AfD-Streit um Höcke „Frau Petry, treten Sie endlich zurück“

Der AfD-Streit um Höcke wird zum Problem für die Bundesparteichefin. Die Patriotische Plattform in der AfD macht massiv Front gegen Frauke Petry. Und auf ihrer Facebookseite werden schon erste Rücktrittsforderungen laut.
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Ist die Bundesvorsitzende der AfD, Frauke Petry, nur eine Parteichefin auf Abruf? Quelle: Reuters
Frauke Petry

Ist die Bundesvorsitzende der AfD, Frauke Petry, nur eine Parteichefin auf Abruf?

(Foto: Reuters)

BerlinIrgendwie scheint es, als ließen die Dinge die AfD-Spitze kalt, die die Partei derzeit umtreiben. Auf den Facebook-Seiten der beiden Chefs der Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry und Jörg Meuthen, findet sich keine Notiz zum heftigen Streit um Björn Höcke. Als einer der ersten Kommentare prangt dort vielmehr ein Bild mit einer weihnachtlichen Grußbotschaft: „Ich wünsche Ihnen eine besinnliche 4. Adventswoche.“ Ganz so besinnlich dürften die nächsten Tage jedoch nicht werden.

Die Probleme, vor denen Petry und Meuthen im Fall des Thüringer Landeschefs jetzt stehen, haben sie sich selbst eingebrockt. Sie haben schlicht die Macht der AfD-Landeschefs unterschätzt. Denn am Freitag fand sich im Bundesvorstand keine Mehrheit, die sich mit einem Parteiausschluss Höckes anfreunden konnte. Stattdessen wurde die Presse darüber informiert, dass Höcke „nachdrücklich“ dazu aufgefordert worden sei, „zu prüfen, inwieweit seine Positionen sich noch in Übereinstimmung mit denen der AfD befinden“. Eine Formulierung, die von Beobachtern als indirekte Aufforderung zum Austritt gewertet wurde.

Petry selbst bejahte nur kurze Zeit später diese Interpretation in einem Interview mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Damit war klar: Die Bundesparteichefin will Höcke loswerden. Mehrere hochrangige Parteifunktionäre, darunter der Bayern-AfD-Chef Petr Bystron und der Hamburger AfD-Fraktionschef Jörn Kruse, sprangen ihr am Wochenende bei.

Am heutigen Montag wählte Meuthen den Weg über ein Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, um Höcke noch einmal eindringlich darauf hinzuweisen, was für ihn auf dem Spiel steht. „Er muss in nächster Zeit lernen, seine Worte sorgsamer zu wägen und auch manche Äußerung inhaltlich zu überdenken“, sagte Meuthen. Gelinge Höcke das glaubhaft, gebe es keinen Grund, warum er die Partei verlassen sollte. „Verändert er sein Verhalten nicht und waren das keine Ausrutscher, ist die AfD nicht die richtige Partei für ihn.“ Es liege an ihm selbst, seinen Weg zu wählen.

Ob Meuthens Formel aufgeht, ist jedoch fraglich. Denn Höcke kann sich der Rückendeckung zahlreicher Anhänger in der Partei gewiss sein, die nun ihrerseits massiv Front gegen die AfD-Spitze um Petry machen.

Ziemlich deutlich fuhr Alexander Gauland Petry in die Parade: Der brandenburgische AfD-Chef erklärte zu Petrys MDR-Interview: „Der Bundesvorstand hat ausdrücklich keine Maßnahmen gegen Björn Höcke beschlossen und ihn nicht verurteilt. Ich finde es falsch und zutiefst unfair, dass sie das jetzt umdeutet und etwas anderes vertritt.“

Anlass der länger schon schwelenden Auseinandersetzung war eine Äußerung Höckes über eine angebliche Reproduktionsstrategie von Afrikanern und seine Gratulation an die französische Rechtsextremisten-Partei Front National zum guten Abschneiden bei den Regionalwahlen. Höckes Bemerkungen über die Bevölkerungsentwicklung in Afrika sind in einem Youtube-Video dokumentiert (ab Minute 28).

„Eine AfD ohne Höcke gibt’s schon! Diese Partei heißt Alfa“
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  • @wulff baer + @Monika Forro

    Wulff baer sollte sich weniger Sorgen darüber machen, ob Dietmar Neuerer unvollständig oder dünn berichtet hat oder einen Facebook-Eintrag richtig zitiert hat, sondern eher überlegen, ob man mit diesem dünnen AfD-Programm (ist das überhaupt ein "Programm"?) die Zukunft bewältigen kann.

    Und Monika Forro soll es aufgeben, hier in diesem Forum, das zu einer an sich ja seriösen Wirtschaftszeitung gehört, zu versuchen, irgendjemanden zu überzeugen.
    Vergebliche Liebesmüh', "Perlen vor ..."

  • Kaum bekommt die AFD etwas mediale Aufmerksamkeit, gehen deren Mitglieder auf die Barrikaden.

    De facto scheint es so, dass Petry mit Höcke ein ernstes Problem hat. Mal sehen, wann das Personalkarussel sich in der AFD erneut zu drehen beginnt.

    Nichts deutet darauf hin, dass Petry die Zügel fest in der Hand hat. Dies wird ihr wohl über kurz oder lang zu Verhängnis werden. Höcke hat sich mit seiner Verbalrhetorik noch nicht mal richtig warm gelaufen. Menschen wie er streben danach immer noch einen drauf zulegen. Seien wir gespannt auf die nächste Steigerung!

  • Sind das nicht die Schätzungen aus den eigenen Reihen der AFD?

    Oder liege ich daneben und es sind gar 70%?

    Dann sähe es noch schlechter um die AFD aus!

  • Wenn einer gegen die Besiedlung seiner Heimat mit Arabern ist und daher Parteien
    bevorzugt die das verhindern wollen, ist er nach Ansicht der Einheitspartei und Kampfpresse ein Rechter. Außer der deutschen Einheitspartei ist aber niemand
    in Europa für das Ansiedlungsprogramm. Es erschließt sich nur ganz speziellen
    Leuten, die unten, oben, links also nirgends hingehören im Kulturfreiem Raum.

  • Das Handelsblatt sollte sich weniger Sorgen darüber machen, wer in der AfD zurücktreten wird, sondern eher überlegen, ob man mit diesen dünnen redaktionellen Inhalten die Zukunft bewältigen kann.

  • Für Herrn Neuerer ist das AfD Bashing, die völlig subjektive Behandlung der AfD i.S. völlig einseitiger, unausgewogener, negativer Berichterstattung mehr als ein Beruf, es ist seine Berufung geworden, ähnlich einem Stalker, der es nicht lassen kann, bestimmte Personen permanent zu belästigen.

    Meuthen hat die richtigen Worte zu Höcke gefunden, wie immer ruhig und überlegt vorgetragen. Meuthen ist für mich der Ruhepol und strategischer Vordenker ohne jemals laut werden zu müssen. Ich wünsche ihm und der AfD in Baden-Würtemberg alles Gute und schönes zweistelliges Ergebnis.

  • Lesen Sie mal etwas Substanzielles zum "Fall" Höcke und der AfD und zwar in der "Jungen Freiheit" von Karlheinz Weißmann "Sonst endet die AfD als "Lega Ost"
    ("Lega Ost" als Analogie zur italienischenLega Nord).

    Höcke ist nicht dumm aber kein eigentlicher Politiker sondern Lehrer also Pädagoge mit belehrenden Ansprüchen (ähnlich wie Herr Gabriel).

    Menschen dieser Machart können im politischen Vorfeld wirksam werden, als Politiker sind sie eigentlich ungeeignet, da ihr pädagogischer Impetus immer über ihre poitische Klugheit den Sieg davon trägt, mit zuweilen fatalen Konsequenzen.

    Höcke kann innerhalb der AfD seine Rolle spielen aber nicht als wirklich entscheidender Träger der Gesamtstrategie dieser Partei.

  • Sie zu verstehen, ist nun wirklich nicht schwer, Herr Kühne. Sie verbreiten blinde Hass-Parolen gegen die AfD. Ohne Sinn und Verstand. Aber sowas wie Sie muß es hier auch geben im Forum.

  • sehr geehrter H.Spiegel, sie haben aber gar nichts verstanden. Ich nehme an Sie laufen auch blind der AFD nach.

  • Ihrem Rat kann ich mich nur anschließen! Und falls der Dame beides nicht zusagen sollte, könnte sie es auch mit Negerküssen versuchen.

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