AfD, Grüne, SPD & CDU
Jungwähler im Fokus der Parteien

Jugendexperten sind sich sicher: Die erste Wahl prägt junge Menschen entscheidend für ihr weiteres Wahlleben. Parteien tun deshalb viel, um an ihre Stimmen zu kommen. Eine Studie zeigt, wie die Jungwähler ticken.

BerlinIn gut einer Woche sind die Berliner zur Wahl aufgerufen. Die Parteien kämpfen um jede Stimme. Sie buhlen vor allem um die Jungwähler. Jugendexperten sind sich sicher: Die erste Wahl prägt die jungen Menschen für ihr weiteres Wahlleben. Die Parteien tun dafür alles. Sie veranstalten Diskussionsrunden an Schulen, verteilen Flyer vor Schulen, Unis und Kneipen. Sie nutzen Facebook, Snapchat und Co. Denn eines haben die Parteien verstanden. Den Jugendlichen fehlt heute oft der Impuls selbst zu recherchieren und sich über das Wahlgeschehen zu informieren. Dementsprechend wollen die Parteien Politik zu den jungen Leuten bringen. Dennoch sinken die Zahlen der Wahlbeteiligung jedes Jahr. Junge Menschen fühlen sich nicht ausreichend in die Politik integriert, nicht genug in den politischen Diskurs eingeschlossen.e

Um sich zu engagieren wenden sich die Jugendlichen an NGOs, setzen sich für Themen ein, die sie besonders bewegen: Flüchtlingspolitik, Umweltschutz, Menschenrechte. „Man sieht das Systemversagen, man greift ein“, sagt Annika Klose dem Handelsblatt. Sie ist die Vorsitzende der SPD-Jugendorganisation in Berlin. „Vielen jungen Leuten reicht es nicht mehr nur Kreuzchen zu setzen“, sagt die Juso-Chefin.

Aus der aktuellen Shell-Jugendstudie 2015 geht hervor, was die Jugendlichen schon seit Generationen bewegt. Alles rund um Arbeit und Ausbildung, Sozialpolitik, Freiheit und Umweltschutz. Wahlentscheidend ist für viele aber auch die Haltung der Parteien gegenüber Flüchtlingspolitik und Rechtspopulismus.

Die Jugendlichen holen sich die Informationen aus dem Netz. Besonders beliebt sind die sozialen Plattformen Facebook und Twitter, so- wie Zeitungs-Apps und das Fernsehen. Jugendliche suchen auf Facebook die Parteien, die gerade in aller Munde sind. Parteien wie die AfD. Die Facebook-Seite der AfD ist mit 290.000 Likes der Spitzenreiter unter den Parteien auf Facebook. Und das mit großem Abstand. SPD, CDU und CSU haben im Schnitt „nur“ 120.000 Gefällt-mir-Angaben.

Tendieren junge Menschen zu extremeren Parteien wie zu der Alternative für Deutschland (AfD)? Die Wahlanalysen zeigen: Grundsätzlich Nein. Es ist zwar durchaus die Neugierde da und es wird auf den Facebook-Seiten derartiger Parteien gestöbert, aber gewählt werden diese von der jüngeren Generation weniger. Hoch im Kurs bei den Jungen stehen Grüne, SPD und CDU.

Doch es gibt auch eine große Zahl von Nichtwählern. Diese potenziellen Erstwähler glauben, mit ihrer Stimme könnten sie ohnehin nichts ausrichten. Die Politik mache sowieso was sie wolle. Was bringt meine einzelne Stimme da schon? Die da oben werden das schon machen, denken sich auch einige und gehen erst gar nicht zur Wahl.

Wie kann man die Jugendlichen dann zum Wahllokal bewegen? Anfangen muss das früh in der Schule. Den Jungwählern muss Politik schmackhaft gemacht werden, es muss mehr über aktuelle politische Themen gesprochen und gelehrt werden, dass auch meine einzelne Stimme etwas bewirken kann, sind sich Bildungsexperten einig. An die eigene Nasen fassen müssen sich allerdings auch die Jungwähler. „Man muss Kompromisse mit den Parteien machen. Man kann auch politisch aktiv sein und nicht zu 100 Prozent mit der Partei übereinstimmen“, sagt Juso-Chefin Klose. Wenn einem etwas nicht an der Partei passe, könne man sich aus eigenem Antrieb engagieren.

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