Afghanisches Mitbringsel
Niebel lässt sich unverzollten Teppich schicken

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel muss einen in Afghanistan gekauften Teppich nachverzollen. Ein „Missverständnis“ habe dazu geführt, dass das 30 Kilogramm schwere Stück nicht früher angemeldet wurde.
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BerlinAm Zoll vorbei ist ein von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) in Afghanistan erstandener Teppich in Deutschland gelandet. Einen entsprechenden „Spiegel“-Bericht bestätigte das Ministerium am Donnerstag. Niebel selbst erklärte, die Nachverzollung sei jetzt eingeleitet. Dass nicht früher verzollt wurde, ist laut seinem Ministerium auf ein „Missverständnis“ zurückzuführen.

Laut „Spiegel“ hatte Niebel den neun Quadratmeter großen Teppich während einer Dienstreise im März in Kabul für rund 1400 Dollar (rund 1000 Euro) erstanden. Da er und seine Mitarbeiter jedoch mit einer Linienmaschine nach Kabul gereist sei, habe er das Souvenir nicht mitnehmen können. Deshalb sei der sperrige, 30 Kilogramm schwere Teppich in der Deutschen Botschaft geblieben.

Die Botschaft habe den Referenten des Ministers am 17. Mai per E-Mail informiert, dass der Teppich drei Tage später in einer Maschine des Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) von Kabul nach Berlin transportiert werde. Hierbei handelte es sich nach Auskunft des Ministeriums um einen „persönlichen Gefallen“. Eine Bezahlung sei nicht erfolgt.

Dem Ministerium zufolge wurde der Teppich am 20. Mai am Flughafen Berlin-Schönefeld auf dem Rollfeld übergeben - laut „Spiegel“ an einen Fahrer Niebels. Zur Übergabe des Teppichs am Flughafen Schönefeld erklärte das Ministerium, diese sei "auf dem Rollfeld für nichtkommerzielle Flüge" erfolgt. Der Minister sei davon ausgegangen, dass die Verzollung direkt nach Erhalt beantragt worden sei - was jedoch nicht der Fall war.

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  • Ich bin gespannt wie das mit dem Amtsbonus gehandhabt wird.

    Eigentlich sollten Politiker Vorbilder sein. Aber für wen?

    Früher wäre der Rücktritt schon lange erklärt gewesen. Aber diese ethischen und moralischen Vorstellungen sind überholt.

    Dennoch bin ich mir relativ sicher, dass Herr Niebel für das deutsch-schweizerische Abkommen stimmz, nachdem alle deutsche Gelder in der Schweiz als Schwarzgeld bezeichnet werden und großzügig unter dem Vorwand einer "Abgeltungssteuer" vom Fiskus vereinnahmt werden.

  • Was regen sich alle über die Nichtverzollung auf, das mag ja noch glaubwürdig klingen. Wieso werden aber wie selbstverständlich, Privatmitbringsel auf Steuerzahlerkosten mit Staatsmaschinen transportiert

  • Wenn ich das nächste mal zu viel Schnaps dabei habe verzolle ich den auch nicht. Wenn man mich erwischt, dann erkläre ich denen, das sei ein Mißvertändnis.

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