AfD-Krise
Auf Schrumpfkurs

Nach dem Lucke-Abgang rechnet die neue AfD-Chefin Petry mit 20 Prozent Mitgliederschwund. Doch nicht alle Wirtschaftsliberalen kündigen der AfD die Freundschaft – auch ein prominenter Aufsichtsratschef will treu bleiben.
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BerlinSeit Frauke Petry die AfD-Vorstandswahl gewann, hat die „Alternative für Deutschland“  knapp zehn Prozent ihrer 21.000 Mitglieder verloren. Das teilte Parteichefin Petry nach der ersten Sitzung des neuen Bundesvorstands in Berlin mit. „Wir haben von Anfang an damit gerechnet, dass wir 20 Prozent der Mitglieder verlieren könnten“, sagte sie. Trotzdem sei der Parteitag am vergangenen Wochenende in Essen „ein Befreiungsschlag“ gewesen.

Petry hatte in einer Kampfabstimmung die Wahl gegen Parteigründer Bernd Lucke mit 60 zu 38 Prozent der  Stimmen gewonnen. Lucke hatte am Dienstagabend angekündigt, die AfD am Freitag verlassen zu wollen. Nach seiner Wahlniederlage warf er Petry und ihren Unterstützern vor, die AfD in eine deutsche Front National verwandeln zu wollen. Seinen Austritt begründete er damit, dass er nicht als  „bürgerliches Aushängeschild“ für Ausländer- und Islamfeindschaft missbraucht werden wolle.

Der lang schwelende Streit zwischen dem wirtschaftsliberalen Flügel um Lucke und den Nationalkonservativen um Petry war eskaliert, nachdem Lucke im Mai den Verein „Weckruf 2015“ gegründet hatte, in dem sich AfD-Mitglieder und bereits ausgetretene AfDler zusammengefunden haben.

Die Satzung des Vereins mit 4000 Mitgliedern liest sich passagenweise wie die Gründungssatzung einer Partei. In einer Umfrage  nach dem Parteitag sprach sich eine große Mehrheit der Weckruf-Mitglieder für die Gründung einer neuen Partei aus; weitere Mitglieder sagten, sie wären bei einer Parteigründung dabei, wenn Lucke mitmachen würde. Lucke selbst ließ seine Entscheidung darüber bisher offen.

Kommentare zu " AfD-Krise: Auf Schrumpfkurs"

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  • @Herr Dannenberg

    Natürlich hinkt jeder Vergleich irgendwo immer ein bißchen.

    Ich will damit nur sagen, auch andere Parteien haben im Ablauf ihrer Geschichte schwere Krisen erlebt und diese Krisen überstanden.

    Das Projekt eines historischen Bündnisses von Liberalen und Konservativen der verschiedenen Schattierungen hatte etwas bestechendes und hat es imer noch.

    Andererseite haben längst nicht alle Liberalen die AfD verlassen oder haben die Absicht. Prof. Jörg Meuthen , ein ausgesprochener Liberaler kann hier beispielgebend sein.

  • Die AfD kann sich schon einmal mit den Umfragewerten der Piratenpartei vertraut machen. Die sieht sie bald auch hinter ihrem Kürzel. GOTT SEI DANK!

    Meine Meinung: Wutbürgertum sucks.

  • @Herr Falk
    der Vergleich mit der FDP hingt da ein bisschen viel. Die AfD ist noch nicht im Bundestag angekommen, und ich bekomme laufend Austrittserklärungen oder Absichten und Abwartungen von Mitgliedern

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