AfD in Niedersachsen
Erfolgreich trotz Dauerzoff

Die AfD in Niedersachsen ist tief zerstritten – und ihre Spitzenkandidatin politisch angeschlagen. Trotzdem ist der Wähler-Rückhalt stabil und ein Erfolg bei der Landtagswahl wohl sicher. Wie ist das zu erklären?
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BerlinSo schlecht ist wohl selten eine Spitzenkandidatin in einen Wahlkampf gestartet. „Man muss ehrlich bleiben, das war nicht unsere Wunschkandidatin“, sagte der Landesvorsitzende der niedersächsischen AfD, Paul Hampel, Anfang August über Dana Guth. Kurz zuvor war die Immobilien- und Versicherungsmaklerin zur Frontfrau für die Neuwahlen am 15. Oktober gewählt worden.

Hampel nahm die Entscheidung der Mitglieder zerknirscht zur Kenntnis, ließ aber zugleich durchblicken, dass er im Wahlkampf nicht wirklich die Werbetrommel für die 47-Jährige rühren will. Ihr Name sei ja Programm. „Frau Guth wird das schon gut machen“, gab er ihr spöttelnd mit auf den Weg.

Die tiefe Kluft zwischen dem Landesvorsitzenden Hampel und der Spitzenkandidatin Guth ist bezeichnend für den Zustand der Niedersachsen-AfD. Wie gespalten die Partei ist, zeigt der letztlich vergebliche Versuch, Hampels Kandidatur für den Bundestag juristisch zu verhindern. Kritiker werfen ihm einen autoritären Führungsstil vor. Hampel ist der festen Überzeugung, dass Guth und ihre Mitstreiter, wie er selbst sagt, „in den vergangenen Jahren maßgeblich versucht haben, jedweden Erfolg des Landesverbandes zu verhindern und mit unzähligen Klagen zunichte zu machen“.

Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte der parteiinterne Streit mit dem Rauswurf Guths aus der AfD-Fraktion im Göttinger Kreistag. „Es gab Differenzen im persönlichen Umgang. Frau Guth meint, sie kann überall das Kommando an sich reißen“, sagte der Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Frank Rathmann. Guth spielte den Vorgang herunter, sprach von lächerlichen Vorwürfen. Dabei hätte sie die Anwürfe gegen sie auch unkommentiert stehen lasse können. Denn die Wähler der AfD scheren sich offenbar wenig um die Querelen.

„Allgemein kann man beobachten, dass die internen Konflikte der AfD kaum negative Auswirkungen auf das Wahlverhalten zu haben scheinen“, sagt Marcel Lewandowsky, Politikwissenschaftler der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die AfD werde seit Beginn ihres Bestehens zum einen aus Protest, zum anderen aber aus inhaltlicher Übereinstimmung mit ihren Kernforderungen gewählt. „Personen spielen für die Wahlentscheidung in der Regel kaum eine Rolle.“

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel. "Die Bürger wählen aus zwei Gründen die AfD, entweder aus Überzeugung oder aus Enttäuschung und Protest", sagte Schroeder dem Handelsblatt. Dabei spiele aber weder das Programm noch die Personen eine Rolle. "Es geht darum die etablierten Parteien zu bestrafen und sich selbst Gehör zu verschaffen."

Entsprechend deuten die Umfragen auf einen Wahlerfolg der Landes-AfD hin, auch wenn das Ergebnis am Ende wohl deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 12,6 Prozent liegen dürfte. Im ZDF-„Politbarometer“ vom Freitag kommt die AfD auf 7 Prozentpunkte. Eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD-„Tagesthemen“ sieht die Partei sogar bei 8 Prozent. Damit würde die AfD mühelos erstmals den Sprung in den niedersächsischen Landtag schaffen.

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