AfD-Machtkampf
Lucke allein zu Haus

Die Spaltung der AfD ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Parteigründer Bernd Lucke und Gegenspielerin Frauke Petry wollen nicht mehr zusammenarbeiten. Lucke muss zudem im Bundesvorstand eine herbe Niederlage einstecken.
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BerlinDer Riss in der Spitze der Alternative für Deutschland ist wohl nicht mehr zu kitten. Der Vorstand der eurokritischen Alternative für Deutschland hat nach Angaben aus der Parteispitze den Aufstieg von Bernd Lucke zum alleinigen Parteichef vorerst durchkreuzt. Das Gremium kippte die im Januar auf Luckes Wunsch hin beschlossene Parteireform, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

Vorgesehen war die Verkleinerung der bisherigen Dreierspitze aus Lucke, Frauke Petry und Konrad Adam im Dezember. Lucke wollte für den Posten des alleinigen Parteichefs kandidieren. Er hat zudem die Vorstandswahlen auf dem Parteitag im Juni in Kassel zu einer Richtungsentscheidung im Machtkampf zwischen dem wirtschaftsliberalen und dem nationalkonservativen Flügel erklärt.

Der Parteivorstand folgte nun mehrheitlich den Bedenken des Bundesschiedsgerichts der AfD, weil es bei der Verabschiedung der Reform Unregelmäßigkeiten gegeben haben soll. Damit bleibt die bisherige Parteispitze aus drei gleichberechtigten Vorsitzenden zunächst bestehen.

Lucke sagte am Freitag vor Beginn einer Sitzung des AfD-Bundesvorstandes in Berlin, er sei von der Co-Vorsitzenden Frauke Petry enttäuscht. Ihr gehe es nur darum, „ihren persönlichen Ehrgeiz zu befriedigen“. Er könne sich deshalb nicht vorstellen, auch nach dem Bundesparteitag in drei Wochen noch mit Petry im Vorstand zusammenzuarbeiten. Auch Petry schloss dies aus. Auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Alexander Gauland schoss scharf gegen Lucke: „Ich halte es für sehr schwierig nach diesen Vorfällen, dass Bernd Lucke die Gesamtpartei führt.“

Der Bundesvorstand hat die Gründung von Luckes Verein „Weckruf2015“ dann auch mehrheitlich missbilligt. Petry warf Lucke vor, er habe der AfD damit stark geschadet. „Ich hätte gerne noch vor dem Parteitag eine Klärung“, sagte Petry, die auch Vorsitzende der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag ist.

Kommentare zu " AfD-Machtkampf: Lucke allein zu Haus"

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  • Keine alte Partei hat ein Konzept fuer unsere Zukunftssicherung! Lucke ist eine Bereicherung der politischen Landschaft. Er hat ausgereifte wirtschaftspolitische Vorstellungen und seiner Truppe traue ich unsere Zukunftssicherung zu. Allen anderen traue ich nichts mehr zu. Die unglueckselige Entwicklung geht nicht auf sein Konto, auch wenn er vielleicht nicht ueber die Routine eines berufspolitischen Aparatschiks verfuegt.

    Lucke und sein wirtschaftspolitisches Kionzept muessen unbedingt erhalten werden. Was koennen wir tun?

  • Man sollte Lucke danken, dass er es so weit geschafft hat, eine Partei abseits des Mainstreams zu etablieren, man muss ihn und Henkel aber auf jeden Fall und mit allen Mitteln hindern, diese Partei in eine Pseudo-FDP umzuwandeln.

    Mit dem "Weckruf" sollen die beiden besser keinen Verein, als vielmehr eine Parteizeitschrift ins Leben rufen - mit den entsprechenden Themen.

    In Brüssel scheinen sich die Beiden ohnehin sehr wohl zu fühlen, denn niemand hört mehr etwas über EURO, ESM, Griechenland - eigentlich eine Schande.
    Bezogen auf die beiden Herren könnte man auch sagen, die Stimme für die AfD war vergeudet.

  • In der heutigen Zeit des verbreiteten politischen Irrenhauses ist eine Protestpartei eine sehr wichtige Sache. Herr Lucke sollte meines Erachtens nicht so sehr auf ein sauberes Profil achten, sondern eher tolerant sein !

    Ich wuerde ihm empfehlen, nachzugeben, und beispielsweise eine Dreier-Spitze zu akzeptieren, damit die AfD in der Weise fortgeführt werden kann.

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