Affäre um Doktorarbeit
Kubicki sieht Koch-Mehrins politische Zukunft auf dem Spiel

Nach den Plagiatsvorwürfen gerät die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin in der eigenen Partei unter Beschuss. Der Fraktionschef der Liberalen in Kiel, Wolfgang Kubicki, geht schon von ihrem Rücktritt aus.
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Heidelberg/KielDer schleswig-holsteinische Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki sagte dem Bremer „Weser-Kurier“: „Wir werden abwarten müssen, was die Universität Heidelberg dazu sagt. Ich kann mir schwer vorstellen, dass das politische Ergebnis, sollte sich der Verdacht als zutreffend erweisen, in der Dimension ein anderes wäre als bei Herrn zu Guttenberg. Wenn das so wäre, wäre es für sie (Koch-Mehrin) bitter.“

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war am 1. März von allen Ämtern zurückgetreten, nachdem im Internet zahlreiche Textpassagen aus seiner Doktorarbeit aufgetaucht waren, die er von anderen Autoren übernommen hatte, ohne dies mit Fußnoten kenntlich zu machen. Auch Koch-Mehrin - Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments - ist in Verdacht geraten, für ihre von der Uni Heidelberg betreute Doktorarbeit abgeschrieben zu haben.

Nach Plagiatsvorwürfen gegen Silvana Koch-Mehrin prüft die Universität Heidelberg, ob sie künftig von ihren Doktoranden eidesstattliche Versicherungen verlangt. Das sagte der Vorsitzende der „Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“, Professor Thomas Rausch. „Es kann und darf aber keinen Generalverdacht geben, daher haben wir an der Universität Heidelberg grundlegende Bedenken gegen den Einsatz technischer Prüfverfahren, die im übrigen oft auch unausgereift sind“. Die Universität setze auf die persönliche Verantwortung.

Die Hochschule untersucht die Vorwürfe gegen Koch-Mehrin. „Der beste Schutz vor Plagiaten in Dissertationen ist eine gute Betreuung der Doktoranden und eine möglichst frühe Einübung der Regeln für wissenschaftliches Arbeiten bereits im Studium“, sagte Rausch. Vorsätzlicher Betrug sei allerdings niemals auszuschließen. Laut Rausch hat die Uni Heidelberg bisher einen Doktortitel aberkannt. „Wir befinden uns seit drei Jahren im Rechtsstreit mit diesem Doktoranden“. Derzeit ist eine Arbeit in der Diskussion, in der eine Passage aus einer anderen Dissertation abgeschrieben wurde.

Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, hat derweil davor gewarnt, einen Generalverdacht gegen die Wissenschaft aufzubauen. Dies sei unverantwortlich gegenüber dem sehr engagierten wissenschaftlichen Nachwuchs, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag). „Wir reden hier nicht von einem Massenphänomen, sondern von Einzelfällen, die sehr wohl äußerst bedauerlich sind.“ Es gelte, diese Fälle, Ursachen und Motive genau zu analysieren und daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Unterdessen zog SPD-Innenexperte Sebastian Edathy die Entscheidung von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in Zweifel, gegen Guttenberg keinen Strafantrag wegen der Plagiatsaffäre zu stellen. „Der Bundestagspräsident sollte der Öffentlichkeit erläutern, warum er von der Stellung eines Strafantrages absehen will“, sagte Edathy der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Online-Ausgabe). „Wenn das Urheberrecht des Bundestages verletzt wurde und das keine Konsequenzen hat, würde ein negativer Präzedenzfall geschaffen.“

Lammert hatte für den Verzicht auf den Strafantrag keine Gründe genannt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Eine Strafanzeige kann nur stellen, wer Opfer von zu Guttenberg war. Also Leute, von denen zu Guttenberg agekupfert hat.
    Das ist das normale übliche Verfahren.
    Was sollte denn der Bundestag für eine Anzeige stellen? Wegen Täuschung? So nach dem Motto "sein Dr. war nicht echt, er hat abgeschrieben und uns das nicht gesagt" Nee, das geht nicht.

  • Volle Zustimmung.
    Aber noch sind viel zu viele Bürger deart dämlich, dass sie gar nicht begreifen, was abläuft.
    Sie interessieren sich für nichts. Hartz IV kommt pünktlich, also wozu nachdenken?

  • Es wird höchste Zeit, dass der Bürger in Brüssel und Berlin die Köpfe rollen läßt. Mit jedem abgeschlagenen Kopf geht es dem Volk besser und die Schulden werden weniger. Weidmanns heil!

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