AfD-Vorsitz
Petry greift nach der Macht

Jung, weiblich, rechts – so präsentiert sich Frauke Petry in der Öffentlichkeit. Die 40-Jährige will alleinige Vorsitzende der AfD werden, arbeitet hartnäckig an ihrem Aufstieg und vor allem gegen Lucke.
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BerlinDer Machtkampf mit Bernd Lucke scheint Frauke Petry erst so richtig anzuspornen: Die 40-Jährige gibt sich vor dem Parteitag unbeeindruckt vom beißenden Spott, der aus dem Lucke-Lager kommt. Hartnäckig arbeitet die AfD-Politikerin auf ihren großen Tag hin, der vielleicht schon am Wochenende kommen könnte: Sollte die Wortführerin des rechten Parteiflügels alleinige Vorsitzende werden, könnte sie die AfD nach ihren Vorstellungen ausrichten – und Kurs auf den Bundestag nehmen.

Die wortgewandte Rechtskonservative gehört seit der Parteigründung Anfang 2013 neben Lucke und dem weniger profilierten Konrad Adam zum Führungstrio. Ihr erster großer Erfolg kam im August 2014: Als sächsische Landesvorsitzende führte sie die AfD mit fast zehn Prozent in den Dresdener Landtag, wo sie den Fraktionsvorsitz übernahm. Stärker als Lucke suchte Petry die Nähe zur islamfeindlichen Pegida-Bewegung – und nicht nur hierin unterscheidet sich die AfD-Vorzeigefrau von ihrem Kontrahenten.

In der eurokritischen AfD, die gerne mal als Altherrenverein tituliert wird, sticht Petry hervor: Sie wirkt jung und frisch, kommt stets adrett daher, zeigt sich als geduldige Zuhörerin für die Sorgen der Bürger, betreibt intensive Basisarbeit. Sie ist Mutter von vier Kindern, mit einem Pfarrer verheiratet und diplomierte Chemikerin. Bei ihren öffentlichen Auftritten präsentiert sich Petry als freundliche und seriöse Powerfrau, die sich auch von ihren zahlreichen Gegnern in und außerhalb der AfD nicht aus der Fassung bringen lässt.

Nur wenn Petry ihren Widersacher sieht, scheint sich ein Schalter bei ihr umzulegen: Dann verschwindet das Lächeln, die Miene wird eiskalt – wie neulich in Brüssel, als sie Lucke bei einer Begegnung auf dem Flur vor Kameras knapp abfertigte. Dessen auf sie gemünzte Warnungen vor einem „falschen Zungenschlag“ in der AfD und ein Abdriften in den Rechtspopulismus lässt Petry an sich abperlen.

Erst Mitte Juni erklärte sie sich zur Kampfkandidatur bereit, attestierte Lucke einen „autoritären Führungsstil“ und zu wenig Mut, um auch unliebsame Themen öffentlich zu vertreten. Die AfD dürfe keine „One-Man-Show“ sein, warnte sie.

Wo sie politisch steht, hatte Petry insbesondere im sächsischen Wahlkampf klargemacht. So forderte sie die Wiedereinführung von Kontrollen an Sachsens Grenzen zu Polen und Tschechien, den Einsatz von mehr Polizei gegen „Grenzkriminalität“, eine schärfere Asylpolitik, eine Volksabstimmung über ein strengeres Abtreibungsrecht, mehr deutschsprachige Lieder im Radio – und etwas, das Petry als „aktive Bevölkerungspolitik“ bezeichnet: Die Drei-Kind-Familie als Normalfall in Deutschland, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten.

Petry sieht sich als eine Art Sprachrohr des gesunden Menschenverstands: „Wir sind die Partei, die einfach viele Tabuthemen anspricht, die von den anderen Parteien aus Angst zu verschrecken nicht mehr thematisiert werden.“

Petry wurde 1975 in Dresden geboren, als Teenager kam sie in der Wendezeit mit ihrer Familie nach Westdeutschland, wo sie schnell Fuß fasste. Nach dem Abitur studierte sie als Stipendiatin in Göttingen und Großbritannien Chemie, 2004 folgte die Promotion. Sie gründete ein Kunststoff-Unternehmen in Leipzig, bekam Unternehmenspreise und den Bundesverdienstorden.

Und sie lernte die Risiken des Wirtschaftslebens kennen. Ende 2013 ging Petrys Firma pleite, es folgte die Privatinsolvenz – eine Schlappe für eine Politikerin, die sich im sächsischen Wahlkampf ausgerechnet mit Parolen gegen angebliche Pleiteländer im Süden Europas profilierte. Geschadet hat es ihr offenbar nicht. Als Motiv für den Gang in die Politik nannte Petry zu Beginn ihrer Parteikarriere den „Drang, endlich etwas zu bewegen“. Sollte sie sich auf dem Parteitag in Essen gegen Lucke durchsetzen, hätte sie zumindest innerparteilich für ordentlich Bewegung gesorgt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " AfD-Vorsitz: Petry greift nach der Macht"

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  • Sehr gut, Rouven Schmitt

  • Werde ich es noch erleben, das Deutschland "erwachsen" wird?

    Was ist an einer rechten Einstellung schlimm oder verwerflich. Wo es links, liberal usw. gibt, muss es auch rechts geben. DAS ist Demokratie und wer das nicht akzeptieren kann, hat Demokratie nicht verstanden!

  • Ganz offensichtlich haben Sie eine sehr vereinfachte Sichtweise auf die Politik. Jemand der die CDU als linke Partei einstuft und den Bundestag als Volkskammer bezeichnet hat, bei allem Respekt, in der Tat politischen Bildungsbedarf. Die AfD hat in ihrem Programm durchaus Punkte die von fast allen Menschen in Deutschland in der einen oder anderen Weise reflektiert werden. Aber die hatte die NSDAP auch. Viel wichtiger ist es doch aber das große Ganze im Auge zu behalten: was hat die AfD für Visionen für Deutschland und welcher Mittel und Menschen bedient sie sich. Auch wenn Sie dass nicht sehen wollen und die "Lügenpresse" beschimpfen - genau da ist die AfD rechts.

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