AfD profitiert von Euro-Skepsis
Die FDP-Flüchtlinge

Der FDP laufen die Mitglieder davon – und die Alternative für Deutschland buhlt offensiv um die Liberalen. Mit immer größerem Erfolg. Handelsblatt Online stellt drei Ex-FDP-Politiker vor, die nun in der AfD mitmischen.
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DüsseldorfGerade fühlt es sich so an, als würden die Überläufer gar nicht mehr abreißen. Und zwar von der FDP zur AfD, zur Alternative für Deutschland, der Partei, die vor allem für eine andere Euro-Politik einsteht. Die jüngste Meldung ist der Übertritt von Matthias Niebel, Geschäftsmann aus Heidelberg, Cousin von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel – und nun ehemaliges FDP-Mitglied. Stattdessen gehört Niebel jetzt der AfD an. Und auch um den prominentesten Euro-Kritiker der FDP, Frank Schäffler, buhlt die AfD massiv.

11.400 Mitglieder hat die AfD mittlerweile nach eigenen Angaben – und das, obwohl sie erst Anfang Februar gegründet wurde. Zwar war der größte Teil zuvor parteilos, doch es gibt auch viele Abtrünnige aus anderen Parteien. Ein erheblicher Anteil kommt von der CDU (1001 Mitglieder) und der FDP (622 Mitglieder).

Daraus könnte sich ein Trend entwickeln mit Auswirkungen auf die Bundestagswahl: „Während es bei der CDU nicht ums Überleben geht“, sagt Parteienforscher Thomas Poguntke von der Uni Düsseldorf Handelsblatt Online, „könnten die Wählerverluste für die FDP ernst werden“. Wieder einmal. Denn seit Monaten sind die Umfragen für die Liberalen schlecht, die FDP dümpelt mal knapp über mal unter bei der Fünf-Prozent-Marke. Jetzt macht es ihr die AfD im Wahlkampf doppelt schwer.

Wie es mit der AfD weitergeht, welche Chancen die Partei bei der Bundestagswahl hat, darüber will Poguntke nicht spekulieren. Denn nicht die Mitgliederzahlen und die Umfragen würden über den Erfolg der AfD entscheiden, sondern die Substanz dahinter. Also die Menschen, die sich für die Partei engagieren, die Strukturen einer Partei aufbauen, den Wahlkampf organisieren.

Doch bis zur Wahl sind es noch gut vier Monate. Sollte das Euro-Thema polarisieren, könne das für die AfD ein erheblicher Vorteil sein, sagt Poguntke: „In Sachen Euro-Krise ist ein großer Teil der Bevölkerung verunsichert.“ Die AfD sei die einzige Partei, die sich – neben der Linken – von der Einheitsmeinung der anderen Parteien abgrenze. „Damit stößt die Partei in eine Marktnische.“ Eine Nische, die einst die FDP bedient habe.

Drei Ex-Mitglieder der FDP erzählen Handelsblatt Online, warum sie lieber in der AfD mitmischen.

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  • Es muss sich was ändern in Deutschland und Europa !!!
    Wenn nicht,wird die Zukunft gruselig,durch POLITIK-und POLTIKERVERSAGEN !!! Wir brauchten Jahrzehnte um in EUROPA ein Vertauen in Politik und Gesellschaft wieder aufzubauen.
    Aber nur wenige Jahre (seit ROT/GRÜN),um die Zukunft in EUROPA und in unserem Land kontinuierlich in vielen Bereichen zu gefährden ! Diese vorhersehbaren,gewollten Fehler die in der POLITIK durch GIER,LOBBYISMUS und Kompetenzleere verursacht wurden, machten mich ab 2005 zum NICHTWÄHLER,leider !
    Jetzt wird es Zeit, ja schon überfällig, den EURO und seine Mitglieder auf einen neuen verantwortbaren Kurs zu bringen ! Darum werde ich wieder zur BT-WAHL gehen und
    AfD wählen!

  • Sorry, liebes Handelsblatt, die AfD hat mittlerweile mehr als 13.000 Mitglieder! Der Zustrom ist auch weiterhin ungebremst. Unabhängig davon gibt es noch -zig tausende Förderer und Unterstützer.

  • Es ist doch immer wieder beruhigend, zu wissen, daß auch andere Menschen genau so denken wie ich. Auch ich habe mir am Tag der Abstimmung zum ESM-Ermächtigungsgesetz geschworen, nie wieder eine Partei zu wählen, die diesem Verbrechen zugestimmt hat.

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