AfD-Parteitag
Lucke nennt bisherige Parteiführung „stümperhaft“

Auf dem Parteitag stellt AfD-Chef Lucke der Führung ein vernichtendes Zeugnis aus – und wirbt für eine Einer-Spitze. Die Partei sei „kein Kegelclub oder Karnickelzüchterverein“. Nun müssen die Mitglieder abstimmen.
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BremenAfD-Gründer Bernd Lucke hat eine vernichtende Bilanz der bisherigen Arbeit der Parteispitze gezogen. „Was wir gemacht haben als Bundesvorstand, war stümperhaft“, sagte Lucke am Samstag auf dem AfD-Parteitag in Bremen. In den zwei Jahren seit Gründung der Partei habe es dem Vorstand, dem neben Lucke noch die Ko-Vorsitzenden Frauke Petry und Konrad Adam angehören, an Planung, Organisation und Kommunikation gemangelt. „Auch heute arbeitet der Bundesvorstand noch nicht besser“, resümierte Lucke.

Der Parteichef hatte zunächst vor, seine Rede unter Ausschluss der Öffentlichkeit halten. Dies begründete er damit, dass er dort auch „persönliche Dinge sagen wollte, die einem engeren Kreis von Mitwissern vorbehalten bleiben sollten“. Nach scharfer Kritik, auch aus den eigenen Reihen, gab er das Vorhaben jedoch auf.

Lucke warb in seiner Rede für die von ihm angeregte Führungsstruktur, die künftig nur noch einen Parteichef vorsieht, dem ein Generalsekretär zur Seite stehen soll. „Ich halte eine Professionalisierung der politischen Prozesse im Bundesvorstand für unabdingbar“, sagte Lucke. „Wir sind kein Kegelclub oder Karnickelzüchterverein, den man nebenberuflich führen kann.“

Bisher hat die AfD eine Dreierspitze. Der Vorstand hatte Mitte Januar nach monatelangem Gezänk einen Kompromissvorschlag gefunden, der ab April eine Zweierspitze vorsieht. Ab Dezember soll die rechtskonservative Partei dann nur noch einen einzigen Vorsitzenden haben.

Lucke signalisierte, dass er für den Posten des alleinigen Parteichefs bereit stehen würde. „Ich bin so etwas wie das Gesicht der Partei“, sagte der Hamburger Ökonomieprofessor. Er werde auf der Straße deswegen häufig angesprochen. „Dieses Vertrauen will ich nicht zerstören und will es nicht enttäuschen.“

Den Vorwurf der Machtversessenheit wies er zurück. „Ich möchte sie davon überzeugen, dass ich mich für diese Einerspitze verwende, nicht weil es mir um persönliche Macht geht, sondern weil ich den Erfolg für diese Partei will“, sagte er.

Die 1675 anwesenden Mitglieder sollen noch am Mittag über die Reformpläne abstimmen. Lucke erntete für seine Einlassung einigen Applaus, aber auch vereinzelte Buh-Rufe.

„Diskussionen nicht abwürgen“

Die sächsische Landesvorsitzende Frauke Petry lobte Luckes „aufopferungsvolle“ Arbeit für die Partei, widersprach ihm jedoch in einzelnen Punkten. Petry sagte: „Ich möchte dafür werben, dass wir Diskussionen nicht abwürgen.“

AfD-Vize Hans-Olaf Henkel rief in einer Videobotschaft zur Geschlossenheit auf. „Lassen Sie uns ab heute zusammenstehen“, sagte er. Henkel nimmt an dem Parteitag nicht teil. Er sagte den Mitgliedern, dass er sich bei Parteisprecher Konrad Adam für den Ton eines Briefes entschuldigt habe. Im Zusammenhang mit der Satzungsdebatte hatte Henkel Adam unter anderem übersteigerten Ehrgeiz vorgeworfen.

Agentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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