Affäre in NRW
Rüttgers Redenschreiber macht Oettinger schlecht

Mit der Beziehung der CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (NRW) und Günther Oettinger (Baden-Württemberg) steht es wegen des Streits um die WestLB ohnehin nicht zum Besten. Nun droht eine regelrechte Eiszeit zwischen Düsseldorf und Stuttgart, weil Rüttgers' Redenschreiber anonym über Oettinger herzog - und zwar in einer Ländle-eigenen Postille.

HB STUTTGART. Oettinger bekam in den vergangenen Wochen ausgerechnet in Berichten der bisher landeseigenen „bwWoche“ sein Fett weg. „Wenn sich Günther Oettinger in die Bundespolitik einmischen will, interessiert das kaum jemanden“, lautete etwa die Unterzeile eines Porträts mit dem Titel „Nicht auf Augenhöhe“. Der Autor: Ein gewisser Reinhard T. Kneitling, Berlin. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich ein Redenschreiber aus dem Stab des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU).

Die Düsseldorfer Staatskanzlei hatte dem Mann erlaubt, in seiner Freizeit Beiträge für die „bwWoche“ (früher „Staatsanzeiger“) zu schreiben, deren Chefredakteur er vor seinem Wechsel ins Rüttgers-Team im Jahr 2006 war. „Er musste uns die Artikel nicht vorlegen“, betont NRW-Regierungssprecher Andreas Krautscheid. Wohl aber habe er zusichern müssen, die Interessen seines Arbeitgebers nicht zu verletzen. Nun werde geprüft, ob der Redenschreiber gegen diese Regel verstoßen hat. Dass er in seinen Artikeln gegen Oettinger schoss, sei in Düsseldorf nicht bekannt gewesen: „Das wird hier in keiner Weise toleriert“, sagt Krautscheid. „Wir haben kein Interesse an Irritationen mit Stuttgart.“ Das habe man den dortigen Kollegen auch deutlich gemacht.

Der heutige Redenschreiber saß in den 90er Jahren für die Grünen in einem Stadtrat im Sauerland und wechselte nach Unstimmigkeiten mitsamt seinem Mandat zur CDU. Dort machte er Karriere und kam nach der Zwischenstation „Staatsanzeiger“ schließlich in die Staatskanzlei in Düsseldorf.

„Schlecht beraten, schlecht informiert und schlecht vernetzt - das ist die Figur, die Oettinger derzeit in Berlin abgibt“, schrieb „Kneitling“ von dort aus in der „bwWoche“ des Staatsanzeiger-Verlags in Stuttgart, die künftig von drei Zeitungsverlagen aus Baden-Württemberg geführt wird. Die Wochenzeitung und der Verlag wollten zum Thema Redenschreiber keine Stellungnahme abgeben.

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