AfD-Landeschef Bernd Kölmel
„Wer noch weiter rechts agiert, ist ein Problem für die Partei“

Der Chef der AfD in Baden-Württemberg, Bernd Kölmel, blickt mit Sorge auf den Richtungsstreit in seiner Partei. Im Interview mahnt der EU-Abgeordnete zur Geschlossenheit – und stößt zugleich eine deutliche Warnung aus.
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BerlinDie heftigen Streitigkeiten über die richtige politische Ausrichtung in der Alternative für Deutschland (AfD) sind für Bernd Kölmel nichts Neues. Der Landesvorsitzende der AfD Baden-Württemberg und EU-Parlamentarier war selbst schon Ziel heftiger Tiraden, als er Anfang des Jahres bei einem Landesparteitag für seinen wirtschaftsliberalen Kurs warb. Die aktuelle Krise beobachtet er mit großer Sorge. Aus gutem Grund: Im kommenden Jahr wird in seinem Bundesland ein neue Vor allem die ständigen Attacken aus den nationalkonservativ geprägten ostdeutschen Landesverbänden nerven ihn. Für die Querulanten hat er eine unmissverständliche Botschaft: „Wir müssen jedem in der Partei klar machen, dass es nicht geht, öffentlich negativ über uns zu reden. Wenn das nicht verstanden wird, dann sollten wir diese Leute auffordern, die Partei zu verlassen – egal, wen es trifft.“

Herr Kölmel, der Rücktritt von Hans-Olaf Henkel aus dem Bundesvorstand ihrer Partei zeigt Wirkung: Die AfD ist in einer aktuellen Forsa-Umfrage unter fünf Prozent gerutscht. Wie stehen Sie zu dieser Entwicklung?

Es ist traurig, dass wir uns intern so bekriegen, dass wir nachvollziehbar bei den Wählern mehr und mehr an Zustimmung verlieren.

Der Absturz war doch absehbar. Entsprechende Warnungen gab es ja nicht nur von Herrn Henkel, sondern auch von Bundesparteichef Lucke.

Meine These ist: Wir haben keinen Streit zwischen Konservativen und Liberalen. Mich erinnern die Auseinandersetzungen an die Grünen, wo sich Fundis und Realos gegenüberstanden. Dieses Bild gut zur AfD.

Inwiefern?

Wir haben Leute, die wollen fundamental etwas anderes wollen, die die politische Correctness bekämpfen wollen – und zwar mit allen Mitteln. Diese Leute sagen auch: die reine Lehre ist entscheidend und nicht, dass man erfolgreich ist. Deswegen laufen bei uns die Parteitage manchmal auch chaotisch ab. Dieser Grundkonflikt ist nicht gelöst – und wir haben derzeit hierfür noch keine Lösung.

Keine Idee?

Vielleicht müssen sich alle besinnen. Die Fundis müssen ein Stück Realpolitik akzeptieren und die Realos müssen bereit sein, auch eine Schippe Fundamentalismus mitzunehmen. Wenn wir das nicht schaffen, werden wir langfristig keine Chance im politischen System haben.

Damit wird der Richtungsstreit zur Existenzfrage für die Partei.

Der Richtungsstreit kann zur Existenzfrage werden. Deshalb wird es jetzt darauf ankommen, kurzfristig Kompromisse zu finden, damit auch die große Mehrheit der Mitglieder der Partei weiter die Treue halten. Wir haben schon viele Mitglieder verloren, die sehr gut zu uns gepasst haben. Deshalb müssen wir alles dafür tun, dass wir nicht noch mehr Mitglieder verlieren und damit personell wie inhaltlich ausbluten.

Wer soll das verhindern in der Parteiführung?

Das kann nur Bernd Lucke sein an der Spitze, zusammen mit einem Führungsteam, das alle Facetten der Partei abbildet. Dann werden wir auch wieder erfolgreich sein.

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„Wir müssen unsere politischen Themen wiederbeleben“

Kommentare zu " AfD-Landeschef Bernd Kölmel: „Wer noch weiter rechts agiert, ist ein Problem für die Partei“"

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  • Eine unselige Ansammlung von bildungsfernem Volk, nörgelnen Querulanten, Pegida und strammen Rechtsaußen. Leider nichts was den Druck auf die Altparteien auch nur etwas erhöhen könnte...

  • Natürlich hat Herr Kölmel recht, man sollte innerhalb einer Partei eher mit dem Florett kämpfen als mit dem Säbel und das in einer bürgerlichen Partei immer mit sachlichen Argumenten und nicht mit persönlichen wozu sich Herr Henkel in seiner Auseinandersetzung mit Herrn Adam leider hat hinreißen lassen.

    So überzogen kann man nicht agieren, wenn "Anstand und Charakter" noch relevant sind und eine gewisse dämpfende Funktion innehaben, was innerparteiliche Kämpfe angeht.

    Zu Herrn Gauland, das scheinen eher außenpolitische Differenzen zu sein und haben mit "liberal" und "Konservativ" wenig zu tun.

    Hier scheint Herr Gauland eher auf einer Linie zu liegen mit dem CSU- Mann Peter Gauweiler oder der Linken Sahra Wagenknecht oder dem Ehrenvorsitztenden der niederrheinischen CDU Willy Wimmer.

    Hier nach Links-Rechts Schemata zu sortieren ist wohl eher schwierig und nicht so recht nachvollziehbar.

  • Herr Kölmel sollte aber bedenken, dass auch Herr Henkel nicht shuldlos ist. Er hat mit dem Theater angfangen, alles und jedes an die Presse weiter zu geben

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