AfD-Vorstand Gustav Greve
„Das Geschäft mit Macht und Politik sollten wir auch wollen“

Die AfD will sich in diesem Jahr erstmals ein Grundsatzprogramm geben. Federführend ist Gustav Greve. Im Interview spricht der Ex-CDU Mann über das Chaos in seiner Partei und wie die AfD regierungsfähig werden kann.
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BerlinFür die Alternative für Deutschland (AfD) ist Gustav Greve ein Glücksfall. Seine Berliner Beratungsfirma bietet Unternehmen Hilfe bei der Suche nach „schnellen, kompetenten und zuverlässigen Problemlösungen“ an, wie seiner Webseite zu entnehmen ist. Die AfD ist nun kein Unternehmen, doch kompetente Unterstützung bei der Lösung ihres parteiinternen Richtungsstreits braucht auch sie – vor allem jetzt. In der Partei tobt seit Wochen ein heftiger Streit um den richtigen politischen Kurs. Hier kommt Greve ins Spiel. Der frühere CDU-Mann ist Mitglied des Bundesvorstandes der AfD und leitet die Bundesprogrammkommission der Partei. Seine Aufgabe: die AfD programmatisch so aufstellen, dass sie für andere Parteien als Koalitionspartner infrage kommen könnte. Die derzeitigen Querelen passen da nicht ins Bild. Das weiß auch Greve. Entsprechend hart geht er im Interview mit der AfD ins Gericht.

Herr Greve, Hans-Olaf Henkel hat den AfD-Bundesvorstand verlassen, woraufhin die Partei in einer Forsa-Umfrage unter fünf Prozent rutscht. Für wie brisant schätzen Sie diese Entwicklung ein?

Herr Henkel hat sich sehr stark in und für die AfD engagiert und sein bedauerlicher Rücktritt ist ein unüberhörbarer Ruf an alle Protagonisten, die politische Idee der AfD in den Mittelpunkt zu stellen und nicht die eigene Position. Mit jedem weiteren Streit werden die Zweifel der Wähler an der AfD größer und das macht sich nun auch in der Sonntagsfrage bemerkbar. Niemandem – außer dem Establishment – nützt aber eine schwache AfD, weder den Flügelkämpfern, noch den Mitgliedern und schon gar nicht den zwei Millionen Wählerinnen und Wählern, die ihre Hoffnung in die AfD gesetzt haben. Die Lage ist kritisch, denn aus einer zerrütteten AfD würde nichts Neues entstehen.

Sie sind Vorsitzender der Bundesprogrammkommission (BPK), und diese erarbeitet Vorschläge für das künftige Parteiprogramm der AfD.  Wie wirken sich die derzeitigen parteiinternen Querelen auf die Programmarbeit aus?

Noch haben die Streitigkeiten keinen Einfluss auf den Programmprozess. Ich sage noch, weil ich nicht in die Zukunft sehen kann. Ich beobachte allerdings auch, dass sich die Landesverbände Thüringen und Sachsen-Anhalt an dem Programmprozess eher zurückhaltend beteiligen.

Es gibt ja ein paar Knackpunkte. Wenn zum Beispiel der Brandenburger AfD-Chef Gauland sagt, für die AfD muss in der Programmatik die Flüchtlingspolitik die gleiche Rolle spielen wie die Euro-Politik. Wie gehen Sie damit um?

Wie nehmen das als interessante Wortmeldung zur Kenntnis. Das hat aber keinen durchschlagenden Einfluss auf den Programmprozess. Herr Gauland nimmt persönlich an dem Prozess bislang nicht teil. Das betrifft auch Äußerungen oder Wünsche von anderen Bundesvorstandsmitgliedern. Der Programmprozess ist so angelegt, dass er nicht von oben nach unten stattfindet, sondern von unten nach oben. Ich will nicht ausschließen, dass ein Vertreter des Landesverbands Brandenburg hört, was Herr Gauland sagt, und diese Meinung dann in den Prozess einbringt. Andererseits werden dann sicher einige andere sagen, auf diese Weise lassen wir unsere Programmarbeit nicht beeinflussen.

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