AfD-Krise
Lucke-Flügel startet Angriff auf die Nationalkonservativen

Nach dem Parteitags-Chaos bricht in der AfD neuer Streit los. Der wirtschaftsliberale Flügel macht massiv Front gegen die Nationalkonservativen in der Partei. Damit soll die Zahl der Lucke-Unterstützer vergrößert werden.
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BerlinVor dem in wenigen Wochen geplanten entscheidenden Bundesparteitag startet der wirtschaftsliberale Flügel um den Chef der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, eine Kampagne gegen dessen Rivalin im Kampf um die künftige Parteiführung, Frauke Petry. „Wir werden eine Bewertung der uns bekannten Bewerber und mit Sicherheit auch eine Empfehlung abgeben, nachdem Frauke Petry eine Einigung verweigert“, sagte die Vorsitzende von Luckes Verein „Weckruf 2015“, Ulrike Trebesius, dem Handelsblatt.

„Inhaltlich werden wir deutlich machen, wen wir für geeignet halten und wen nicht“, fügte die Europaabgeordnete hinzu. „Mit Sicherheit werden wir unsere bisherige vornehme Zurückhaltung ablegen und nicht weiter tatenlos zusehen, wie Herr Gauland, Frau Petry und Herr Pretzell und andere versuchen, Bernd Lucke zu beschädigen.“

Lucke erklärte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, er habe den Vorschlag der AfD-Landesvorstände unterstützt, gemeinsam mit Petry abzutreten, um Platz für eine neue Spitze zu machen. Petry habe dies abgelehnt. Damit sei die Idee vom Tisch.

Bei dem für Mitte Juni geplanten und dann wegen juristischer Bedenken abgesagten Parteitag in Kassel sollte die Parteiführung von derzeit drei Vorsitzenden auf einen verkleinert werden – nach einer bis Dezember befristeten Doppelspitze. Lucke hat seine Kandidatur angekündigt und die Vorstandswahl zu einer Richtungsentscheidung erklärt. Damit ist eine Machtprobe zwischen Lucke und seiner Gegenspielerin Petry vorprogrammiert.

Sie gehe derzeit davon aus, dass Petry beim Parteitag gegen Lucke antreten werde, sagte Trebesius. Grundsätzlich kämen für Führungsposten alle Kandidaten in Frage, „die kompetent sind, genügend Zeit mitbringen und sich zu den bestehenden Leitlinien der AfD bekennen“, betonte sie. Eine Wahlempfehlung für Kandidaten, die derzeit alles tun, um die Partei „verantwortungslos an die Wand zu fahren“, könne sie sich aber nicht vorstellen.

Neben der sächsischen Landes- und Fraktionschefin Petry werden auch die Landeschefs Alexander Gauland (Brandenburg) und Marcus Pretzell (Nordrhein-Westfalen) dem nationalkonservativen Parteiflügel zugerechnet. Um diese Gruppe zu isolieren hatte Lucke und weitere Vertreter des liberal-konservativen Flügels kürzlich den Verein „Weckruf 2015“ gegründet. Dem Vernehmen nach schlossen sich der Initiative inzwischen rund 3.200 der insgesamt rund 21.000 Parteimitglieder an.

Kommentare zu " AfD-Krise: Lucke-Flügel startet Angriff auf die Nationalkonservativen"

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  • Ihre Beobachtungen für die DDR treffen generell auf alle osteuropäischen, ehemaligen Ostblockstaaten zu.
    Die gesellschaftlichen Verfallserscheinungen, der nationale Selbsthass, oder die Eingeschüchtertheit, sich nicht dagegen zu wehren, sind dort viel weniger ausgeprägt als in den westeuropäischen Staaten.

    Die SED war –bei aller berechtigten Kritik an ihrer Führung und ihrem Staat– immer noch eine klassisch-marxistische, ökonomisch-linke Partei.

    Und all den Folgen, die das für die Bewohner der DDR gehabt hat, hat sie das von der neuen, westlichen Linken – der kulturellen Linken– und deren Auswüchsen lange Zeit gewahrt.

    Die SED predigte keinen Multikulturalismus, Feminismus, Gender-Ideologie und nationalen Selbsthass. Der Internationalismus der SED wurde als das friedliche Zusammenleben (kulturell und ethnisch definierter) Völker verstanden, und nicht als die theoretische und praktische "Dekonstruktion" des deutschen Volkes und anderer europäischer Völker.

    Statt Homo-Ehen einzuführen, wurde die Institution der Ehe und Familien mit Kindern staatlich gefördert.

    Und obschon es einen staatlich-geförderten Antifaschismus gab, ging dieser niemals auch nur ansatzweise soweit jegliche wertkonservative Ansicht, jedweden Ansatz von Nationalgefühl, und jedwede Abkehr vom Multikulturalismus (den es in der DDR nicht gab) mit "Faschismus" gleichzusetzen. "Der Feind" und die "Faschisten" waren für die SED in erster Linie die westlichen Nato-Staaten und "die Kapitalisten" und nicht die kulturellen Rechten wie Konservative, Traditionalisten und Nationalisten.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • @urs
    Sie sprechen mir aus der Seele. Bitte weitermachen und überall posten. Danke

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