AfD in Thüringen
Rechtsextremismus-Forscher sehen Höcke auf NPD-Kurs

Was ist dran an dem Vorwurf, die AfD stünde der NPD nahe? Antworten liefern Wissenschaftler der Uni Jena. In einer Studie haben sie den Thüringer Landeschef Höcke in den Blick genommen. Die Ergebnisse sind brisant.

BerlinDer Chef der Thüringer Alternative für Deutschland (AfD), Björn Höcke, steht der Ideologie der rechtsextremen NPD offenbar näher bis bisher bekannt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des „Kompetenzzentrums Rechtsextremismus“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Höcke reagierte mit scharfer Kritik auf die Analyse, die Teil einer größer angelegten Untersuchung zu rechtsextremen Strukturen in der Gesellschaft ist. „Es werden haltlose Behauptungen aufgestellt und daraus noch haltlosere Schlussfolgerungen gezogen“, sagte Höcke dem Handelsblatt.

Die Forscher begründen ihre Einschätzung zu Höcke insbesondere mit einem Auftritt des AfD-Politikers bei dem neurechten „Institut für Staatspolitik“ im November 2015. Höcke vertrat dort in einer in einem Video festgehaltenen Rede biologistische Rassetheorien. Bei der Veranstaltung in Schnellroda (Sachsen-Anhalt) warnte Höcke vor einer Flüchtlingswelle aus Afrika. Dabei stellte er einen Zusammenhang her zwischen den unterschiedlichen „Reproduktionsstrategien“ Europas und Afrikas.

„In Afrika“, erklärte Höcke, „herrscht nämlich die sogenannte r-Strategie vor, die auf eine möglichst hohe Wachstumsrate abzielt. Dort dominiert der sogenannte Ausbreitungstyp. Und in Europa verfolgt man überwiegend die K-Strategie, die die Kapazität des Lebensraums optimal ausnutzen möchte. Hier lebt der Platzhaltertyp.“ Und weiter: „Das Auseinanderfallen der afrikanischen und der europäischen Geburtenrate wird gegenwärtig natürlich noch durch den dekadenten Zeitgeist verstärkt, der Europa fest im Griff hat. Kurz: Im 21. Jahrhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp.“

Die Jenaer Wissenschaftler Matthias Quent, Franziska Schmidtke und Axel Salheiser erklären hierzu in ihrer Studie: „Diese völkisch-rassistische Diskriminierung aufgrund der Abstammung ist identisch zur allenfalls verbal radikaleren Programmatik der NPD, die bei Menschen aus Migrationsfamilien, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, von „Passdeutschen“ beziehungsweise „Papierdeutschen“ spricht, während der völkischen Weltanschauung zufolge ausschließlich Abstammungsdeutsche zur „Volksgemeinschaft“ zählen.“

Pikant ist in diesem Zusammenhang der Hinweis der Forscher, dass im Antrag des Bundesrates zum Verbot der NPD eben dieses Verständnis eines „ethnischen Volksbegriff“ einen wesentlichen Stellenwert einnehme, um den verfassungsfeindlichen Charakter der NPD zu beschreiben und die Nähe der NPD zur NSDAP zu beweisen, die ebenfalls auf die Abstammung als Kriterium der Staatsangehörigkeit Bezug genommen habe.

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