von Hessen und einer der Gründer des Arbeitskreises „Arbeitnehmer in der AfD“. Dieser hatte sich als Reaktion auf die harsche Kritik von einigen Gewerkschaften an der AfD gegründet.

Reiner Rohlje – stellvertretender Vorsitzender
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Der dritte stellvertretende Alfa-Vorsitzende ist Reiner Rohlje: Der Weckruf-Mitbegründer war in der AfD stellvertretender Vorsitzender für den Landesverband Nordrhein-Westfalen. Er legte das Amt jedoch wegen interner Streitigkeiten mit dem nationalkonservativen Landessprecher Marcus Pretzell nieder. Nachdem Pretzell auf dem Parteitag der „Alternative für Deutschland“ die AfD als Pegida-Partei bezeichnet hatte und Lucke abgewählt worden war, trat Rohlje aus der Partei aus.

Ulrike Trebesius – Generalsekretärin
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Die Ex-AfDlerin Ulrike Trebesius wurde zur Generalsekräterin gewählt. Die 44-Jährige war Sprecherin des AfD-Landesverbandes Schleswig-Holstein und kam bei der Europawahl auf Listenplatz 6 der AfD ins EU-Parlament. Als der Zoff in der AfD immer heftiger wurde, schloss sie sich dem Weckruf 2015 an und wurde dessen Vorsitzende. Nach dem Parteitag in Essen trat sie aus der AfD aus.

André Yorulmaz – stellvertretender Generalsekretär
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In der AfD wollte Lucke ihn zum Generalsekretär machen: Der homosexuelle Deutsch-Türke André Yorulmaz sollte das Image der als homophob und ausländerfeindlich verschrieenen Partei aufpolieren. Der 32-Jährige lebt mit seinem Freund zusammen, bekennt sich aber zu einem „konservativen Familienbild“ und lehnt das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ab. In der „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ wurde er nun zum stellvertretenden Generalsekretär gewählt.

Weitere Vorstandsmitglieder
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Auch der restliche Vorstand besteht aus Weckruf-Mitgliedern: Jochen Seeghitz ist Schatzmeister, Arnd Frohne sein Stellvertreter. Jürgen Joost wurde zum Leiter des Vorstandssekreteriats gewählt, Margot Rheinheimer-Bradtke zur Justiziarin und Franz Novosel zum Mitgliederbeauftragten. Weitere Vorstandspositionen sollen später nachgewählt werden.

Lucke, der auf Platz 22 rangiert, kann dagegen kaum noch punkten. Und seine neue Partei sowieso nicht, weil es aktuell weder einen Twitter-Account noch ein Facebook-Profil gibt, wie der Bremer Ex-AfD-Abgeordnete Piet Leidreiter dem Handelsblatt sagte. Mit rund 70 früheren AfD-Anhängern hatte er am Sonntag in Kassel die Partei „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa) gegründet.

Die Facebook-Profile der von Lucke und seinen Anhängern ins Leben gerufenen Weckruf- beziehungsweise Neustart-Gruppierungen sind indes, wie Fuchs sagte, seit über einer Woche fast konstant geblieben. Da gebe es „keine großen Sprünge“ mehr, sagte er. Von daher sei er eher „skeptisch, dass die neue Partei schnell alte AfD-Reichweiten im digitalen Raum erreicht“.

Ein Grund könne sein, das Alfa „mit wesentlich weniger Hype“ gestartet sei, eine „starke Altpartei“ zum Gegner und nur wenige Neumitglieder habe. „Bernd Lucke selber wird deshalb nicht oder nur in sehr geringem Maße von der neuen Partei profitieren, was seine persönliche Reichweite und das Fanwachstum angeht“, sagte Fuchs.

Petry hat fast vier mal so viele Fans wie Grünen-Chefin Peter
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29 Kommentare zu "AfD-Fans bei Facebook: Frauke Petry hängt Bernd Lucke ab"

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  • Sehr geehrter Herr Neuerer,

    aufgrund welcher konkreten Umfragewerte soll sich die AfD im Sinkflug befinden.
    Über einen entsprechenden Nachweis wäre ich dankbar.

  • Lieber Herr Fuchs,
    Die Mehrheit des Kreisverbands Marburg Biedenkopf gehört definitiv weder einem sogenannten Lucke Lager, noch irgendeinem anderen Lager an.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • @ Ockham Rasiermesser

    << Sie kauft ihre Likes. Oder erwartet ernsthaft jemand Fans aus Mali oder Ägypten bei ihr? >>

    Warum nicht? Was ich jedenfalls nicht ernsthaft erwarten würde, wäre, dass Frau Petry in Mali oder Ägypten Likes kauft. Vielleicht Schuhe.

  • Das Ganze ist übrigens der Stand vom 18.07.15.

  • Und jetzt sehen wir uns mal den Stern Like-Check für die offizielle Dr. Frauke Petry Seite bei FB an. Und was stellen wir fest? Sie kauft ihre Likes. Oder erwartet ernsthaft jemand Fans aus Mali oder Ägypten bei ihr?
    Land Anteil
    Deutschland 19752
    Österreich 427
    Schweiz 209
    Vereinigte Staaten von Amerika 200
    Großbritannien (UK) 75
    Niederlande 65
    Italien 64
    Ägypten 61
    Frankreich 58
    Spanien 53
    Belgien 49
    Thailand 46
    Polen 45
    Brasilien 39
    Marokko 34
    Türkei 33
    Rußland 31
    Norwegen 31
    Irak 30
    Kanada 29
    Algerien 27
    Schweden 27
    Luxemburg 26
    Ungarn 26
    Australien 23
    Dänemark 23
    Indien 23
    Tschechische Republik 21
    Philippinen 20
    Rumänien 18
    Tunesien 18
    Pakistan 18
    Bangladesh 17
    Syrien 16
    Griechenland 15
    Vietnam 13
    Israel 13
    Mexiko 13
    Peru 13
    Serbien 11
    Nigeria 11
    Indonesien 10
    Paraguay 10
    Ukraine 10
    Mali 9

  • Erwartungsgemäß haben mit Bernd Lucke auch viele seiner Anhänger die AfD verlassen. Das dürfte nicht nur für die Partei selbst, sondern auch für Frauke Petry ein schwerer Schlag gewesen sein. Aber diesem Umstand war sie sich ja wohl bewusst. 20% hat die nun führende Bundessprecherin der Alternative für Deutschland einkalkuliert. Dass sie als Person im sozialen Netzwerk Fans dazu gewonnen hat, ist nicht verwunderlich. Sie genießt nicht nur einen "Frauenbonus", sondern ist auch in ihrer Argumentation sicher und rhetorisch gut. Ob das der AfD allerdings weiter hilft, darf bezweifelt werden. Der Rechtsruck ist klar erkennbar und dies wird viele ehemalige, potenzielle Wähler abschrecken. Ob fehlende Stimmen aber der neuen Partei zugerechnet werden, vermag man noch nicht ganz zu sagen. Die "ALFA" ist erst wenige Tage jung. Da darf man noch keine sofortigen Zuwächse erwarten. Bernd Lucke hingegen dürfte an Popularität bei der Facebook-Gemeinde nur schwer hinzugewinnen. Viele nehmen ihm den Wechsel übel und man will sich auch nicht jedes zweite Jahr neu orientieren. Ob die Schlagworte "Allianz"; "Fortschritt" und "Aufbruch" noch zeitgemäß sind, sei einmal dahin gestellt. "Allianz" wird von vielen Menschen mit dem Wort Versicherung verbunden und signalisiert wohl seit Kurzem den Arbeitsplatzabbau. Fortschritt ist von einem Autokonzern belegt und einen Aufbruch zu veränderten Lebensweisen hat man in Deutschland schon lange verlernt. Was bleibt dürfte die Hoffnung sein, dass man sich irgendwo an die liberal-konservative Landschaft anhängt. Deren Plätze sind aber schon von anderen Parteien belegt. Da bleibt nicht mehr allzu viel Raum für neue Ideen, die ja auch dem Wähler vermittelt werden müssen. Als reine Protestpartei fällt die ALFA nun weg. Diesen Rang hat sich die AfD weiter gesichert. Ehemalige FDP- oder CDU-Wähler aber werden es schwer haben sich Bernd Lucke zu nähern. Ein Findungsprozess, der noch bis zur nächsten Bundestagswahl anhalten könnte.

  • Welche Partei auch immer. Der Bürger spürt Verdrossenheit und sucht nach Auswegen. Z.B. mit Alfa oder AfD. Wobei wahrscheinlich beide unter der 5 % Grenze bleiben. Sehr komfortabel für die derzeit im Parlament vertretenen Parteien. So können diese -derzeit noch ungestraft vom Wähler - beliebige Mengen Mist als Glücksbrei für die fernsehende Menschheit kochen. Aber irgendwann zerbricht dieses Konstrukt. Schon jetzt, falls die stärkste Gruppe der Wähler - die Nichtwähler !- zu der Erkenntnis kommt: Die Sitze der Nichtwähler bleiben nicht frei und werden von anderen okkupiert. Und nichtwählen bewirkt nur eine bedingungslose Unterordnung und Akzeptanz unter Zustände die man gerade nicht mag. Es ist kein Wunder und absolut positiv zu beurteilen, wenn sich Kandidaten gezielt um die Wünsche der Bürger kümmern. Auch wenn das der Meinungslenkungsindustrie zuwieder läuft..

  • "Nicht nur in Umfragen geht es für die Alternative für Deutschland (AfD) steil bergab. Seit dem Austritt von Bernd Lucke suchen immer mehr Parteimitglieder das Weite."
    Seltsame Umfragen.
    Seltsames Weitesuchen.
    In München lockte Herr Gauland alleine ca. 130 Interessenten und Mitglieder zu einem aussenpolitischen Vortrag auf sehr hohem Niveau.
    Immer mehr Mitglieder kehren zurück in die Partei, aus der sie Lucke und sein Gebaren vertrieben hatten. Viele Kreise vermelden mittlerweile einen Anstieg der Eintritte.
    Beispiel Bayern: Seit der übrigens ehemalige NPD-Mitglieder und rechtsextreme Mitglieder unterstützende Landesvorstand zurück- und auch austrat und damit übrigens einer Abwahl und möglichen Ordnungsmassnahmen zuvorkam, ist die Partei zumindest in Bayern weniger "rechts". Also auch für die Medien wieder etwas genehmer. Alles wird gut!

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