AfD-Politiker im Clinch
Heftiger Streit in der AfD über Parteiprogramm

In der AfD ist ein heftiger Streit über das neue Parteiprogramm entbrannt. Nachdem der Hamburger Fraktionschef deutliche Kritik geübt hat, fordert nun der bayerische Landesverband seinen Rücktritt.

BerlinHamburgs AfD-Fraktionsvorsitzender Jörn Kruse hält trotz einer Rücktrittsforderung aus dem bayerischen Landesverband an seiner Kritik am neuen Grundsatzprogramm der Bundespartei fest. Kruse hatte in einem Interview der „Welt“ das neue Parteiprogramm der AfD attackiert. Der Wirtschaftswissenschaftler kritisierte etwa Passagen zur Familienpolitik als „vorgestrig“ und andere als „Unsinn“. Kruse sagte dazu dem Handelsblatt: „Meine Wortwahl in dem Interview bedaure ich, die Inhalte nicht.“

Das neue Grundsatzprogramm der AfD war zuvor schon von den etablierten Parteien, der evangelischen Kirche und verschiedenen Verbänden harsch kritisiert worden. „Aus unserer Sicht ist die AfD eine Anti-Deutschland-Partei“, sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber am Montag in Berlin. „Sie tritt die Werte mit Füßen, die Deutschland stark gemacht haben.“ Die Evangelische Kirche warf der Partei vor, mit ihrer Haltung zum Islam die Gesellschaft zu spalten. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sieht, wie er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte, im AfD-Programm einen Eingriff in die Religionsfreiheit.

Der bayerische AfD-Vorstand hielt Kruse in einer E-Mail vor, seine Kritik nicht intern geäußert zu haben. „Dass Sie aber den Weg über die Öffentlichkeit gewählt haben, spricht Ihnen die politische Reife ab, die AfD zu repräsentieren. Sie müssten intellektuell in der Lage sein, den Imageschaden zu ermessen, den Sie der Partei damit zufügen“, heißt es in der Mail, die dem Handelsblatt vorliegt. Und: „Wenn Sie sich für die AfD schämen, sollten Sie konsequent sein und aus der AfD austreten.“ 

Im Gespräch mit dem Handelsblatt relativierte Bayerns AfD-Chef Petr Bystron die Rücktrittsforderung wieder. „Ich würde mich freuen, wenn sich Professor Kruse mit seiner unbestrittenen Wirtschaftskompetenz zur weiteren Verbesserung unseres Programms in der Partei einsetzen würde“, sagte Bystron. Er betonte aber auch: „Das Ergebnis mehrjähriger Arbeit von vielen Tausend Mitgliedern öffentlich zu diffamieren bringt uns nicht weiter. Wir haben jeden Grund, stolz auf das ehrenamtliche Engagement unserer Mitglieder zu sein.“

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Das irreale Familienidyll

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„Das ist pure Verleumdung“

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