AfD und Religion
Was ist dran an der Islamkritik?

Die Alternative für Deutschland hält den Islam für „nicht integrierbar“ und den „politischen Islam“ für eine Bedrohung. Doch was ist dran an den Behauptungen der Rechtspopulisten? Der Anti-Islam-Kurs im Faktencheck.
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Berlin Die AfD warnt vor einer „Islamisierung“ Deutschlands. Mit ihren Positionen zum Islam und zur religiösen Praxis der Muslime in Deutschland polarisiert die rechte Partei – so wie zuletzt in der Flüchtlingsdebatte. Die Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität, Susanne Schröter, sagt zum AfD-Programm, „dass es von einer dramatischen religionswissenschaftlichen, politikwissenschaftlichen, historischen und theologischen Unkenntnis zeugt, sowie Halbwahrheiten verdreht und mit gängigen Vorurteilen vermengt“. Ein Faktencheck.

Zum politischen Islam

Die AfD-Vizevorsitzende Beatrix von Storch sagt in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Die größte Bedrohung für Demokratie und Freiheit geht heute vom politischen Islam aus.“ Nur: „Den politischen Islam“ gibt es nicht. Was es gibt, sind Parteien, die sich auf den Islam berufen. Dazu zählen beispielsweise Ableger der sunnitischen Muslimbruderschaft oder die Schiiten-Parteien im Irak. Einige dieser Parteien messen religiösen Grundsätzen einen höheren Wert zu als individuellen Freiheitsrechten. Die meisten von ihnen befürworten demokratische Prinzipien. In Deutschland gibt es keine islamistischen Parteien.

Zu Minaretten

Im Leitantrag für das Parteiprogramm steht: „Das Minarett lehnt die AfD als islamisches Herrschaftssymbol ebenso ab wie den Muezzinruf, nach dem es außer dem islamischen Allah keinen Gott gibt.“ Aber: Islamwissenschaftlerin Schröter sagt: „Das Minarett ist genauso wenig ein Herrschaftssymbol wie der christliche Kirchturm.“ Das im Gebetsruf enthaltene Glaubensbekenntnis, „Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet“, bringe lediglich verbindende religiöse Überzeugungen zum Ausdruck.

Zu Kopftüchern

Im Leitantrag heißt es weiter: „Der Integration und Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen sowie der freien Entfaltung der Persönlichkeit widerspricht das Kopftuch als religiös-politisches Zeichen der Unterordnung von muslimischen Frauen unter den Mann.“ Allerdings: Schröter sieht das Kopftuch nicht als Emanzipationshindernis. Die Kopfbedeckung der Frauen sei allenfalls „ein Bekenntnis zu einer religiös begründeten moralischen Norm“, aber kein Zeichen der Unterordnung unter einen Mann.

Zur Integrierbarkeit

Der stellvertretende Parteivorsitzende Alexander Gauland sagt im Interview mit der „Zeit“: „Ich glaube einfach, dass der Islam in seiner heutigen Form nicht integrierbar ist in eine westliche Gesellschaft, viele Einzelne schon, der Islam nicht.“ Dazu ist zu sagen: Menschen können sich in eine Gesellschaft integrieren, nicht aber eine Religion. Der „Islam in seiner heutigen Form“ ist ein theoretisches Konstrukt, das so in der Realität nicht existiert. Es gibt säkulare und strenggläubige Muslime, Sunniten, Schiiten und Anhänger anderer islamischer Religionsgemeinschaften. Fakt ist allerdings auch, dass der radikale Salafismus seit etwa 20 Jahren zu den besonders stark wachsenden Strömungen zählt.

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Moscheen sind Orte gemeinsamer Andacht

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  • "Geben Sie der Religion den kleinen Finger, nimmt sie die ganze Hand. (...)"

    Nicht "der Religion". Sondern eigennützigen - und damit letztlich den eigentlichen Sinn von Religion ad absurdum führenden - Eiferern, die das, was sie unter Religion (miss)verstehen für ihre höchsteigenen Zwecke zu missbrauchen versuchen.

    Die gibt's zwar überall, allerdings ist aktuell der Islam von diesem Problem offensichtlich in besonderem Maße betroffen.

  • "Da ich schon oft im Nahen Osten Projekte gemacht habe, kann ich sagen, dass dort die Problematik des rueckstaendigen und politischen Islams, den es sehr wohl gibt, kritischer und unaufgeregter diskutiert wird als bei uns. So konnte ich hierzu in Kairo in einer englischsprachigen Zeitung bessere Analysen lesen als jemals hier in Deutschland. Denn auch in eher liberalen muslimischen Laendern fragt man sich, warum im Nahmen dieser Religion so viele grausame Verbrechen begangen werden."

    Interessanter Hinweis. Gut zu wissen.

  • Es gibt den wissenden Glauben und es gibt den Glauben einer Religion. Die Muslime wissen das es Allah gibt und die Christen Glauben das es Gott gibt.

    Das ist ein gewaltiger Unterschied. Wenn es einen Gott gibt , dann muss er über allen stehen, schließlich ist er kein Winke Onkel wie Gauck z.B sondern einer der
    alles geschaffen hat und steht daher über alles . Punkt erst einmal.

    Daher wird es immer den politischen Islam bei uns geben auch wenn alle Muslimischen Organisationen auf unser GG schwören. Die Wahrheit ist aber,
    damit wählen sie Allah als einzigen Bestimmer einer Gesellschaft ab und daher tun sie es nicht ehrlich.

    Die Kreuzzüge sind noch nicht zu ende nur das die Ritter von heute nicht an das Paradies Glauben und die Muslime tun es aber weiter.

    Daher wird in 50 Jahren in Deutschland eine Christenverfolgung und Judenverfolgung einsetzen,da Merkel und Seehofer einen unumkehrbaren Weg zum Islam Staat Deutschland gelegt haben. Von D geht dann Fächerförmig eine Gewalt in die umliegenden Länder Europas aus, eine Zukunft die man heute schon sieht.

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