AfD vor Spaltung
Lucke-Flügel plant schon die Konkurrenz-Partei

Nach dem Sieg der Nationalkonservativen steht die AfD vor dem Rechtsruck: Partei-Chefin Frauke Petry will primär Politik für islamkritische Bürger machen. Indes kündigen erste Lucke-Anhänger ihren Parteiaustritt an.
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EssenDie Alternative für Deutschland steht nach dem Sieg von Frauke Petry im Machtkampf mit Parteigründer Bernd Lucke vor der Spaltung. Die Unterstützer des von ihm initiierten Vereins „Weckruf 2015“ müssten jetzt entscheiden, ob die AfD noch ihre politische Heimat sei, kündigte der abgewählte Parteichef am Sonntag in Essen an. Eine Austrittswelle kündigt sich schon an. Als erstes hochrangiges Mitglied hat die Europaabgeordnete und schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ulrike Trebesius ihren Austritt der Partei angekündigt.

Dies sei nicht mehr ihre Partei, sagte Trebesius am Montag dem Sender NDR 1 Welle Nord. Sie sei in eine Partei eingetreten, die Alternativen zur jetzigen Politik formulieren wollte. Die Entscheidungen auf dem Essener Parteitag stünden jedoch dafür, dass die Partei systemkritisch sein und Totalopposition ausüben wolle. Auch Bernd Kölmel, Baden-Württembergs AfD-Landesvorsitzender und Europaabgeordneter, tritt laut Informationen der FAZ aus der AfD aus.

Zuvor hatte bereits der frühere Industriepräsident Hans-Olaf Henkel laut ZDF bestätigt, dass er die AfD verlässt. Auf dem Parteitag hat sich die dem nationalkonservativen Parteiflügel zugerechnete Frauke Petry im Machtkampf mit dem Parteigründer Bernd Lucke um die Parteiführung durchgesetzt und war mit 60 Prozent der Stimmen gewählt worden. Luckes Anhänger vom wirtschaftsliberalen Flügel wollen nun in den kommenden Tagen über einen kollektiven Parteiaustritt entscheiden.

Zahlreiche weitere Mitglieder haben in den Landesverbänden die Absicht geäußert, die Alternative für Deutschland (AfD) zu verlassen. Das berichteten mehrere Parteifunktionäre aus Bayern, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg am Montag der Deutschen Presse-Agentur. 

Lucke unterlag bei der Vorstandswahl mit 38 Prozent klar der Vertreterin des nationalkonservativen Flügels. Für Petry stimmten 60 Prozent der rund 3500 Teilnehmer des Parteitags. Die 40-Jährige forderte die Auflösung des liberalen Weckrufs und will die Partei nach rechts steuern. Es könne sein, dass die AfD eine Rolle wie die rechtsextreme Partei Front National in Frankreich einnehmen werde, sagte Lucke, der für den wirtschaftsliberalen Flügel steht. Denkbar sei, dass die Weckruf-Unterstützer kollektiv aus der AfD austräten. Seinen eigenen Austritt bezeichnete er als „nicht unwahrscheinlich“.

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  • Zwar ist die kleine Frau nicht dumm und auch rhetorisch geschickt - reichen wird das aber nicht, um eine Partei zu führen, die im Lande ernst genommen werden soll und gar in den Bundestag einziehen will.

    Da ist Lucke schon ein ganz anderes Kaliber. Sachverstand und Kompetenz zeichnen ihn aus - wenngleich seine Rhetorik und die Begeisterungsfähigkeit zu wünschen läßt.

    Zusammen mit Lucke als alleinigem Vorsitzer der Partei haben sie es weit gebracht - leider nur, um sich nun gegenseitig und die Partei zu zerlegen.

    Eine Neugründung unter Lucke oder ähnlich kompetenter Seite wird es vermutlich allein nicht in den Bundestag schaffen - vielleicht in die Landtage und auch ins EU-Parlament.

    Schade - es hat so gut begonnen.

  • Sehr richtig. Die jetzt noch verbliebenen deutschtümelnden Gutmenschen von der AFD verbünden sich endlich mit Pegida und wir bekommen eine neue NPD!

  • Und Tschüss ... Alle Warmduscher raus! Damit man sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren kann. Die Partei wird sich finden. In diesem Jahr sind keine Wahlen mehr .... den Rest regelt die ausufernde Zuwanderungsproblematik und die eskalierende Eurokrise - ohne Zutun der AfD. Das werden auch die medialen Schmierfinkaktionen nicht verhindern! Und das ist gut so!

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