AfD vor der Spaltung
Ein Machtkampf – mit miesen Mitteln

In der AfD fliegen die Fetzen: Die Co-Vorsitzenden werfen Parteichef Bernd Lucke aus dem Mailverteiler. Dieser versucht per „Weckruf“ Unterstützer hinter sich zu scharen – und warnt vor einem deutschen Front National.
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BerlinIn der Alternative für Deutschland (AfD) wird jetzt mit harten Bandagen gekämpft. Wenige Stunden nachdem der liberale Flügel um den Parteivorsitzenden Bernd Lucke eine Kampagne gegen rechtsnationale Kräfte in der AfD gestartet hatte, ließen die Co-Vorsitzenden Frauke Petry und Konrad Adam Luckes Zugang zum Mail-Verteiler der Partei sperren. Als sich Lucke daraufhin beim Administrator der AfD beschwerte, blockierte dieser nach Angaben von Parteisprecher Christian Lüth vom Dienstag bis auf weiteres für alle den Zugriff auf die Mitglieder-Datenbank.

Die AfD wird seit längerem von einer schweren Führungskrise erschüttert. Luckes wichtigste Gegenspielerin in der AfD ist zur Zeit die Co-Vorsitzende Frauke Petry. Die Chefin des sächsischen Landesverbandes zeigt mehr Verständnis als er für „Wutbürger“ und rechtsnationale Kräfte. Lucke wirft ihr vor, die Parteimitglieder gegen ihn aufgehetzt zu haben.

Lucke und seine Mitstreiter werben inzwischen auf einer eigenen Website für ihre Initiative „Weckruf 2015“. Seine Initiative diene dazu, die AfD vor einer Spaltung zu bewahren, sagte Lucke am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Straßburg. Gerüchte über die Neugründung einer Partei wies der EU-Abgeordnete entschieden zurück. Es gehe darum, eine Diskussion über die grundsätzliche moderate Ausrichtung der Partei einzuleiten.

Mit Blick auf den starken rechtspopulistischen AfD-Flügel sprach Lucke von der Gefahr, durch einen „falschen Zungenschlag“ viele Mitglieder zu verlieren. „Wir sind keine Protest- und Wutbürger-Partei. Dies ist die nicht die Partei, die wir gegründet haben“, sagte Lucke. Mit dem „Weckruf“ will er die Kräfte des bürgerlich-liberalen Flügel bündeln und eine Abwahl populistischer und rechtsnationaler Kräfte beim Bundesparteitag im Juni zu bewirken. Neben Co-Chefin Petry, zugleich Vorsitzende des sächsischen Landesverbandes, zählen der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland und der nordrhein-westfälischen Landeschef Marcus Pretzell zu Luckes Gegenspielern.

Noch deutlicher äußerten sich Lucke und seine Mitstreiter zuvor in einem Hintergrundgespräch mit Journalisten. Wie die Sueddeutsche Zeitung berichtet, warnten sie in der Runde vor einer Unterwanderung der Partei von rechts, vor der Entwicklung der AfD in eine antiamerikanische und antiislamische Protestpartei, eine Art deutschem Front National. Laut SZ wurde zudem auf das Dilemma hingewiesen, dass das Vermögen der Partei im Falle einer Abspaltung des liberalen Lagers einer solchen Gruppierung zufallen könne.

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Der Name erinnere „an die Zeugen Jehovas“

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  • Für mich war und ist die AfD eine Mischung aus FDP und NPD nur viel radikaler. Welche den Neokapitalismus in Reinkultur verkörpert.

  • >> Genauso denken Populisten. <<
    Das haben Sie richtig erkannt! Ich betrachte Populismus auch nicht als Schimpfwort.

    >> Die Frage: "Was ist der richtige Weg für Deutschland" stellt sich bei der AFD leider nicht mehr.... <<
    Nein? Wenn eine Partei, die dauerhaft unter 5% bleiben würde, den "richtigen Weg für Deutschland" weisen würde, was hätte das für einen Wert?

    Im übrigen hat gestern die Lügenpresse, die natürlich die Wahrheit nicht vertragen kann, wieder voll zugeschlagen und meinen Beitrag bis zur Unkenntlichkeit "editiert". "Unsachlich" war da gar nichts!

  • Die AfD ist aus dem Protest der 300 Professoren gegen willkürliche Manipulationen der Wahrheitsfindung durch die Politik im Verein mit Interessengruppen in der gegenwärtigen politischen Kultur entstanden und soll den Satz des Louis-Gabriel-Ambroise de Bonald von 1818 überwinden: „Es ist ein Glaubensartikel, daß die Philosophen des 18. Jhd. mit unseren Katastrophen nichts zu tun haben…. Was auch daraus folgen mag, ich jedenfalls würde zur Ehre der Philosophie nicht nur, sondern auch der Nation es vorziehen, beiden etwas mehr Schuld zu geben, als auf solche Weise der Nichtigkeit der einen und die Leichtfertigkeit, Unbedachtheit, ja Stupidität der anderen zu zugestehen. Diese Art der Rechtfertigung gleicht allzusehr der Methode, die vor Gericht üblich ist, wenn man einen Angeklagten, um ihn zu retten, für unzurechnungsfähig erklärt.

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