AfD sagt Parteitag ab
Rückenwind für Lucke

Dem rechten AfD-Flügel droht ein Rückschlag. Parteichef Lucke soll aus dem Amt gedrängt werden. Doch wegen chaotischer Delegiertenwahlen wurde nun der Parteitag abgesagt. Das hilft den Lucke-Unterstützern.
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BerlinNoch vor wenigen Tagen prophezeite der Co-Chef der Alternative für Deutschland (AfD), Konrad Adam, dem amtierenden Parteichef Bernd Lucke schwere Zeiten. Lucke werde beim Bundesparteitag Mitte Juni in Kassel keinen einfachen Stand haben. Die Gründung seines Vereins „Weckruf 2015“ sei von vielen Mitgliedern kritisiert worden.

Mit dem „Weckruf“ versucht Lucke, den liberalen Flügel der Partei zu organisieren und seine Gegenspielerin, die sächsische Landes- und Fraktionschefin Frauke Petry, zurückzudrängen. Sie zählt wie der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland zum nationalkonservativen Flügel der AfD. Der Machtkampf sollte eigentlich am 13. Juni in Kassel entschieden werden. Doch nun kommt es anders: Der Delegierten-Parteitag wurde abgesagt. Ein außerordentlicher Mitglieder-Parteitag – voraussichtlich Ende Juni – soll nun die Führungskrise lösen.

Damit könnte Adams Prognose wie ein Bumerang auf die Gegner Luckes zurückfallen. Denn sie erhofften sich, den ungeliebten Wirtschaftsprofessor aus dem Amt drängen zu können und Petry zu inthronisieren. Doch nun entscheiden nicht nur die Delegierten – alle Mitglieder werden zum Parteitag eingeladen. Dies könnte Parteichef Bernd Lucke in die Hände spielen, der in der Alternative für Deutschland insgesamt mehr Rückhalt hat als unter den Delegierten unter denen sich mehrheitlich Petry-Anhänger befangen.

Der Grund für die Absage sind Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl der Delegierten Kasseler Parteitag. Das Bundesschiedsgericht der Partei hatte Bedenken bei der Delegiertenaufstellung unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Hessen und im Saarland angemeldet. Der Bundesvorstand zog nun die Konsequenzen daraus.

Luckes Rivalin Frauke Petry hat dafür kein Verständnis. „Ich bedaure die Absage des Delegiertenparteitages, der auf Basis demokratischer Beschlüsse zustande gekommen war. Die Absage ist für die Außenwahrnehmung der AfD schlecht, und sie erhöht die Unsicherheit für alle Mitglieder. Das ist kein gutes Signal“, sagte Petry dem Handelsblatt. Und weiter: „Die Begründung Rechtssicherheit trägt nicht: Die Delegierten sind gewählt worden, in den meisten Landesverbänden von Mitgliederparteitagen. Keine der Klagen ist bisher vom Bundesschiedsgericht entschieden worden.“
Man habe sich auch bewusst für einen Delegiertenparteitag entschieden, um sparsam mit den knappen Mitteln der Partei umzugehen. Ob es ihren Ambitionen schadet, wenn nun die Mitglieder entscheiden? Petry gibt sich kämpferisch: „Die vergleichsweise geringe Unterstützung für Luckes Weckruf zeigen, dass seine Strategie, auf einem Mitgliederparteitag die Zustimmung zu bekommen, die er auf einem Delegiertenparteitag nicht bekommen hätte, wahrscheinlich gar nicht aufgehen wird.“

Kommentare zu " AfD sagt Parteitag ab: Rückenwind für Lucke"

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  • ...In diesem xxx-Land ist es schon "unsachlich", die Wahrheit zu beschreiben, z.B. über die Wahlergebnisse, die Volkszählung oder das Waffenrecht. Nützt nichts, dies zu unterdrücken, mit der Zeit kommt immer mehr heraus, und dann werden die Unterdrücker dafür blutig zur Rechenschaft gezogen werden!

  • Sehr geehrte Frau Margit Steer.
    Woher wollen Sie so genau wissen, was die meisten AfD-mitglieder wollen und was nicht?
    Was ist bei IHNEN RECHTS?
    Genau um diesen verlogenen Sprachgebrauch geht es.
    Also, lassen wir uns darauf ein, warum und wo verschiedene AfD-Anhänger RECHTS sein und wieso einige sogar NAZIS sein sollen (Herr Johannes Rosendahl)?
    Ich bin der Meinung, dass Aussagen auch wirklich begründet werden sollten!

  • @JolyJoker - stimme Ihnen definitiv zu. Wer offenen Ohres durch die Schulen und durch Firmen geht, wer mit Polizisten, Feuerwehrleuten, Sanitätern spricht, der merkt, wie Volkes Seele kocht. Die kritische Masse ist noch nicht (noch nicht ..) beisammen, aber wir nähern uns dieser Marke schnell. Der Apfel ist reif, wie hier so trefflich formuliert wurde. Die AfD muss nur zugreifen, mehr braucht es nicht.

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